Durchschnittliche Jahresfahrleistung in km
Variable Kosten – fallen nur beim Fahren an
Liter bzw. kWh je 100 km
Für E-Autos: Ladepreis je kWh – zu Hause 37 ct, öffentlich 52 ct, Schnellladen 60 ct
Inspektion, Ölwechsel, Reparaturen
Reifen, Bremsen, Kupplung, Auspuff
Fixkosten – fallen an, egal wie viel du fährst
Kaufpreis minus heutiger Wert, geteilt durch die Haltejahre
Haftpflicht und ggf. Kasko
Jahresbetrag laut Steuerbescheid
Stellplatz, TÜV, Mitgliedschaften

Hintergrund

Was ein Auto wirklich pro Kilometer kostet – und warum der Sprit der kleinere Posten ist

Beim Autokauf wird über den Verbrauch diskutiert, beim Tanken über den Literpreis geärgert. Der mit Abstand größte Posten steht auf keiner Rechnung: Der Wertverlust macht bei einem VW Golf 1.5 TSI 50 % der monatlichen Kosten aus – gegenüber 23 % für Kraftstoff, Öl und Pflege zusammen.

Von Matthias Dührkop · Stand

Grundlage: ADAC Autokostenübersicht Frühjahr/Sommer 2026 · ADAC und 2 weitere · alle Quellen

Die Frage „Was kostet mich das Auto?" wird fast immer zu klein beantwortet. Wer Tankquittungen zusammenrechnet, erfasst je nach Fahrzeug nur ein Fünftel bis ein Drittel der tatsächlichen Kosten. Der Rest fällt an, ohne dass jemals eine Rechnung im Briefkasten liegt – und genau deshalb wird er übersehen.

Die folgenden Zahlen stammen aus der ADAC-Autokostenübersicht Frühjahr/Sommer 2026. Sie unterstellt 60 Monate Haltedauer und 15.000 Kilometer im Jahr, insgesamt also 75.000 Kilometer. Ein Punkt der Methodik ist wichtig: Finanzierungszinsen sind darin nicht enthalten. Wer den Kauf finanziert, muss sie zusätzlich rechnen.

Vier Blöcke, und einer dominiert

Autokosten zerfallen in vier Gruppen: Wertverlust, Fixkosten (Versicherung, Kfz-Steuer, Pauschalen), Werkstatt- und Reifenkosten sowie Betriebskosten (Kraftstoff, Öl, Pflege). Die Aufteilung über fünf Fahrzeuge verschiedener Preisklassen:

Modell Neupreis Wertverlust Fix Werkstatt Betrieb gesamt je km
Dacia Sandero SCe 65 Essential Kleinwagen 12.790 € 147 € 30 % 135 € 51 € 152 € 485 € 38,8 ct
Opel Corsa 1.2 DI Turbo Edition Kleinwagen 22.890 € 264 € 42 % 147 € 76 € 144 € 632 € 50,6 ct
VW Golf 1.5 TSI Kompaktklasse 29.395 € 340 € 50 % 116 € 65 € 153 € 674 € 54,0 ct
Opel Corsa Electric (50 kWh) Kleinwagen, elektrisch 29.990 € 384 € 56 % 127 € 64 € 107 € 682 € 54,6 ct
Alfa Romeo Giulia 2.2 Diesel Sprint Q4 Mittelklasse 56.000 € 654 € 57 % 225 € 109 € 160 € 1.148 € 91,8 ct

Alle Beträge in Euro je Monat, letzte Spalte in Cent je Kilometer. Quelle: ADAC Autokostenübersicht Frühjahr/Sommer 2026.

Der Wertverlust ist in jeder Zeile der größte Einzelposten. Sein Anteil wächst mit dem Preis: Beim Dacia Sandero SCe 65 Essential sind es 30 % der Gesamtkosten, beim Alfa Romeo Giulia 2.2 Diesel Sprint Q4 schon 57 %. Die Betriebskosten – also das, worüber an der Zapfsäule geflucht wird – liegen dagegen zwischen 14 % und 31 %.

Warum ein sparsameres Auto teurer sein kann

Aus dieser Verteilung folgt etwas Unbequemes: Ein Aufpreis, der sich über geringeren Verbrauch amortisieren soll, muss gegen einen Posten anlaufen, der zwei- bis viermal so groß ist wie der Kraftstoff. Das gelingt selten.

Der sauberste Beleg ist derselbe Wagen mit zwei Antrieben – gleiche Leistung (85 kW), gleiche Baureihe, gleiche Ausstattungslinie:

Golf, 85 kW Neupreis Betrieb Fix Wertverlust gesamt
Golf 1.5 TSI 29.395 € 153 € 116 € 340 € 674 €
Golf 2.0 TDI 32.995 € 129 € 136 € 386 € 717 €

Der Diesel spart tatsächlich beim Kraftstoff – 24 € im Monat. Aber er kostet 20 € mehr an Fixkosten, im Wesentlichen wegen der höheren Kfz-Steuer, und 46 € mehr Wertverlust, weil er in der Anschaffung teurer ist. Unter dem Strich ist er 43 € im Monat teurer – bei identischer Fahrleistung und trotz geringeren Verbrauchs.

Verstärkt wird das durch die Kraftstoffpreise, mit denen hier gerechnet wird: Der ADAC legt derselben Erhebung 1,92 € je Liter Diesel und 1,92 € je Liter Super zugrunde, als Dreimonatsdurchschnitt. Solange beide Kraftstoffe gleich viel kosten, entfällt der Preisvorteil an der Zapfsäule, auf dem die Dieselrechnung einmal beruhte – die höhere Kfz-Steuer nach § 9 KraftStG bleibt davon unberührt. Wer an seiner Tankstelle eine größere Spanne sieht, sollte den Vergleich mit den eigenen Preisen nachrechnen; das Verhältnis der vier Kostenblöcke ändert das nicht.

Das kippt erst bei hoher Fahrleistung. Wer deutlich mehr als 15.000 Kilometer im Jahr fährt, verschiebt das Verhältnis zugunsten der verbrauchsabhängigen Posten. Unterhalb dieser Marke rechnet sich der Diesel bei aktuellen Preisen in aller Regel nicht.

Was beim Stehen anfällt

Die zweite praktische Konsequenz betrifft Wenigfahrer. Wertverlust und Fixkosten laufen unabhängig von der Fahrleistung weiter – ein Auto, das ein Jahr in der Garage steht, verliert trotzdem an Wert und kostet weiterhin Versicherung und Steuer. Nur Betriebskosten und ein Teil der Werkstattkosten hängen an den gefahrenen Kilometern.

Beim VW Golf 1.5 TSI sind das 456 € im Monat, die auch dann anfallen, wenn das Auto nicht bewegt wird – gegenüber 674 € Gesamtkosten. Wer wenig fährt, zahlt deshalb einen dramatisch höheren Preis je Kilometer: Dieselben Fixkosten verteilen sich auf weniger Strecke. Bei halber Fahrleistung steigen die Kosten je Kilometer nicht auf das Doppelte, aber deutlich – und genau in dieser Konstellation lohnt der Vergleich mit Carsharing oder Mietwagen, der sonst reflexhaft abgetan wird.

Der Wertverlust ist nicht gleichmäßig

Die ADAC-Zahlen weisen den Wertverlust als Monatsdurchschnitt über fünf Jahre aus. Tatsächlich verläuft er stark degressiv: Am steilsten fällt der Wert im ersten Jahr, danach flacht die Kurve ab. Ein Neuwagen verliert typischerweise bereits mit der Zulassung einen zweistelligen Prozentsatz – er ist ab diesem Moment ein Gebrauchtwagen, unabhängig vom Tachostand.

Für die Rechnung heißt das: Der ausgewiesene Durchschnitt unterschätzt die ersten Jahre und überschätzt die späteren. Wer ein Auto nach zwei Jahren wieder verkauft, zahlt je Monat deutlich mehr Wertverlust als die Tabelle nahelegt. Wer es zehn Jahre fährt, deutlich weniger – der Restwert nähert sich einem Sockel, unter den er kaum noch fällt, während die Fixkosten unverändert weiterlaufen.

Das erklärt zwei verbreitete Strategien, die beide funktionieren, aber unterschiedlich:

  • Jung gebraucht kaufen. Ein zwei- bis dreijähriges Fahrzeug hat den steilsten Teil der Kurve hinter sich, ist technisch aber praktisch neuwertig. Der Käufer übernimmt ein Auto, dessen größter Kostenblock bereits von jemand anderem getragen wurde.
  • Neu kaufen und lange behalten. Der steile Anfang wird in Kauf genommen, dafür verteilt er sich über viele Jahre. Ab etwa dem achten Jahr dominiert nicht mehr der Wertverlust, sondern steigen die Werkstattkosten – der Punkt, an dem die Rechnung wieder kippt.

Welche der beiden günstiger ist, hängt weniger vom Modell ab als von der tatsächlichen Haltedauer. Wer alle drei Jahre wechselt, fährt mit Gebrauchtwagen fast immer besser; wer Autos bis zum Ende fährt, mit dem Neuwagen oft ebenso gut.

Was daraus für die Kaufentscheidung folgt

Drei Schlüsse, die sich aus den Zahlen ergeben und nicht aus dem Bauchgefühl:

  • Der Neupreis ist die wichtigste Stellschraube, weil der Wertverlust an ihm hängt. Zwischen Dacia Sandero SCe 65 Essential und Alfa Romeo Giulia 2.2 Diesel Sprint Q4 liegen 53,0 ct je Kilometer – über 75.000 Kilometer sind das rund 39.750 €.
  • Verbrauchsunterschiede entscheiden selten. Zwischen dem sparsamsten und dem durstigsten Fahrzeug der Tabelle liegen beim Betrieb 53 € im Monat – weniger als der Wertverlustunterschied zwischen zwei Kleinwagen.
  • Die Haltedauer wirkt stärker als das Modell. Wertverlust ist in den ersten Jahren am steilsten. Wer dasselbe Auto zehn statt fünf Jahre fährt, senkt den größten Kostenblock deutlich – ohne beim Kauf irgendetwas anders zu machen.

Den eigenen Fall rechnen

Die ADAC-Werte gelten für Neuwagen unter Standardannahmen. Für das eigene Fahrzeug, die eigene Fahrleistung und einen gebrauchten Wagen rechnet der Rechner am Anfang dieser Seite. Die Einzelposten dahinter:

Kostendaten: ADAC Autokostenübersicht Frühjahr/Sommer 2026 (Stand 04/2026), Standardannahmen 60 Monate und 15.000 km im Jahr, ohne Finanzierungszinsen. Kraftstoffpreise als Dreimonatsdurchschnitt derselben Erhebung. Marktpreise schwanken regional und über die Zeit erheblich – die Anteile der Kostenblöcke sind belastbarer als die absoluten Beträge.

Häufige Fragen

Wie hoch ist die Abnutzung pro Kilometer?

Als Abnutzung oder Verschleiß gelten Reifen, Bremsen, Kupplung, Auspuff und Stoßdämpfer - also Teile, die sich durch das Fahren abnutzen und unabhängig von der planmäßigen Wartung ersetzt werden müssen. Rechnerisch liegt dieser Posten bei den meisten Fahrzeugen im niedrigen einstelligen Cent-Bereich pro Kilometer. Wer ihn genau kennen will, summiert die Rechnungen für Verschleißteile der letzten Jahre und teilt sie durch die in dieser Zeit gefahrenen Kilometer. Rechenbeispiel: Kostet ein Satz Reifen 600 € und hält er 40.000 km, macht das 600 € ÷ 40.000 km = 1,5 Cent pro Kilometer - Bremsen, Kupplung und Co. rechnest du genauso und zählst die Beträge zusammen. Der Wertverlust zählt nicht zum Verschleiß, sondern wird getrennt gerechnet - er ist meist der deutlich größere Posten.

Warum unterscheiden sich meine Kosten von der ADAC-Kilometerkostentabelle?

Der ADAC rechnet mit Neuwagenpreisen, pauschalen Haltedauern und einer angenommenen Jahresfahrleistung. Wer einen bezahlten Gebrauchtwagen länger fährt, hat kaum noch Wertverlust und liegt deutlich darunter; wer wenig fährt, liegt darüber, weil sich die Fixkosten auf weniger Kilometer verteilen. Dieser Rechner nutzt deine eigenen Zahlen statt Durchschnittswerte - das Ergebnis weicht deshalb bewusst von Tabellenwerten ab.

Was zählt alles zu den Fixkosten beim Auto?

Zu den Fixkosten gehören Kfz-Versicherung, Kfz-Steuer, Hauptuntersuchung (TÜV), Stellplatz bzw. Garagenmiete sowie der Wertverlust des Fahrzeugs. Diese Kosten fallen unabhängig davon an, wie viel Sie fahren.

Wie berechne ich den Wertverlust meines Autos?

Ziehen Sie den aktuellen Marktwert (z. B. über DAT oder Schwacke) vom Kaufpreis ab und teilen Sie durch die bisherige Haltedauer in Monaten. Neuwagen verlieren im ersten Jahr ca. 20-25 % an Wert, danach sinkt der jährliche Wertverlust auf ca. 5-10 %.

Wie hoch sind die durchschnittlichen Autokosten laut ADAC?

Laut ADAC liegen die Gesamtkosten pro Kilometer bei Kleinwagen bei ca. 30-40 Cent, in der Kompaktklasse bei 40-55 Cent und in der Mittelklasse bei 55-75 Cent. Diese Werte beinhalten alle Kosten inklusive Wertverlust.

Ist ein E-Auto pro Kilometer günstiger als ein Verbrenner?

Die reinen Energiekosten sind beim E-Auto meist niedriger (ca. 5-7 Euro pro 100 km vs. 8-14 Euro beim Verbrenner). Hinzu kommen niedrigere Wartungskosten. Allerdings ist der höhere Anschaffungspreis zu berücksichtigen, der sich erst ab ca. 15.000 km/Jahr amortisiert.

Ab welcher Kilometerleistung lohnt sich ein eigenes Auto?

Unter ca. 5.000 km pro Jahr sind Carsharing oder Mietwagen oft günstiger, da die Fixkosten pro Kilometer dann sehr hoch ausfallen. Ab ca. 10.000 km/Jahr sinken die Kosten pro Kilometer deutlich, und ein eigenes Auto wird wirtschaftlicher.

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