Mit dem Blutdruck-Bewerter ordnen Sie einen gemessenen Wert in die sechs Kategorien der europäischen Leitlinie ein – von optimal bis Hypertonie Grad 3. Der Rechner zeigt auch, welcher der beiden Werte die Einstufung trägt. Er ersetzt keine ärztliche Abklärung.
So wird gerechnet
Die ESH-Leitlinie kennt sechs Kategorien: optimal (unter 120/80), normal (ab 120/80), hoch-normal (ab 130/85) und Hypertonie Grad 1 bis 3 (ab 140/90, 160/100 und 180/110). Maßgeblich ist immer die höhere der beiden Einstufungen – ein oberer Wert von 145 bedeutet Grad 1, auch wenn der untere Wert bei 85 liegt. Liegt nur einer der beiden Werte über 140 bzw. 90, spricht die Leitlinie von isolierter systolischer oder diastolischer Hypertonie. Ein einzelner Messwert ist keine Diagnose: Sie beruht auf wiederholten Messungen, und zu Hause gelten niedrigere Grenzen.
Kein Ersatz für ärztlichen Rat: Diese Berechnung dient der allgemeinen Information. Sie stellt keine Diagnose, keine Therapieempfehlung und keine medizinische Beratung dar. Bei gesundheitlichen Fragen oder Beschwerden wenden Sie sich bitte an eine Ärztin oder einen Arzt.
Kategorien nach der ESH-Leitlinie 2023 (Praxismessung, Erwachsene), wie sie die Deutsche Hochdruckliga wiedergibt: optimal unter 120/80, Hypertonie ab 140/90. Fallen beide Werte in verschiedene Kategorien, gilt die höhere.
Hintergrund
Warum 118/75 zugleich optimal und erhöht ist
Für Blutdruck gibt es in Europa zwei Tabellen, und sie sind sich nur an einer Stelle einig: ab 140/90 mmHg ist es Bluthochdruck. Darunter nennt die eine Leitlinie 118/75 „optimal“, die andere „erhöht“. Welche Kategorie gilt, entscheidet außerdem immer der ungünstigere der beiden Werte – und der Ort, an dem gemessen wurde. Zu Hause liegt die Grenze bei 135/85.
Grundlage: Deutsche Hochdruckliga – Leitfaden 2023, Hypertonie-Leitlinien · Deutsche Hochdruckliga – Pressemitteilung vom 5. Juli 2023 und 4 weitere · alle Quellen
Zwei Leitlinien, eine gemeinsame Grenze
Bis 2018 haben die Europäische Gesellschaft für Hypertonie (ESH) und die Europäische Gesellschaft für Kardiologie (ESC) ihre Blutdruck-Leitlinien gemeinsam herausgegeben. Seitdem gehen sie getrennte Wege: Die ESH hat 2023 eine eigene Leitlinie veröffentlicht, die ESC 2024. Die Deutsche Hochdruckliga druckt in ihrem Leitfaden 2023 die Einteilung der ESH ab – sechs Stufen von „optimal“ bis „Hypertonie Grad 3“. Die ESC dagegen kommt mit drei Kategorien aus: „nicht erhöht“, „erhöht“ und „Hypertonie“.
| Leitlinie | Kategorie | ab oberem Wert | oder ab unterem Wert |
|---|---|---|---|
| ESH 2023 | optimal | unter 120 | unter 80 |
| ESH 2023 | normal | 120 | 80 |
| ESH 2023 | hoch-normal | 130 | 85 |
| ESH 2023 | Hypertonie Grad 1 | 140 | 90 |
| ESH 2023 | Hypertonie Grad 2 | 160 | 100 |
| ESH 2023 | Hypertonie Grad 3 | 180 | 110 |
| ESC 2024 | nicht erhöht | unter 120 | unter 70 |
| ESC 2024 | erhöht | 120 | 70 |
| ESC 2024 | Hypertonie | 140 | 90 |
Alle Werte in mmHg, gemessen in der Praxis. „Optimal“ und „nicht erhöht“ verlangen, dass beide Werte unter der jeweiligen Grenze liegen; für jede höhere Stufe genügt einer der beiden.
Einig sind sich beide Tabellen an genau einer Stelle: Bluthochdruck beginnt bei 140/90 mmHg. Für diesen Artikel wurden beide Einteilungen auf jede ganzzahlige Kombination von 70 bis 250 mmHg oben und 40 bis 150 mmHg unten angewendet. Bei der Frage „Hypertonie ja oder nein“ gibt es keine einzige Abweichung. Darunter aber sortieren sie dieselben Zahlen verschieden ein.
Optimal und erhöht zugleich
Die ESC-Kategorie „erhöht“ beginnt bei 120 mmHg oben oder 70 mmHg unten. Der untere Grenzwert liegt damit 10 mmHg tiefer als die Grenze, an der bei der ESH das „Optimale“ endet. Daraus entsteht ein Streifen, in dem ein Messwert nach der einen Leitlinie optimal und nach der anderen erhöht ist: oberer Wert unter 120, unterer Wert von 70 bis 79 mmHg – 10 Millimeter Quecksilbersäule, in denen die beiden Tabellen sich widersprechen.
118/75 liegt mitten darin. Und der Streifen ist kein Randfall: Die ESC-Kategorie „erhöht“ überdeckt Werte aus allen drei ESH-Stufen unterhalb der Hypertonie – optimal, normal und hoch-normal. Was die ESH in drei Abstufungen trennt, fasst die ESC zu einer zusammen, und sie zieht die Untergrenze diastolisch tiefer.
Das ist kein Messfehler und kein Widerspruch in der Sache. Die ESC begründet die neue Kategorie damit, dass das Herz-Kreislauf-Risiko schon unterhalb von 140/90 mit dem Blutdruck steigt und dass für Menschen in diesem Bereich das Gesamtrisiko den Ausschlag geben soll – nicht der Blutdruckwert allein. Für den Leser einer Einstufung heißt es nur: Das Wort „optimal“ oder „erhöht“ sagt wenig, solange nicht dasteht, nach welcher Tabelle eingeordnet wurde.
| Messwert | ESH 2023 | entscheidet | ESC 2024 |
|---|---|---|---|
| 115/65 | optimal | – | nicht erhöht |
| 118/75 | optimal | – | erhöht |
| 125/78 | normal | oberer Wert | erhöht |
| 118/88 | hoch-normal | unterer Wert | erhöht |
| 136/72 | hoch-normal | oberer Wert | erhöht |
| 146/72 | Hypertonie Grad 1 (isoliert systolisch) | oberer Wert | Hypertonie |
| 128/94 | Hypertonie Grad 1 (isoliert diastolisch) | unterer Wert | Hypertonie |
| 185/88 | Hypertonie Grad 3 (isoliert systolisch) | oberer Wert | Hypertonie |
Der ungünstigere Wert entscheidet
Die Spalte „entscheidet“ zeigt die zweite Regel, die bei der Einordnung gern übersehen wird. Der Leitfaden der Hochdruckliga formuliert sie ausdrücklich: Die Kategorie wird immer vom höchsten Blutdruck bestimmt, systolisch wie diastolisch. Liegen oberer und unterer Wert in verschiedenen Stufen, zählt die höhere.
118/88 ist deshalb hoch-normal, obwohl der obere Wert für sich genommen optimal wäre. 136/72 ist ebenfalls hoch-normal – hier wegen des oberen Werts, während der untere unauffällig ist. Und 185/88 ist Hypertonie Grad 3, obwohl der untere Wert nicht einmal die Grenze von 90 mmHg erreicht. Für solche Fälle führt die ESH eigene Bezeichnungen: isolierte systolische Hypertonie, wenn nur der obere Wert bei 140 oder darüber liegt, isolierte diastolische, wenn es nur der untere ist.
Aus der Regel folgt eine Eigenschaft, die man beim Beobachten eigener Werte kennen sollte: Solange einer der beiden Werte in einer Stufe liegt, hält er die Einstufung dort fest – egal, wie weit der andere sich bewegt. Die folgende Tabelle rechnet das rein arithmetisch durch: Um wie viele mmHg müsste nur der obere oder nur der untere Wert niedriger liegen, damit sich die ESH-Kategorie ändert?
| Messwert | ESH 2023 | nur oberer Wert | nur unterer Wert |
|---|---|---|---|
| 150/95 | Hypertonie Grad 1 | wechselt nie | wechselt nie |
| 165/85 | Hypertonie Grad 2 | 6 mmHg | wechselt nie |
| 145/104 | Hypertonie Grad 2 | wechselt nie | 5 mmHg |
| 162/102 | Hypertonie Grad 2 | wechselt nie | wechselt nie |
Bei 150/95 liegen beide Werte in Grad 1, bei 162/102 beide in Grad 2. In solchen Fällen ändert keiner der beiden Werte die Kategorie, solange er allein sinkt: Der obere Wert könnte bis auf 70 mmHg fallen, der untere bis auf 40 – die Stufe hält jeweils der andere. Das ist keine Eigenheit dieser Beispiele, sondern folgt aus der Regel: Wo beide Werte dieselbe Stufe tragen, braucht es beide, um sie zu verlassen. Bei 162/102 genügen dafür 3 mmHg oben und 3 mmHg unten, zusammen also 159/99 – dann ist es Hypertonie Grad 1.
Trägt dagegen nur einer der beiden Werte die Einstufung, genügt er auch allein. Bei 165/85 liegt der untere Wert zwei Stufen tiefer als der obere; 6 mmHg weniger oben führen deshalb aus Grad 2 heraus, während der untere Wert ohne Wirkung auf die Kategorie bleibt. Bei 145/104 ist es umgekehrt der untere Wert, der die Stufe trägt: 5 mmHg weniger genügen. Eine Verbesserung des anderen Werts kann also real sein und trotzdem in der Einstufung unsichtbar bleiben.
Zu Hause gelten andere Grenzen
Alle bisher genannten Grenzen gelten für die Messung in der Praxis. Dort liegt der Blutdruck im Mittel höher als zu Hause, und beide Leitlinien ziehen daraus dieselbe Konsequenz: Bei der Selbstmessung beginnt Bluthochdruck schon bei 135/85 mmHg, im Tagesmittel einer 24-Stunden-Messung ebenfalls bei 135/85, im Mittel über 24 Stunden bei 130/80. Die Hochdruckliga übersetzt das in die Faustregel „zu Hause jeweils minus 5 mmHg“.
Dieselbe Zahl bedeutet damit je nach Messort etwas anderes. 137/86, in der Praxis gemessen, ist nach ESH hoch-normal und nach ESC erhöht. Zu Hause gemessen liegt derselbe Wert über der Grenze für Bluthochdruck. Betroffen sind obere Werte von 135 bis 139 und untere von 85 bis 89 mmHg – zwei Streifen von je 5 beziehungsweise 5 mmHg, in denen die Praxistabelle „noch keine Hypertonie“ anzeigt, die Heimmessung aber schon.
Die Faustregel stimmt allerdings nur an dieser einen Grenze. Die ESC hat für ihre neuen Kategorien auch Entsprechungen für die Messung außerhalb der Praxis veröffentlicht, und dort ist der Abstand nicht überall gleich:
| ESC 2024 ab | Praxis | zu Hause | 24 Stunden |
|---|---|---|---|
| erhöht | 120/70 | 120/70 (±0) | 115/65 (−5) |
| Hypertonie | 140/90 | 135/85 (−5) | 130/80 (−10) |
Zu Hause beginnt „erhöht“ bei denselben 120/70 mmHg wie in der Praxis – der Abstand ist dort null. Erst an der Hypertoniegrenze wächst er auf 5 mmHg. Bei der 24-Stunden-Messung beträgt der Abstand 5 mmHg für „erhöht“ und 10 mmHg für die Hypertoniegrenze. Die ESC gibt an, diese Entsprechungen statistisch aus Bevölkerungsdaten abgeleitet zu haben; eine feste Umrechnung zwischen den Messarten gibt es nicht. Wer einen zu Hause gemessenen Wert mit einer Praxistabelle vergleicht, vergleicht Werte, die für diesen Vergleich nicht gedacht sind.
Welche Messung zählt
Auch innerhalb einer Sitzung schreibt der Leitfaden der Hochdruckliga vor, welche Werte gemittelt werden: in der Praxis drei Messungen im Abstand von einer Minute, gewertet wird der Durchschnitt der letzten zwei. Zu Hause sind es zwei Messungen im Minutenabstand, gewertet wird der Durchschnitt beider. Die erste Praxismessung fällt also bewusst heraus – sie ist erfahrungsgemäß die unruhigste.
Wie viel das ausmachen kann, zeigt eine Reihe von drei Praxismessungen: 148/93, 138/88, 136/86 mmHg.
- Nur die erste Messung: 148/93 – nach ESH Hypertonie Grad 1.
- Durchschnitt der letzten zwei, wie vorgesehen: 137/87 – hoch-normal.
- Durchschnitt aller drei: 140,7/89,0 – Hypertonie Grad 1, und zwar isoliert systolisch, weil der obere Mittelwert knapp über 140 liegt.
Drei Messungen, drei Rechenwege, zwei verschiedene Stufen. Das Verfahren ist Teil der Grenzwerte: Ein Wert, der anders zustande gekommen ist, lässt sich nicht ohne Weiteres an ihnen messen. Dazu kommen die Bedingungen, die der Leitfaden ebenfalls nennt – validiertes Oberarmgerät, passende Manschette auf Herzhöhe, drei bis fünf Minuten Ruhe im Sitzen, eine halbe Stunde vorher weder Rauchen noch Kaffee, noch Essen oder Sport, und während der Messung nicht sprechen.
Was eine Einstufung nicht leistet
Keine der beiden Tabellen hat eine Spalte für das Alter. Die Kategorien gelten für Erwachsene unabhängig davon, wie alt sie sind; unterschiedlich behandeln die Leitlinien das Alter erst bei der Frage, ob und wie weit der Blutdruck gesenkt werden soll. Diese Frage beantwortet keine Tabelle, sondern eine ärztliche Abwägung, in die Vorerkrankungen, weitere Risikofaktoren und Organschäden eingehen.
Eine einzelne Messung ist außerdem keine Diagnose. Beide Leitlinien verlangen, dass erhöhte Praxiswerte bei wiederholten Terminen bestätigt werden, und empfehlen dafür bevorzugt die Selbstmessung über mehrere Tage oder eine 24-Stunden-Messung. Wer wiederholt Werte über den oben genannten Grenzen misst – in der Praxis 140/90, zu Hause 135/85 –, sollte sie ärztlich abklären lassen. Eine Einordnung nach Tabelle ersetzt das nicht; sie hilft nur, die Zahlen auf dem Messgerät richtig zu lesen.
Grundlage dieses Artikels sind die Einteilungen der ESH-Leitlinie 2023 (in der Fassung des Leitfadens 2023 der Deutschen Hochdruckliga) und der ESC-Leitlinie 2024 samt den dort genannten Entsprechungen für die Heim- und 24-Stunden-Messung. Die Rechnungen verwenden ganze mmHg; Werte genau auf einer Grenze zählen zur höheren Stufe. Nicht betrachtet sind Schwangerschaft, Kinder und Jugendliche sowie die Nachtwerte der 24-Stunden-Messung.