Einheiten & Mathe

Mit dem Inflationsrechner berechnen Sie den Kaufkraftverlust durch Inflation über beliebige Zeiträume. Erfahren Sie, wie viel Ihre Ersparnisse in der Zukunft noch wert sein werden und welchen realen Wertverlust Inflation verursacht. Dieses Wissen ist essenziell für Altersvorsorge, Sparplanung und Investitionsentscheidungen.

Kaufkraft nach 10 Jahren
— €

So wird gerechnet

Die Berechnung nutzt die Formel Kaufkraft = Betrag / (1 + Inflationsrate) hoch Zeitraum, die den exponentiellen Effekt der Geldentwertung abbildet. Die Europäische Zentralbank strebt eine Inflationsrate von 2% an, was als preisstabil gilt. Über längere Zeiträume wirkt der Zinseszinseffekt jedoch erheblich: Bei 2% jährlicher Inflation verliert Geld in 35 Jahren die Hälfte seiner Kaufkraft.

2-3% pro Jahr.

Hintergrund

Die Inflationsrate erlebt niemand

Die Inflationsrate ist ein gewichteter Durchschnitt über zwölf Ausgabenbereiche. Zwischen dem teuersten und dem günstigsten liegen 38,5 Prozentpunkte – und eine Abteilung ist heute sogar billiger als 2020. Wer die Durchschnittsrate auf sein eigenes Geld anwendet, rechnet mit einem Warenkorb, den er nicht hat.

Von Matthias Dührkop · Stand

Grundlage: Statistisches Bundesamt · Statistisches Bundesamt · alle Quellen

Ein Durchschnitt aus zwölf Teilen

Der Verbraucherpreisindex misst, was ein fester Warenkorb kostet, und setzt den Jahresdurchschnitt 2020 auf 100. Der Gesamtindex steht im Juli 2026 bei 125,6 – der Warenkorb ist also um 25,6 % teurer geworden. Diese eine Zahl ist der nach Ausgabenanteilen gewichtete Durchschnitt aus zwölf Abteilungen, und die laufen weit auseinander.

Verbraucherpreisindex nach Abteilungen
Abteilung Index seit 2020 gegenüber Vorjahr 100 € von 2020 sind heute
Gesamtindex 125,6 +25,6 % +2,78 % 79,62 €
Verkehr 137,7 +37,7 % +7,92 % 72,62 €
Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke 136,8 +36,8 % +0,44 % 73,10 €
Gaststätten- und Beherbergungsdienstleistungen 136,4 +36,4 % +2,87 % 73,31 €
Andere Waren und Dienstleistungen 132,7 +32,7 % +4,08 % 75,36 €
Alkoholische Getränke und Tabakwaren 132,3 +32,3 % +4,26 % 75,59 €
Bildungswesen 124,6 +24,6 % +4,44 % 80,26 €
Freizeit, Unterhaltung und Kultur 122,2 +22,2 % +2,09 % 81,83 €
Wohnung, Wasser, Strom, Gas und andere Brennstoffe 119,3 +19,3 % +1,45 % 83,82 €
Möbel, Leuchten, Geräte und anderes Haushaltszubehör 118,1 +18,1 % -0,17 % 84,67 €
Gesundheit 116,5 +16,5 % +4,95 % 85,84 €
Bekleidung und Schuhe 105,7 +5,7 % -1,03 % 94,61 €
Post und Telekommunikation 99,2 -0,8 % +0,81 % 100,81 €

Statistisches Bundesamt, Stand Juli 2026, Basis 2020 = 100. Die Veränderung gegenüber dem Vorjahr vergleicht denselben Monat des Jahres 2025, damit Saisoneffekte herausfallen.

Verkehr liegt 37,7 % über dem Basisjahr, Post und Telekommunikation bei -0,8 %. Das sind 38,5 Prozentpunkte Abstand um einen Durchschnitt von 25,6 %. Eine Abteilung liegt sogar unter dem Basisjahr: Post und Telekommunikation – dort sind 100 € von 2020 heute 100,81 € wert, also mehr als damals.

Nur fünf der zwölf Abteilungen liegen überhaupt über dem Gesamtindex. Dass die gefühlte Teuerung trotzdem regelmäßig höher ausfällt als die gemeldete, hat einen einfachen Grund: Darunter sind die Posten, die man häufig und bewusst bezahlt – Verkehr, Nahrungsmittel, Gaststätten und Hotels. Was sich kaum verteuert hat, zahlt man dagegen selten oder per Dauerauftrag.

Der Rechenfehler bei der Kaufkraft

Die letzte Spalte der Tabelle wird häufig falsch gebildet. Wenn die Preise um 25,6 % gestiegen sind, ist die Kaufkraft von 100 € nicht um denselben Prozentsatz gefallen. Der verbreitete Ansatz – 100 € minus 25,6 Prozent – ergibt 74,40 €. Richtig ist die Division durch den Index: 79,62 €. Die Differenz von 5,22 € je hundert Euro ist keine Rundung, sondern ein systematischer Fehler, der mit der Teuerung wächst.

Der Grund ist derselbe wie beim Rabatt: Ein Aufschlag von 25 Prozent wird nicht durch einen Abschlag von 25 Prozent rückgängig gemacht. Wer wissen will, was ein alter Betrag heute wert ist, muss durch den Index teilen, nicht den Anstieg abziehen.

Welche Rate man fortschreibt

Ein Inflationsrechner braucht eine Rate als Eingabe, und genau darin steckt die eigentliche Entscheidung. Über zehn Jahre führt die Wahl zu Ergebnissen, die weit auseinanderliegen – hier für 10.000 €, fortgeschrieben mit den aktuellen Jahresraten aus der Tabelle.

Kaufkraft von 10.000 Euro nach zehn Jahren
fortgeschrieben mit Rate Kaufkraft nach 10 Jahren Verlust
Gesamtindex (Jahresrate) +2,78 % 7.600 € 2.400 €
Verkehr (Jahresrate) +7,92 % 4.668 € 5.332 €
Post und Telekommunikation (Jahresrate) +0,81 % 9.222 € 778 €

Gerechnet mit den Veränderungsraten des laufenden Jahres, konstant fortgeschrieben. Das ist eine Modellannahme und keine Prognose: Keine Abteilung hat sich in den vergangenen Jahren mit gleichbleibender Rate entwickelt.

Zwischen der günstigsten und der teuersten Fortschreibung liegen nach zehn Jahren 4.554 €. Wer eine Rate einsetzt, trifft deshalb keine technische, sondern eine inhaltliche Entscheidung: Er legt fest, welchen Warenkorb er unterstellt. Für Miete und Nebenkosten ist die Abteilung Wohnen die passendere Größe, für ein Fahrzeugbudget der Verkehr, für eine Rentenlücke am ehesten der Gesamtindex.

Eine sinkende Rate senkt keine Preise

Der häufigste Irrtum im Umgang mit der Inflationsrate betrifft nicht ihre Höhe, sondern ihre Richtung. Fällt die Rate, heißt das nicht, dass etwas billiger wird – es heißt nur, dass der Anstieg langsamer geworden ist. Der erreichte Preis bleibt.

Die Tabelle oben liefert das Beispiel gleich mit. Die Abteilung Nahrungsmittel ist gegenüber dem Vorjahr nur um 0,44 % gestiegen – eine Rate, die nach Entwarnung klingt. Gegenüber 2020 liegt die Abteilung trotzdem 36,8 % höher. Wer 100 € dafür ausgibt, bekommt heute Waren im Wert von 73,10 € zu Preisen von 2020. Damit die Preise auf das Niveau des Basisjahres zurückkehrten, bräuchte es nicht eine niedrige Rate, sondern jahrelang negative.

Wann sich die Kaufkraft halbiert

Weil Inflation multiplikativ wirkt, lässt sich für jede Rate ausrechnen, nach wie vielen Jahren ein Betrag nur noch die halbe Kaufkraft hat.

Halbierungsdauer der Kaufkraft nach Inflationsrate
jährliche Rate Kaufkraft halbiert nach 10.000 € sind dann noch
1,00 % 70 Jahren 4.983 €
2,00 % 35 Jahren 5.000 €
2,78 % 25 Jahren 5.035 €
5,00 % 14 Jahren 5.051 €
7,92 % 9 Jahren 5.038 €

Die Halbierungsdauer folgt aus dem Zinseszins und ist unabhängig vom Betrag. Die letzte Spalte rundet die Jahre auf ganze Werte, deshalb liegt sie nicht exakt bei der Hälfte.

Bei der aktuellen Jahresrate des Gesamtindex dauert es 25 Jahre, bei der Rate der teuersten Abteilung 9. Für alles, was über Jahrzehnte läuft – Rentenlücke, Kapitallebensversicherung, ein Sparplan für die Kinder – ist das die entscheidende Größe, und sie hängt vollständig an einer Zahl, die man selbst wählt.

Was der Index nicht misst

  • Den eigenen Warenkorb. Die Gewichte des Index stammen aus den durchschnittlichen Konsumausgaben aller Haushalte. Ein Haushalt ohne Auto trägt die 37,7 % beim Verkehr nicht mit, ein Pendler dagegen überproportional.
  • Qualitätsänderungen unmittelbar. Wird ein Produkt besser oder größer, rechnet die Statistik den Qualitätsanteil heraus. Der gemessene Preisanstieg fällt dadurch niedriger aus als der Betrag auf dem Kassenzettel.
  • Vermögenspreise. Kaufpreise für Immobilien und Wertpapiere gehören nicht in den Warenkorb, Mieten dagegen schon. Wer die Entwicklung von Immobilienpreisen sucht, findet sie nicht im Verbraucherpreisindex.

Die eigene Rechnung führt der Rechner am Anfang dieser Seite durch – mit einer Rate aus der ersten Tabelle statt einer gegriffenen Zahl. Was daneben an Kaufkraft durch Steuern und Abgaben verloren geht, zeigt der Brutto-Netto-Rechner.

Alle Indexstände stammen vom Statistischen Bundesamt, Stand Juli 2026, Basis 2020 = 100. Die Werte werden turnusmäßig revidiert; maßgeblich ist die jeweils aktuelle Veröffentlichung. Die Fortschreibung über zehn Jahre unterstellt eine konstante Rate und ist ausdrücklich keine Prognose.

Häufige Fragen

Was ist Inflation und wie beeinflusst sie meine Ersparnisse?

Inflation ist der kontinuierliche Anstieg der Preise für Waren und Dienstleistungen. Sie führt dazu, dass die gleiche Menge Geld mit der Zeit weniger wert wird. Wenn Sie 10.000€ sparen und die Inflation beträgt 2% pro Jahr, sind diese 10.000€ nächstes Jahr nur noch etwa 9.800€ wert.

Wie unterscheiden sich Nominalzins und Realzins?

Der Nominalzins ist der Zinssatz, den Sie von Ihrer Bank erhalten. Der Realzins berücksichtigt die Inflation. Wenn Ihr Sparkonto 1% Nominalzins bietet, aber die Inflation 2% beträgt, ist Ihr Realzins negativ: Sie verlieren Kaufkraft.

Wie wirkt sich Inflation auf Mieten und Lebenshaltungskosten aus?

Mieten und Lebenshaltungskosten steigen tendenziell mit der Inflation. Ein Mietvertrag mit 2% Steigerungsklausel folgt der Inflation. Ohne Anpassung würde Ihre Miete real sinken.

Ist eine Inflationsrate von 2% gut oder schlecht?

Eine leichte Inflation von etwa 2% gilt als normal und gesund für eine stabile Wirtschaft. Sie fördert Investitionen und Konsum. Zu hohe Inflation (über 5%) ist problematisch und reduziert die Kaufkraft stark.

Wie schütze ich meine Ersparnisse vor Inflation?

Sie können in Investitionen übergehen, die historisch über der Inflation Rendite bieten: Immobilien, Aktien, Anleihen mit Inflationsprämie oder Rohstoffe. Geldmarktkonten und kurzfristige Sparbriefe bieten aktuell oft Renditen, die zumindest die Inflation abdecken.

Gibt es eine Obergrenze für Inflation?

Es gibt keine gesetzliche Obergrenze. Extreme Inflation (Hyperinflation) entsteht durch massive Geldmengensteigerung und führt zu Währungszerstörung. Die Europäische Zentralbank hat ein Ziel von ca. 2% Inflation.