Ein Anker ist kein Gewicht, das ein Boot festhält. Er ist ein Haken, der sich in den Grund eingräbt – und das tut er nur, wenn die Kette flach an ihm zieht. Zieht sie nach oben, bricht er aus. Der gesamte Sinn des Kettenvorlaufs besteht darin, diesen Winkel flach zu halten.
Die Kettenlinie arbeitet für Sie: Kette hängt unter ihrem Eigengewicht in einer Kurve durch. Bei Zug muss dieser Durchhang erst gestreckt werden, was Energie schluckt und Böen abfedert. Eine Leine hat diesen Effekt kaum – sie steht fast gerade und überträgt jeden Ruck direkt auf den Anker.
Gerechnet wird ab der Ankerrolle: Nicht die Wassertiefe zählt, sondern der Abstand vom Bug bis zum Grund. Bei einem Meter Freibord und fünf Metern Wasser sind das sechs Meter – und mit Faktor fünf eben 30 statt 25 Meter Kette.
Tide immer für Hochwasser rechnen: Wer bei Niedrigwasser ankert und den Hub vergisst, liegt sechs Stunden später mit deutlich zu kurzem Vorlauf da – meist genau dann, wenn niemand wach ist. Der Wasserstand ist überhaupt eine Größe, die sich auf Binnengewässern schneller ändert als gedacht: Nach starkem Regen verschieben sich Tiefen und auch Brückendurchfahrten spürbar. Wer eine ganze Route gegen aktuelle Pegel prüfen will, findet das auf sportbootnavi.de.
Der Schwojkreis gehört zur Planung: Dreht der Wind, wandert das Boot um seinen Anker. Der Radius ist der gesteckte Vorlauf plus Bootslänge – bei 30 Metern Kette und acht Metern Boot fast 40 Meter. Dieser ganze Kreis muss frei sein, auch von Booten, die kürzeren Vorlauf gesteckt haben und deshalb anders schwojen.
Eingraben statt fallen lassen: Der Anker wird nicht geworfen, sondern gefiert, während das Boot langsam rückwärts treibt. Erst dann mit der Maschine sanft eindampfen und prüfen, ob er hält. Ein Anker, der nur auf dem Grund liegt, hält bei der ersten Bö nicht.