Boot & Wasser

Ein Verdränger schiebt sein eigenes Wellensystem vor sich her. Wird er schneller, wird diese Welle länger – bis sie so lang ist wie der Rumpf. Ab da müsste das Boot den eigenen Wellenberg hochfahren. Diese Grenze heißt Rumpfgeschwindigkeit.

Rumpfgeschwindigkeit
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So wird gerechnet

Maßgeblich ist die Wasserlinienlänge, nicht die Länge über alles. Überhänge an Bug und Heck zählen nicht mit – ein Boot mit langen Überhängen ist also langsamer, als seine Gesamtlänge vermuten lässt.

Klassische Formel v = 1,34 × √LWL (Fuß), metrisch v = 2,43 × √LWL (Meter). Sie gilt für Verdrängerrümpfe; Gleiter und Mehrrumpfboote verhalten sich anders.

Häufige Fragen

Warum die Wasserlinienlänge und nicht die Bootslänge?

Weil die Länge der Bugwelle davon abhängt, wie lang der Rumpf tatsächlich im Wasser liegt. Überhänge an Bug und Heck tragen nichts bei, solange sie über Wasser sind. Klassische Yachten mit langen Überhängen sind deshalb langsamer, als ihre Gesamtlänge vermuten lässt – sie werden aber schneller, sobald sie unter Krängung eintauchen.

Kann man die Rumpfgeschwindigkeit überschreiten?

Mit genug Leistung ja, aber unwirtschaftlich. Der Widerstand steigt an dieser Grenze so stark an, dass jeder weitere Zehntelknoten überproportional viel Leistung kostet. Gleiter lösen das anders: Sie verlassen den Verdrängermodus und fahren auf dem Wasser statt hindurch.

Warum steht 1,34 in der klassischen Formel?

Der Faktor stammt aus der Wellenphysik: Die Geschwindigkeit einer Oberflächenwelle hängt von ihrer Länge ab. Setzt man Wellenlänge gleich Rumpflänge, ergibt sich in imperialen Einheiten der Faktor 1,34. Metrisch umgerechnet wird daraus 2,43.

Was ist die wirtschaftlichste Geschwindigkeit?

Meist etwa 80 Prozent der Rumpfgeschwindigkeit. Dort ist das Verhältnis von Verbrauch zu zurückgelegter Strecke am günstigsten. Die letzten 20 Prozent Fahrt kosten oft ein Drittel mehr Sprit für wenige Minuten Zeitgewinn.

Gilt die Formel auch für Katamarane?

Nur eingeschränkt. Schlanke Rümpfe mit hohem Längen-Breiten-Verhältnis erzeugen ein schwächeres Wellensystem und können die klassische Rumpfgeschwindigkeit überschreiten, ohne ins Gleiten zu kommen. Die Formel ist auf klassische Verdrängerrümpfe zugeschnitten.

Die Grenze, die kein Motor verschiebt

Ein Verdrängerrumpf fährt durch das Wasser, nicht darauf. Dabei erzeugt er ein Wellensystem: eine Bugwelle, eine Heckwelle und dazwischen ein Tal. Je schneller das Boot fährt, desto länger werden diese Wellen – und irgendwann ist die Welle genau so lang wie der Rumpf.

Was dann passiert: Das Boot liegt mit dem Bug auf seiner eigenen Bugwelle und mit dem Heck im Wellental. Es fährt praktisch bergauf. Von diesem Punkt an verwandelt sich zusätzliche Leistung nicht mehr in Geschwindigkeit, sondern fast vollständig in höhere Wellen.

Deshalb sind lange Boote schneller: Nicht weil sie stärkere Motoren haben, sondern weil längere Rümpfe längere Wellen zulassen – und längere Wellen laufen schneller. Vierfache Wasserlinienlänge bedeutet doppelte Rumpfgeschwindigkeit. Das ist der Grund, warum Verdrängerschiffe mit der Größe wachsen, wenn Tempo gefragt ist.

Gleiten ist der Ausweg: Wer genug Leistung und den passenden Rumpf hat, kann über die Welle hinweg und auf dem Wasser fahren statt hindurch. Ab etwa dem Anderthalbfachen der Rumpfgeschwindigkeit beginnt dieser Bereich. Er kostet allerdings ein Vielfaches an Leistung und Sprit.

Die praktische Konsequenz: Bei einem Neun-Meter-Verdränger liegt die Grenze bei etwa 7,3 Knoten. Ein stärkerer Motor ändert daran nichts – er verbrennt nur mehr Sprit, um dieselbe Geschwindigkeit zu erreichen. Wer bei rund 80 Prozent bleibt, fährt spürbar sparsamer und kommt kaum später an.

Warum Überhänge zählen: Maßgeblich ist, was tatsächlich im Wasser liegt. Klassische Yachten mit ausgeprägten Überhängen tauchen unter Krängung mehr Rumpf ein und werden dabei schneller – ein Effekt, den moderne Rümpfe mit senkrechtem Steven nicht brauchen, weil sie von vornherein ihre volle Länge nutzen.