Photovoltaik: Der Eigenverbrauch entscheidet, nicht die Anlagengröße

Zwei Haushalte kaufen dieselbe Anlage zum selben Preis und montieren sie auf dasselbe Dach. Nach 25 Jahren trennt sie 27.537 €. Der Unterschied liegt nicht in der Technik, sondern darin, wie viel des erzeugten Stroms im Haus bleibt – und diese Größe wird beim Kauf meist gar nicht besprochen.

Eine Kilowattstunde, zwei Preise

Der Strom vom eigenen Dach kann zwei Wege gehen. Bleibt er im Haus, ersetzt er zugekauften Strom zu 37,00 ct je Kilowattstunde. Geht er ins Netz, zahlt der Netzbetreiber für eine Anlage von 10 kWp 7,70 ct. Dieselbe Kilowattstunde, erzeugt von derselben Anlage, ist im Haus also das 4,8-Fache wert.

Aus diesem Verhältnis folgt fast alles Weitere. Es bedeutet, dass die entscheidende Kennzahl einer Anlage nicht ihre Leistung ist und auch nicht ihr Ertrag, sondern der Anteil des Ertrags, der nicht ins Netz geht. Wie stark das durchschlägt, zeigt sich, wenn man alles andere festhält.

Wirtschaftlichkeit je Eigenverbrauchsquote
Eigenverbrauch Stromersparnis Einspeisung Überschuss je Jahr bezahlt nach nach 25 Jahren
10 % 352 € 658 € 840 € 28 Jahre -410 €
20 % 703 € 585 € 1.118 € 16 Jahre 6.474 €
30 % 1.055 € 512 € 1.397 € 13 Jahre 13.359 €
40 % 1.406 € 439 € 1.675 € 11 Jahre 20.243 €
50 % 1.758 € 366 € 1.953 € 9 Jahre 27.127 €
60 % 2.109 € 293 € 2.232 € 8 Jahre 34.012 €
70 % 2.461 € 219 € 2.510 € 7 Jahre 40.896 €
80 % 2.812 € 146 € 2.788 € 7 Jahre 47.780 €

10-kWp-Anlage für 17.000 €, spezifischer Ertrag 950 kWh je kWp und Jahr, Strompreis 37,00 ct. Die letzte Spalte ist der Überschuss nach Abzug der Investition, ohne Strompreissteigerung und ohne Zinsen.

Bei 10 % Eigenverbrauch trägt sich die Anlage innerhalb von 30 Jahren nicht – über 25 Jahre steht ein Minus von 410 €. Bei 50 % ist sie nach 9 Jahren bezahlt und wirft 27.127 € ab. Zwischen beiden liegen 27.537 € – bei identischer Hardware, identischem Dach und identischem Preis. Die Schwelle, ab der die Anlage über 25 Jahre überhaupt ins Plus kommt, liegt in dieser Rechnung bei 11 % Eigenverbrauch.

Warum die größere Anlage die schlechtere sein kann

Damit stellt sich die Frage nach der Größe neu. Der Haushaltsverbrauch ändert sich nicht dadurch, dass mehr Module auf dem Dach liegen. Was sich ändert, ist der Anteil, der davon gedeckt wird – und der sinkt, weil der zusätzliche Strom zu Zeiten anfällt, zu denen im Haus ohnehin schon genug erzeugt wird.

Anlagengrößen bei gleichbleibendem Haushaltsverbrauch
Größe Preis Ertrag Eigenverbrauch Überschuss je Jahr bezahlt nach nach 25 Jahren
5 kWp 1.800 € je kWp 9.000 € 4.750 kWh 25 % 1.200 kWh 627 € 15 Jahre 4.424 €
8 kWp 1.750 € je kWp 14.000 € 7.600 kWh 16 % 1.200 kWh 797 € 19 Jahre 2.360 €
10 kWp 1.700 € je kWp 17.000 € 9.500 kWh 13 % 1.200 kWh 913 € 20 Jahre 1.402 €
15 kWp 1.533 € je kWp 23.000 € 14.250 kWh 8 % 1.200 kWh 1.174 € 25 Jahre 16 €

Haushaltsverbrauch durchgehend 4.000 kWh im Jahr. Angenommen wird, dass sich ohne Speicher 30 % davon direkt aus der Anlage decken lassen – siehe den Hinweis zur Annahme weiter unten. Anlagenpreise Stand August 2026.

Die Spalte „Überschuss je Jahr“ steigt mit der Größe, die letzte Spalte fällt. Das ist kein Widerspruch, sondern der ganze Punkt: Die 15-kWp-Anlage kostet 14.000 € mehr als die 5-kWp-Anlage und bringt dafür 546 € mehr im Jahr. Diese Mehrinvestition wäre nach 26 Jahren zurückverdient – nur läuft die Einspeisevergütung, aus der der Mehrertrag praktisch vollständig stammt, bloß 20 Jahre.

Anders gesagt: Die absolute Stromersparnis ist in allen vier Zeilen dieselbe, nämlich 444 €. Jede zusätzliche Kilowattpeak bringt ausschließlich Einspeisevergütung. Der Skaleneffekt beim Einkauf – von 1.800 € auf 1.533 € je kWp – federt das ab, aber er kehrt es nicht um.

Zur Annahme, die dieses Ergebnis mit erzeugt: Dass sich ohne Speicher 30 % des Verbrauchs direkt decken lassen, ist eine Modellannahme, keine gemessene Größe. Sie ist zudem konservativ zugunsten der kleinen Anlage: In der Praxis wächst die direkt verbrauchte Menge mit der Anlagengröße noch etwas, weil auch in den Morgen- und Abendstunden mehr anfällt. Wie empfindlich das Ergebnis darauf reagiert, steht in der nächsten Tabelle.

Überschuss nach 25 Jahren bei anderer Deckungsannahme
direkt gedeckter Anteil 5 kWp8 kWp10 kWp15 kWp
20 % 1.525 € -538 € -1.497 € -2.909 €
30 % 4.424 € 2.360 € 1.402 € 16 €
40 % 7.322 € 5.259 € 4.300 € 2.941 €

Überschuss nach 25 Jahren, hervorgehoben ist je Zeile der beste Wert. Die Rangfolge bleibt in allen drei Fällen dieselbe – nur bei 20 % rutschen die beiden größeren Anlagen ins Minus.

Wann groß trotzdem richtig ist

Die Rechnung dreht sich, sobald der Verbrauch steigt. Eine Wärmepumpe oder ein Elektroauto erhöhen den Strombedarf eines Haushalts erheblich – und damit die Menge, die sich sinnvoll selbst verbrauchen lässt. Die folgende Tabelle wiederholt deshalb dieselbe Rechnung für vier Verbrauchsniveaus.

Überschuss nach 25 Jahren bei steigendem Haushaltsverbrauch
Jahresverbrauch 5 kWp8 kWp10 kWp15 kWp
4.000 kWh 4.424 € 15 Jahre 2.360 € 19 Jahre 1.402 € 20 Jahre 16 € 25 Jahre
6.000 kWh 8.772 € 12 Jahre 6.708 € 15 Jahre 5.750 € 17 Jahre 4.404 € 18 Jahre
9.000 kWh 15.294 € 9 Jahre 13.230 € 12 Jahre 12.272 € 13 Jahre 10.985 € 15 Jahre
12.000 kWh 21.816 € 7 Jahre 19.753 € 10 Jahre 18.794 € 11 Jahre 17.567 € 13 Jahre

Überschuss nach 25 Jahren und Amortisationsdauer, bei unverändert 30 % direkt gedecktem Anteil.

Bei 12.000 kWh im Jahr ist auch die 15-kWp-Anlage nach 13 Jahren bezahlt statt nach 25 Jahren, und ihr Überschuss steigt von 16 € auf 17.567 €. Wer eine Wärmepumpe plant, sollte die Anlage also für den späteren Zustand auslegen – nur eben mit dem Wissen, dass ohne diesen Mehrverbrauch die zusätzlichen Module fast nichts einbringen.

Zwei Regeln, an denen sich Überschlagsrechnungen verrechnen

Die Einspeisevergütung wird häufig als ein einziger Satz behandelt, der über die gesamte Lebensdauer läuft. Beides trifft nicht zu.

Erstens ist der anzulegende Wert nach § 48 Abs. 2 EEG gestaffelt, und die Stufen wirken nicht als Alles-oder-nichts. Überschreitet eine Anlage die Grenze von 10 kWp, bekommt sie nicht für die gesamte Leistung den niedrigeren Satz: Nach Satz 2 ist der anzulegende Wert der nach installierter Leistung gewichtete Durchschnitt. Eine 15-kWp-Anlage erhält also für die ersten 10 kWp den höheren und nur für die restlichen den niedrigeren Satz.

Anzulegender Wert je Anlagengröße
Anlagengröße 5 kWp10 kWp15 kWp30 kWp
anzulegender Wert 7,70 ct7,70 ct7,35 ct7,01 ct

Teileinspeisung (Überschusseinspeisung) bei Anlagen an oder auf Gebäuden. Gültig bis 31. Januar 2027; danach sinken die Sätze nach § 49 Abs. 1 EEG erneut um 1 Prozent.

Zweitens endet die Vergütung. Nach § 25 Abs. 1 EEG wird sie für 20 Jahre zuzüglich des Inbetriebnahmejahres gezahlt. Wer eine Anlage über 25 Jahre rechnet und dabei durchgehend die Einspeiseerlöse ansetzt, rechnet fünf Jahre zu viel. Was ab dem 21. Jahr bleibt, ist die Stromersparnis abzüglich der Betriebskosten – und hier zeigt sich der Größennachteil noch einmal deutlicher:

Jahresergebnis nach Ablauf der Vergütung
Anlagengröße 5 kWp8 kWp10 kWp15 kWp
ab dem 21. Jahr 354 €304 €274 €214 €

Stromersparnis abzüglich Betriebskosten für Versicherung, Wartung, Zählermiete und Rücklage für den Wechselrichter, angesetzt mit rund 1 Prozent der Investition im Jahr.

Die selbst verbrauchte Menge ist in allen vier Fällen dieselbe, die Betriebskosten steigen mit der Investition. Nach Ablauf der Vergütung bringt die kleine Anlage deshalb mehr als die große – 354 € gegen 214 € im Jahr.

Was daraus folgt

Die Eigenverbrauchsquote ist der einzige Faktor in dieser Rechnung, den man nach dem Kauf noch beeinflussen kann – über den Zeitpunkt, zu dem Waschmaschine, Spülmaschine, Wärmepumpe oder Auto laufen, und über einen Speicher. Ein Speicher ist teuer, aber er wirkt genau an der Stelle mit dem größten Hebel. Ob sich das trägt, hängt am Preis je Kilowattstunde Speicherkapazität und lässt sich mit dem Stromspeicher-Rechner und der Speicher-Dimensionierung nachrechnen.

Für die Auslegung heißt das: erst den künftigen Verbrauch bestimmen, dann die Anlage. Nicht umgekehrt. Und die Frage „Passt noch ein Modul aufs Dach?“ ist nicht dieselbe wie die Frage, ob es sich lohnt. Beide Rechnungen lassen sich mit eigenen Zahlen im Photovoltaik-Rechner wiederholen; wie viel Strom der Haushalt überhaupt braucht, zeigt der Jahresenergieverbrauch.

Alle Beträge sind nominal und in heutigen Preisen. Die Rechnung enthält weder eine Strompreissteigerung noch Zinsen auf das eingesetzte Kapital – beides würde das Ergebnis verschieben, die Strompreissteigerung zugunsten des Eigenverbrauchs, die Kapitalkosten zulasten aller Varianten. Steuerliche Wirkungen sind nicht berücksichtigt. Die Anlagenpreise sind Marktpreise mit erheblicher Spanne, Stand August 2026, und keine Rechtsgrößen.