Der Rechner ermittelt Beginn und Ende der Schutzfristen aus dem voraussichtlichen Entbindungstag – und, sobald das Kind da ist, aus dem tatsächlichen Geburtsdatum.
So wird gerechnet
Beginn = Termin − 6 Wochen. Ende = Geburt + 8 Wochen (12 Wochen bei Früh-, Mehrlingsgeburt oder festgestellter Behinderung) + die Tage, um die das Kind vor dem Termin kam.
Schutzfristen nach § 3 Abs. 1 und 2 MuSchG, Mutterschaftsgeld nach § 19 MuSchG (abgerufen am 14.09.2026). Keine Rechtsberatung; maßgeblich ist der Termin laut ärztlichem Zeugnis oder Zeugnis der Hebamme.
Hintergrund
Beim Mutterschutz zählt die Verspätung, nicht der Vorsprung
Kommt das Kind bis zu 3 Wochen vor dem Termin, endet der Mutterschutz trotzdem am selben Tag wie bei einer Geburt genau am Termin: 98 Tage insgesamt, keiner weniger. Kommt es 3 Wochen später, verlängert sich der Mutterschutz exakt um diese 3 Wochen – auf 119 Tage. Das Gesetz gleicht eine frühere Geburt vollständig aus, eine spätere nicht.
Grundlage: § 3 MuSchG – Schutzfristen vor und nach der Entbindung · alle Quellen
Zwei Fristen, zwei verschiedene Ankerpunkte
Der Rechner oben setzt den Beginn der Schutzfrist immer 6 Wochen vor den voraussichtlichen Entbindungstag (§ 3 Abs. 1 Satz 1 MuSchG) – im Beispiel dieser Seite der 20.11.2026, also der 09.10.2026. Das ergibt Sinn: Ob und wann eine Schwangere in den letzten Wochen vor der Geburt nur noch mit ausdrücklicher Zustimmung beschäftigt werden darf, muss vorher feststehen, und die tatsächliche Geburt kennt zu diesem Zeitpunkt niemand. Deshalb bleibt der ärztlich geschätzte Termin der einzig mögliche Bezugspunkt für den Anfang.
Das Ende dagegen hängt von der tatsächlichen Geburt ab: 8 Wochen danach (§ 3 Abs. 2 Satz 1 MuSchG), plus die Tage, die von der Frist davor noch übrig waren, weil das Kind früher kam (§ 3 Abs. 2 Satz 3 MuSchG). Sobald die Geburt stattgefunden hat, gibt es keinen Grund mehr, mit einer Schätzung zu rechnen – das Ende darf und muss sich nach dem wirklichen Datum richten. Der Beginn hängt also an einer Prognose, das Ende an einem Faktum. Aus genau dieser Asymmetrie der beiden Ankerpunkte folgt, dass eine frühere und eine spätere Geburt am Ende nicht gleich behandelt werden, obwohl beide nur Abweichungen vom selben Termin sind.
Früher entbunden: kein Tag geht verloren
Kommt das Kind vor dem Termin, verkürzt sich die Zeit, die vor der Geburt tatsächlich als Schutzfrist genutzt wurde – schließlich kann niemand vor einer Entbindung geschützt werden, die schon stattgefunden hat. Das Gesetz gleicht das aber nicht durch ein kürzeres Ende aus, sondern durch ein längeres: Die fehlenden Tage wandern hinter die Geburt (§ 3 Abs. 2 Satz 3 MuSchG). Kommt das Kind beispielsweise 21 Tage vor dem Termin, waren von den 6 Wochen davor nur 3 Wochen tatsächlich als Schutzfrist nutzbar; die restlichen 21 Tage werden der Frist danach zugeschlagen, aus 8 Wochen werden also 11 Wochen.
Im Rechner bedeutet das: In allen 3 Beispielen der Tabelle – ob das Kind ein paar Tage oder bis zu 3 Wochen zu früh kommt – bleibt das Ende gleich, im Beispiel dieser Seite der 15.01.2027: derselbe Tag wie bei einer Geburt genau am Termin. Das gilt nicht nur für diese Beispiele, sondern für jede beliebige frühere Geburt: Die Gesamtdauer hat einen Boden bei 98 Tagen, den keine noch so frühe Geburt unterschreitet.
| Geburt gegenüber Termin | Tatsächliche Geburt | Ende | Tage insgesamt |
|---|---|---|---|
| 21 Tage früher | 30.10.2026 | 15.01.2027 | 98 |
| 14 Tage früher | 06.11.2026 | 15.01.2027 | 98 |
| 7 Tage früher | 13.11.2026 | 15.01.2027 | 98 |
| genau am Termin | 20.11.2026 | 15.01.2027 | 98 |
Später entbunden: jeder Tag zählt dazu
Kommt das Kind nach dem Termin, gibt es keine analoge Korrektur nach vorn. Die 8 Wochen danach zählen schlicht ab dem tatsächlichen Geburtstag – der später liegt als geplant –, während der Beginn der Frist davor unverändert am ursprünglichen Termin hängt. 7 Tage Verspätung verlängern den Mutterschutz deshalb insgesamt um 7 Tage, auf 105 Tage statt 98; 3 Wochen Verspätung um 3 Wochen, auf 119 Tage. Anders als bei der früheren Geburt gibt es hier keinen Mechanismus, der etwas „zurückholt“ – die zusätzliche Zeit vor der Geburt, in der die 6 Wochen des Beschäftigungsverbots längst abgelaufen waren, wird an keiner Stelle wieder abgezogen.
Diese Verlängerung ist keine Ausnahme, sondern die Regel für jede Verspätung: Je später die Geburt gegenüber dem ärztlich geschätzten Termin liegt, desto länger der gesamte Mutterschutz – ohne Obergrenze, denn das Gesetz nennt für die Verspätung keinen Höchstwert, anders als für die Verkürzung, die durch die tatsächlich verbleibenden Tage vor der Geburt begrenzt ist. Bei 35 Tagen Verspätung etwa wächst die Gesamtdauer auf 133 Tage; anders als der Boden bei 98 Tagen ist hier keine Grenze eingebaut, an der das Wachstum endet.
| Geburt gegenüber Termin | Tatsächliche Geburt | Ende | Tage insgesamt |
|---|---|---|---|
| 7 Tage später | 27.11.2026 | 22.01.2027 | 105 |
| 14 Tage später | 04.12.2026 | 29.01.2027 | 112 |
| 21 Tage später | 11.12.2026 | 05.02.2027 | 119 |
Warum das keine Symmetrie ist
§ 3 Abs. 2 Satz 3 MuSchG spricht ausdrücklich nur von der „vorzeitigen Entbindung“: Nur wenn das Kind früher kommt, verlängert sich die Frist danach um die verkürzte Zeit davor. Für eine spätere Entbindung gibt es keine entsprechende Vorschrift, die das Ende wieder nach vorn zöge – es gibt schlicht nichts zu verkürzen, weil die Frist davor beim Termin startet und bis zur tatsächlichen Geburt weiterläuft. Eine frühere Geburt hat damit einen Boden: 98 Tage werden nie unterschritten. Eine spätere Geburt hat keine Decke: Jeder zusätzliche Tag bis zur Entbindung verlängert den gesamten Schutz um genau diesen Tag.
Das lässt sich auch so lesen: Der Gesetzgeber hat für die Schwangere ein Mindestmaß an Schutz festgelegt – 98 Tage bei einer gewöhnlichen Geburt –, aber keine Obergrenze, ab der der Schutz gekappt würde, nur weil die Geburt sich verzögert. Wer also errechnet, wie lange der Mutterschutz insgesamt dauern wird, kann sich auf den unteren Wert verlassen, nicht aber auf den oberen: Der eine steht mit dem Termin schon fest, der andere erst mit der Geburt selbst.
Die verlängerte Frist ist eine eigene Regel
Bei Früh- und Mehrlingsgeburten sowie bei einer innerhalb von acht Wochen ärztlich festgestellten Behinderung des Kindes gelten statt 8 Wochen 12 Wochen nach der Geburt (§ 3 Abs. 2 Satz 2 MuSchG) – im Rechner die Auswahl „Besondere Umstände“. Dieses Kästchen beschreibt einen medizinischen Befund, keine Kalenderabweichung: Eine Geburt einige Tage vor dem ärztlich geschätzten Termin macht ein Kind für sich genommen noch nicht zur Frühgeburt im Sinne dieser Vorschrift, und umgekehrt kann ein Kind, das erst nach dem Termin zur Welt kommt, trotzdem als Mehrling oder mit einer Behinderung geboren werden. Die beiden Angaben im Rechner – das tatsächliche Geburtsdatum und die Auswahl „Besondere Umstände“ – beantworten deshalb unterschiedliche Fragen und sollten nicht danach ausgefüllt werden, ob der Geburtstermin über- oder unterschritten wurde.
Rechnerisch ist die verlängerte Frist von der Verkürzungs-Kompensation aus dem vorigen Abschnitt unabhängig, beide Regeln greifen aber sauber ineinander: Kommt das Kind bei aktivierter Auswahl 14 Tage vor dem Termin, bleibt die Gesamtdauer bei 126 Tagen (6 plus 12 Wochen); kommt es 14 Tage später, wächst sie auf 140 Tage. Dieselbe Regel – Vorsprung wird ausgeglichen, Verspätung wird addiert – gilt hier also mit einer anderen Basis unverändert weiter, weil beide Rechenschritte im Modul nacheinander und nicht gegeneinander wirken.
Für die Planung heißt das: Der früheste realistische Zeitpunkt, zu dem der Mutterschutz endet, lässt sich schon mit dem Termin und der Frage nach den besonderen Umständen bestimmen – er steht praktisch fest, sobald diese beiden Angaben feststehen. Der späteste Zeitpunkt dagegen ist erst mit der tatsächlichen Geburt bekannt, denn jeder Tag Verspätung schiebt ihn um genau einen Tag weiter nach hinten.