Berechnen Sie den monatlichen Kindesunterhalt nach der Düsseldorfer Tabelle 2026 – mit Einstufung nach der Zahl der Unterhaltsberechtigten, Prüfung des Bedarfskontrollbetrags, Kindergeld-Anrechnung nach § 1612b BGB, Selbstbehalt und vollständigem Rechenweg. Die Auswahl des Oberlandesgerichts zeigt, welche Leitlinien für Sie gelten.
So wird gerechnet
Die Düsseldorfer Tabelle ordnet dem bereinigten Nettoeinkommen eine von 15 Einkommensgruppen zu. Die erste Gruppe entspricht dem gesetzlichen Mindestunterhalt (2026: 486 € / 558 € / 653 € je nach Altersstufe), die folgenden Gruppen steigen bis Gruppe 5 um je 5 % und danach um je 8 % des Mindestunterhalts. Die Tabelle unterstellt zwei Unterhaltsberechtigte – bei einem Berechtigten wird eine Gruppe herauf-, bei dreien eine Gruppe herabgestuft. Anschließend wird geprüft, ob dem Pflichtigen der Bedarfskontrollbetrag seiner Gruppe verbleibt; andernfalls wird zurückgestuft. Vom Tabellenbetrag wird das Kindergeld abgezogen (§ 1612b BGB: bei minderjährigen Kindern zur Hälfte, bei volljährigen voll). Untergrenze ist der Selbstbehalt: 1.450 € für Erwerbstätige und 1.200 € für Nichterwerbstätige gegenüber minderjährigen Kindern, 1.750 € gegenüber sonstigen volljährigen Kindern.
Grundlage: Düsseldorfer Tabelle Stand 01.01.2026 nebst Anmerkungen (OLG Düsseldorf) und Unterhaltsrechtliche Leitlinien der Familiensenate in Nordrhein-Westfalen Stand 01.01.2026, Nr. 21. Mindestunterhalt nach der Siebten Verordnung zur Änderung der Mindestunterhaltsverordnung vom 15.11.2024. Kindergeld 259 €/Monat (§ 66 Abs. 1 EStG). Erwartet wird ein bereits bereinigtes Nettoeinkommen. Keine Rechtsberatung.
Hintergrund
Kindesunterhalt: Warum der 18. Geburtstag den Zahlbetrag senkt
Der Bedarf eines volljährigen Kindes liegt über dem eines siebzehnjährigen – in der Düsseldorfer Tabelle um 45 € in der ersten Gruppe. Der Betrag, den der unterhaltspflichtige Elternteil überweist, sinkt am 18. Geburtstag trotzdem. Und zwar in allen fünfzehn Einkommensgruppen.
Grundlage: Düsseldorfer Tabelle Stand 01.01.2026 nebst Anmerkungen · § 1612b BGB – Anrechnung des Kindergeldes und 5 weitere · alle Quellen
Was die Düsseldorfer Tabelle ist – und was nicht
Die Düsseldorfer Tabelle ist kein Gesetz. Sie ist eine Leitlinie des Oberlandesgerichts Düsseldorf, der die Familiensenate der übrigen Oberlandesgerichte folgen. Verbindlich ist allein § 1610 BGB, der den Unterhalt nach der „Lebensstellung des Bedürftigen" bemisst – die Tabelle übersetzt diesen unbestimmten Rechtsbegriff in Zahlen.
Ihre erste Einkommensgruppe ist an den Mindestunterhalt der Mindestunterhaltsverordnung gebunden: 486 € für Kinder bis fünf Jahre, 558 € von sechs bis elf, 653 € von zwölf bis siebzehn. Die vierte Altersstufe ab 18 Jahren hat keinen eigenen Mindestunterhalt; ihr Satz sind 125 Prozent der zweiten Stufe, also 698 €. Die Gruppen 2 bis 15 leiten sich als Prozentsätze der ersten ab.
Der 18. Geburtstag kostet das Kind Geld
Am Tag der Volljährigkeit ändern sich zwei Dinge gleichzeitig. Der Bedarf steigt, weil das Kind in die vierte Altersstufe wechselt. Und das Kindergeld wird nicht mehr zur Hälfte, sondern vollständig auf den Barbedarf angerechnet.
Der Grund für die hälftige Anrechnung steht in § 1612b Abs. 1 BGB, und er ist nicht das Alter: Halbiert wird, „wenn ein Elternteil seine Unterhaltspflicht durch Betreuung des Kindes erfüllt". Mit der Volljährigkeit endet dieser Betreuungsunterhalt – und damit die Voraussetzung der Halbierung. Aus 129,50 € Anrechnung werden 259,00 €.
Die Anrechnung steigt also um 129,50 €. Der Bedarf steigt um 45 €, multipliziert mit dem Prozentsatz der Einkommensgruppe. Damit sich beides ausgliche, müsste dieser Prozentsatz 288 Prozent erreichen. Die Tabelle endet bei 200.
| Gruppe | Netto bis | Bedarf 17 J. | Bedarf 18 J. | Nach Anrechnung 17 J. | Nach Anrechnung 18 J. | Differenz |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | 2.100 € | 653 € | 698 € | 523,50 € | 439,00 € | -84,50 € |
| 2 | 2.500 € | 686 € | 733 € | 556,50 € | 474,00 € | -82,50 € |
| 3 | 2.900 € | 719 € | 768 € | 589,50 € | 509,00 € | -80,50 € |
| 4 | 3.300 € | 751 € | 803 € | 621,50 € | 544,00 € | -77,50 € |
| 5 | 3.700 € | 784 € | 838 € | 654,50 € | 579,00 € | -75,50 € |
| 6 | 4.100 € | 836 € | 894 € | 706,50 € | 635,00 € | -71,50 € |
| 7 | 4.500 € | 889 € | 950 € | 759,50 € | 691,00 € | -68,50 € |
| 8 | 4.900 € | 941 € | 1.006 € | 811,50 € | 747,00 € | -64,50 € |
| 9 | 5.300 € | 993 € | 1.061 € | 863,50 € | 802,00 € | -61,50 € |
| 10 | 5.700 € | 1.045 € | 1.117 € | 915,50 € | 858,00 € | -57,50 € |
| 11 | 6.400 € | 1.098 € | 1.173 € | 968,50 € | 914,00 € | -54,50 € |
| 12 | 7.200 € | 1.150 € | 1.229 € | 1.020,50 € | 970,00 € | -50,50 € |
| 13 | 8.200 € | 1.202 € | 1.285 € | 1.072,50 € | 1.026,00 € | -46,50 € |
| 14 | 9.700 € | 1.254 € | 1.341 € | 1.124,50 € | 1.082,00 € | -42,50 € |
| 15 | 11.200 € | 1.306 € | 1.396 € | 1.176,50 € | 1.137,00 € | -39,50 € |
In keiner einzigen Gruppe steigt der Betrag. Am größten ist der Rückgang in Gruppe 1 mit 84,50 € im Monat, am kleinsten in Gruppe 15 mit 39,50 €. Er schrumpft nach oben hin, weil der Prozentsatz der Gruppe auf die Bedarfsdifferenz wirkt, die Kindergeldanrechnung aber in jeder Gruppe um denselben Betrag steigt.
Diese Tabelle zeigt den Effekt für sich genommen. Im konkreten Fall kommt in den unteren Gruppen ein zweiter hinzu: Gegenüber einem volljährigen Kind gilt nicht mehr der notwendige Selbstbehalt von 1.450 €, sondern der angemessene von 1.750 €. Bei 2.100 € bereinigtem Netto und zwei Kindern fällt der Zahlbetrag deshalb nicht um 84,50 €, sondern von 325,00 € auf 175,00 € – ein Rückgang von 150,00 €.
Das Geld verschwindet nicht: Das Kindergeld wird beim volljährigen Kind in voller Höhe zu seinem eigenen Einkommen gerechnet. Rechnerisch steht es genauso da. Nur der Betrag, der vom unterhaltspflichtigen Elternteil überwiesen wird, ist kleiner – und das ist die Zahl, über die gestritten wird.
Die Spanne, in der Mehrverdienst nichts bringt
Unterhalb des Selbstbehalts ist der Pflichtige nicht leistungsfähig, § 1603 BGB. Oberhalb davon wird alles, was über den Selbstbehalt hinausgeht, auf die Berechtigten verteilt, solange der Tabellenbetrag nicht erreicht ist. In diesem Bereich behält der Pflichtige von jedem zusätzlichen Euro nichts.
| Bereinigtes Netto | Zahlt für zwei Kinder | Behält |
|---|---|---|
| 1.450 € | 0,00 € | 1.450,00 € |
| 1.600 € | 150,00 € | 1.450,00 € |
| 1.800 € | 350,00 € | 1.450,00 € |
| 2.000 € | 550,00 € | 1.450,00 € |
| 2.200 € | 750,00 € | 1.450,00 € |
| 2.306 € | 856,00 € | 1.450,00 € |
| 2.307 € | 857,00 € | 1.450,00 € |
| 2.500 € | 857,00 € | 1.643,00 € |
Zwischen 1.450 € und 2.306 € bereinigtem Netto – einer Spanne von 856 € – bleibt dem Pflichtigen mit zwei Kindern immer exakt derselbe Betrag. Die Grenzbelastung liegt bei 100 Prozent. Erst ab 2.307 € ist der volle Tabellenbetrag gedeckt, und jeder weitere Euro bleibt zunächst beim Pflichtigen. Mit einem Kind endet dieser Bereich schon bei 1.878 €, mit drei Kindern erst bei 2.735 €.
Ein Euro an der Gruppengrenze
Oberhalb des Mangelfalls ist der Zahlbetrag eine Treppe: Innerhalb einer Einkommensgruppe ändert er sich überhaupt nicht, an der Grenze springt er. Für zwei Kinder von sechs bis elf Jahren liegen zwischen 2.600 € und 11.200 € genau 14 solcher Stufen.
| Ab Netto | Gruppe | Je Kind vorher | Je Kind nachher | Für zwei Kinder mehr |
|---|---|---|---|---|
| 2.663 € | 2 | 428,50 € | 456,50 € | 56,00 € |
| 2.819 € | 3 | 456,50 € | 484,50 € | 56,00 € |
| 2.975 € | 4 | 484,50 € | 512,50 € | 56,00 € |
| 3.301 € | 5 | 512,50 € | 540,50 € | 56,00 € |
| 3.701 € | 6 | 540,50 € | 585,50 € | 90,00 € |
| 4.101 € | 7 | 585,50 € | 629,50 € | 88,00 € |
| 4.501 € | 8 | 629,50 € | 674,50 € | 90,00 € |
| 4.901 € | 9 | 674,50 € | 719,50 € | 90,00 € |
| 5.301 € | 10 | 719,50 € | 763,50 € | 88,00 € |
| 5.701 € | 11 | 763,50 € | 808,50 € | 90,00 € |
| 6.401 € | 12 | 808,50 € | 853,50 € | 90,00 € |
| 7.201 € | 13 | 853,50 € | 897,50 € | 88,00 € |
| 8.201 € | 14 | 897,50 € | 942,50 € | 90,00 € |
| 9.701 € | 15 | 942,50 € | 986,50 € | 88,00 € |
Auffällig ist, wo die Stufen liegen. Die Gruppengrenzen der Tabelle sind glatte Beträge – 2.100 €, 2.500 €, 2.900 €. Die ersten 3 Sprünge fallen aber auf krumme Werte wie 2.663 €. Der Grund ist der Bedarfskontrollbetrag: Bis dorthin bliebe dem Pflichtigen nach Abzug beider Zahlbeträge zu wenig, also wird zurückgestuft. Erst ab 3.301 € fallen Sprungstelle und Tabellengrenze zusammen.
Der größte Sprung beträgt 90,00 € im Monat für zwei Kinder – 1.080,00 € im Jahr, ausgelöst von einem einzigen Euro mehr bereinigtem Netto. Er tritt an sechs Gruppengrenzen auf, erstmals bei 3.701 €. Das ist der Grund, warum um die Bereinigung des Einkommens – berufsbedingte Aufwendungen, Altersvorsorge, Schulden – härter gestritten wird als um die Tabelle selbst.
Der Student mit eigener Wohnung bekommt weniger als der zu Hause
Ein volljähriges Kind außerhalb des Elternhaushalts hat einen von der Tabelle unabhängigen Festbedarf von 990 €, darin 440 € Warmmiete. Nach Abzug des vollen Kindergelds bleiben 731,00 € – unabhängig davon, was der unterhaltspflichtige Elternteil verdient.
Ein gleichaltriges Kind, das bei einem Elternteil wohnt, wird dagegen nach der Tabelle berechnet. Ab 4.101 € bereinigtem Netto liegt dessen Zahlbetrag über dem Festbetrag. An der Obergrenze der Tabelle, 11.200 €, sind es 1.137,00 € gegenüber 731,00 € – ein Unterschied von 406,00 € zugunsten des Kindes, das nicht ausgezogen ist. Der Festbedarf ist ein Bedarfssatz, keine Beteiligung am Lebensstandard des Zahlenden.
Geschwister verschieben die Gruppe, nicht das Einkommen
Die Tabelle unterstellt zwei Unterhaltsberechtigte. Bei einer anderen Zahl wird nicht das Einkommen gekürzt, sondern die Einstufung verschoben: bei einem Berechtigten eine Gruppe hinauf, bei dreien eine hinab. Zusätzlich greift der Bedarfskontrollbetrag – bleibt er dem Pflichtigen nach Abzug aller Zahlbeträge nicht, wird weiter zurückgestuft.
| Berechtigte | Gruppe | Je Kind | Gesamt |
|---|---|---|---|
| 1 | 6 | 585,50 € | 585,50 € |
| 2 | 5 | 540,50 € | 1.081,00 € |
| 3 | 4 | 512,50 € | 1.537,50 € |
| 4 | 3 → 1 | 428,50 € | 1.714,00 € |
Bei 3.500 € bereinigtem Netto und Kindern der Altersstufe sechs bis elf Jahre fällt der Betrag je Kind von 585,50 € auf 428,50 €, sobald vier Berechtigte zu versorgen sind. Die Gesamtlast steigt dabei von 585,50 € auf 1.714,00 €. Beim vierten Berechtigten wirkt zusätzlich der Bedarfskontrollbetrag und stuft von Gruppe 3 auf Gruppe 1 zurück.
Was diese Rechnung nicht abbildet
Alle Beträge setzen ein bereits bereinigtes Nettoeinkommen voraus – der Streit beginnt in der Praxis genau dort. Nicht enthalten sind Mehr- und Sonderbedarf nach §§ 1610 Abs. 2, 1613 Abs. 2 BGB, das Wechselmodell, die anteilige Haftung beider Eltern beim volljährigen Kind nach § 1606 Abs. 3 BGB sowie eigene Einkünfte des Kindes. Die Rückstufung unterstellt außerdem gleich hohe Zahlbeträge für alle Berechtigten; bei stark unterschiedlichem Alter der Kinder ist das eine Näherung.
Die Zahlen dieses Artikels stammen aus demselben Rechenmodul wie der Rechner am Anfang dieser Seite. Wer den eigenen Fall durchspielen will, findet dort die Eingabefelder für Alter, Einkommen und Zahl der Berechtigten.