Der Rechner ermittelt das BAföG für Studierende aus dem Bedarf, dem Einkommen der Eltern laut Steuerbescheid und dem eigenen Vermögen – nach den Freibeträgen und Pauschalen des Gesetzes.
So wird gerechnet
Förderung = Bedarf − Anrechnung aus Vermögen − Anrechnung aus Elterneinkommen. Elterneinkommen je Monat = (Einkünfte − Sozialpauschale − Einkommen- und Kirchensteuer) ÷ 12; angerechnet wird der Teil über dem Freibetrag, abzüglich 50 % und 5 % je Kind.
Bedarf nach §§ 13, 13a BAföG, Einkommen nach §§ 21, 24, Freibeträge und Anrechnung nach §§ 11 Abs. 4, 25, Vermögen nach §§ 29, 30, Zuschuss und Darlehen nach § 17 Abs. 2 (gesetze-im-internet.de, abgerufen am 14.09.2026). Nicht abgebildet: eigenes Einkommen, Einkommen des Ehepartners, Stiefelternteil, Altersvorsorgebeiträge, Härtefälle, elternunabhängige Förderung. Keine verbindliche Auskunft.
Hintergrund
Ein Geschwisterkind ohne Ausbildung hebt die BAföG-Grenze um mehr als seinen eigenen Freibetrag
Ab welchem Einkommen der Eltern ist der BAföG-Anspruch komplett aufgebraucht? Die Formel dahinter lässt sich exakt ausrechnen: bei verheirateten Eltern und einem auswärts wohnenden, selbst versicherten Kind liegt der Nullpunkt bei 4.524 € gemeinsamem Nettoeinkommen im Monat. Ein zusätzliches Kind ohne eigene Ausbildung verschiebt diesen Punkt nicht um den Freibetrag von 770 €, sondern um 990,44 € – weil § 25 BAföG an derselben Stelle zwei Hebel gleichzeitig zieht.
Grundlage: § 13 BAföG – Bedarf für Studierende an Hochschulen · § 13a BAföG – Zuschläge zur Kranken- und Pflegeversicherung und 2 weitere · alle Quellen
Der Punkt, an dem die Förderung auf null fällt
Der Rechner oben zeigt für jede Eingabe eine Zahl, aber er zeigt nicht, ab
wann diese Zahl zwangsläufig null ist. Dabei lässt sich das ausrechnen,
ohne eine einzige Kombination durchzuprobieren. Die Förderung ist
Bedarf − Anrechnung aus Vermögen − Anrechnung aus Elterneinkommen.
Ohne eigenes Vermögen wird sie exakt dann null, wenn die Anrechnung aus dem
Elterneinkommen den gesamten Bedarf auffrisst. Für ein Kind, das nicht bei
den Eltern wohnt und sich selbst kranken- und pflegeversichert, sind das
nach § 13, § 13a BAföG 992 € im Monat
(475 € Grundbedarf, 380 € Wohnen,
137 € Zuschläge).
Nach § 25 BAföG bleibt vom Einkommen verheirateter, zusammenlebender Eltern ein monatlicher Freibetrag von 2.540 € komplett anrechnungsfrei; vom Rest werden nur 50 % angerechnet, die anderen 50 % bleiben ebenfalls frei. Damit die Anrechnung genau 992 € erreicht, muss der übersteigende Teil doppelt so groß sein: 1.984 €. Addiert zum Freibetrag ergibt das einen festen Punkt: Bei 4.524 € gemeinsamem Nettoeinkommen der Eltern im Monat – nach Sozialpauschale und nach Einkommen- und Kirchensteuer, wie es § 21 BAföG verlangt – kippt die Förderung von einem positiven Betrag auf null. Ein Euro weniger, und ein Rest bleibt; ein Euro mehr, und der Anspruch ist weg. Das ist kein Schätzwert, sondern folgt zwingend aus den beiden Größen, die das Gesetz für diesen Fall vorsieht.
Wichtig ist die Einheit: Das ist eine Grenze beim Nettoeinkommen nach Abzug von Sozialpauschale und Steuern, nicht beim Bruttoeinkommen. Eine feste Bruttogrenze gibt es nicht, weil die Sozialpauschale nach § 21 Abs. 2 BAföG vom Erwerbsstatus abhängt. Bei identischem Nettoeinkommen und ohne sonstige Steuerlast läge die Bruttogrenze für ein rentenversicherungspflichtig beschäftigtes Elternpaar bei rund 69.869 € im Jahr, für ein selbstständiges Elternpaar wegen der höheren Pauschale (38,8 % statt 22,3 %, § 21 Abs. 2) bei rund 83.788 € – über 13.919 € mehr, für dasselbe Netto-Ergebnis.
Warum ein Geschwisterkind mehr verschiebt als seinen Freibetrag
§ 25 Abs. 3 BAföG erhöht die Freibeträge um 770 € für jedes weitere Kind der Eltern, das selbst nicht in einer förderungsfähigen Ausbildung steht – ein jüngeres Geschwisterkind in der Schule etwa, nicht ein zweites Kind, das ebenfalls BAföG bezieht (das wird stattdessen über § 11 Abs. 4 BAföG bei der Aufteilung der Anrechnung berücksichtigt). Naheliegend wäre die Annahme, ein solches Kind schiebe die Einkommensgrenze um genau diese 770 € nach oben. Tatsächlich sind es 990,44 €: Die Rechnung ergibt für ein Kind 5.514,44 € statt 4.524 € – eine Differenz von 990,44 €, nicht 770 €.
Der Grund ist § 25 Abs. 4 Satz 2 BAföG: Dasselbe Kind, das den Freibetrag erhöht, senkt zugleich die Anrechnungsquote um 5 Prozentpunkte – von 50 % auf 45 %. Beide Effekte wirken auf verschiedene Teile derselben Formel. Der Freibetrag verschiebt den Startpunkt der Anrechnung nach oben, das ist der direkte, additive Teil: 770 €. Die kleinere Anrechnungsquote verändert aber, wie stark der übersteigende Betrag wachsen muss, um denselben Bedarf von 992 € aufzuwiegen – von 1.984 € bei 50 % auf 2.204,44 € bei 45 %, einem Unterschied von 220,44 €. Addiert man beides – 770 € plus 220,44 € –, ergibt sich exakt der beobachtete Schub von 990,44 €.
Ein zweites Kind ohne Ausbildung verschiebt die Grenze auf 6.560 €, also um weitere 1.045,56 € – mehr als beim ersten Kind (990,44 €). Das liegt daran, dass die Anrechnungsquote nicht linear, sondern im Nenner steht: Je kleiner sie wird, desto stärker schlägt jeder weitere Prozentpunkt Abzug auf den übersteigenden Betrag durch, der nötig ist, um denselben Bedarf zu erreichen. Jedes weitere Kind ist für die Einkommensgrenze also wertvoller als das vorherige – eine Eigenschaft der Formel, die sich aus keiner der beiden Zahlen allein (770 € Freibetrag, 5 Prozentpunkte) ablesen lässt, sondern erst aus ihrem Zusammenspiel.
Was das nicht heißt
Diese Rechnung gilt für den Fall, den auch der Rechner oben als Beispiel nutzt: verheiratete, zusammenlebende Eltern, ein Kind, das auswärts wohnt und sich selbst versichert, kein Vermögen, kein weiteres Kind mit eigenem BAföG-Anspruch. Getrennt lebende oder nicht miteinander verheiratete Eltern haben getrennte, niedrigere Freibeträge (1.690 € statt 2.540 €) und werden getrennt veranlagt – die Grenze verschiebt sich dadurch anders und ist hier nicht nachgerechnet. Eigenes Vermögen der oder des Studierenden senkt die Grenze zusätzlich, weil es zuerst vom Bedarf abgezogen wird, bevor das Elterneinkommen überhaupt zum Zug kommt. Und all das gilt ausschließlich für die Elternabhängigkeit selbst – Fälle, in denen das Elterneinkommen gar nicht zählt (etwa nach vierjähriger Erwerbstätigkeit), rechnet der Rechner oben nicht mit. Verbindlich ist ohnehin nur das Amt für Ausbildungsförderung.