Der Rechner ermittelt den Verfahrenswert einer Scheidung aus dem Nettoeinkommen beider Ehegatten und rechnet daraus Gerichts- und Anwaltsgebühren nach den gesetzlichen Tabellen.
So wird gerechnet
Verfahrenswert = Nettoeinkommen beider aus drei Monaten (mindestens 3.000 €), plus 10 % davon je Anrecht im Versorgungsausgleich (mindestens 1.000 €), plus 20 % je Kindschaftssache (höchstens 5.000 €). Gericht: 2,0 Gebühren. Anwalt: 2,5 Gebühren, Pauschale, Umsatzsteuer.
Verfahrenswert nach §§ 43, 44 und 50 FamGKG, Gerichtsgebühr nach § 28 FamGKG und KV Nr. 1110, Anwaltsvergütung nach § 13 RVG und VV Nr. 3100, 3104, 7002, 7008 (Gebührentabellen in der Fassung BGBl. 2025 I Nr. 109, abgerufen am 14.09.2026). Nicht berücksichtigt: Ermessenszu- oder -abschläge für Vermögen und Kinder, Einigungsgebühr, streitige Folgesachen, gerichtliche Auslagen.
Hintergrund
Ein Euro mehr Gehalt wiegt beim Verfahrenswert schwerer als ein ganzes Rentenanrecht
Ein Ehepaar mit 4.000 € Netto im Monat und zwei Anrechten im Versorgungsausgleich hat einen Verfahrenswert von 14.400 €. Ein drittes Anrecht hebt ihn um 1.200 € auf 15.600 € – kostet in diesem Fall aber keinen Cent zusätzlich. Verteilt man denselben Betrag stattdessen als Gehaltserhöhung, steigt der Verfahrenswert um 4.320 €, mehr als das Dreifache, und diesmal kostet es tatsächlich 224,63 € mehr. Derselbe Euro zählt beim Verfahrenswert je nachdem, wo er herkommt, unterschiedlich viel.
Grundlage: § 43 FamGKG – Verfahrenswert der Ehesache · § 44 FamGKG – Verfahrenswert bei Folgesachen im Verbund und 3 weitere · alle Quellen
Ein Anrecht ist nicht dasselbe wie ein Euro
Jede Altersvorsorge, die während der Ehe gewachsen ist, zählt beim Versorgungsausgleich als eigenes Anrecht – die gesetzliche Rente eines Ehegatten ist eines, eine Betriebsrente ein weiteres, eine private Riester- oder Rürup-Vorsorge ein drittes. Wer neben der gesetzlichen Rente noch betrieblich und privat vorsorgt, bringt es schnell auf drei, vier oder mehr Anrechte. Die naheliegende Annahme wäre: Jedes weitere Anrecht verteuert die Scheidung ungefähr so stark wie ein entsprechendes Stück mehr Einkommen. Das stimmt nicht – und der Unterschied lässt sich aus derselben Formel ablesen, mit der auch der Rechner oben arbeitet.
Zwei Wege zum selben Euro-Betrag
Der Verfahrenswert einer Scheidung im Verbund setzt sich aus mehreren Teilen zusammen, die addiert werden (§ 44 Abs. 1 FamGKG): der Ehesache selbst – dreimal das monatliche Nettoeinkommen beider Ehegatten, mindestens 3.000 € (§ 43 Abs. 2 FamGKG) – und, wenn im Versorgungsausgleich Anrechte auszugleichen sind, 10,0 % dieses Dreimonatsbetrags je Anrecht, zusammen mindestens 1.000 € (§ 50 Abs. 1 FamGKG). Zwei Stellschrauben also, die beide am selben Grundwert hängen: dem dreifachen Nettoeinkommen.
Bei 4.000 € Netto und zwei bestehenden Anrechten beträgt der Verfahrenswert 14.400 € (12.000 € Ehesache plus 2.400 € Versorgungsausgleich). Ein drittes Anrecht – etwa weil neben der gesetzlichen Rente auch eine Betriebsrente auszugleichen ist – hebt den Versorgungsausgleichs-Anteil um 1.200 € auf 3.600 €, den Gesamtwert auf 15.600 €.
Wie stark wirkt derselbe Betrag, wenn er stattdessen als Einkommenszuwachs ankommt? 4.000 € plus 1.200 € sind 5.200 € Netto, bei unverändert zwei Anrechten. Der Verfahrenswert steigt dabei nicht um 1.200 €, sondern um 4.320 € – auf 18.720 €. Derselbe Euro-Betrag, 3,6-mal so starke Wirkung.
Warum Einkommen doppelt zählt
Der Grund liegt in der Formel selbst. Ein zusätzliches Anrecht hebt nur den Versorgungsausgleichs-Anteil an – einmalig, um 10,0 % des (unveränderten) Dreimonatseinkommens. Eine Einkommenserhöhung dagegen wirkt zweifach: Sie hebt die Ehesache direkt an (Faktor 3, weil drei Monate zählen), und sie hebt gleichzeitig die Bemessungsgrundlage für jedes bereits bestehende Anrecht im Versorgungsausgleich mit an – bei zwei Anrechten macht das zusätzlich 20,0 % des Zuwachses aus. Ein Anrecht ist ein Einmalzuschlag auf eine feste Basis; ein höheres Einkommen vergrößert die Basis selbst, und alles, was an ihr hängt, wächst mit.
Das lässt sich in eine feste Formel fassen: Eine Einkommenserhöhung wirkt auf den Verfahrenswert 3 × (1 + 10,0 % × Anzahl der Anrechte) mal so stark wie derselbe Euro-Betrag als zusätzliches Anrecht. Bei 2 Anrechten ergibt das 3 × (1 + 20,0 %) = 3,6. Der Faktor hängt dabei nicht von der Höhe des Einkommens ab, sondern nur von der Zahl der schon bestehenden Anrechte – mehr Anrechte bedeuten einen noch größeren Hebel:
| Bestehende Anrechte | Faktor Einkommen ggü. Anrecht |
|---|---|
| 1 | 3,3 |
| 2 | 3,6 |
| 3 | 3,9 |
| 4 | 4,2 |
| 5 | 4,5 |
Mit fünf bestehenden Anrechten – etwa bei zwei Ehegatten mit je gesetzlicher Rente, Betriebsrente und privater Riester- oder Rürup-Vorsorge – wirkt eine Einkommenserhöhung schon 4,5-mal so stark auf den Verfahrenswert wie derselbe Betrag als zusätzliches Anrecht. Konkret bei 4.000 € Netto: Der Sprung von fünf auf sechs Anrechte hebt den Verfahrenswert um dieselben 1.200 € wie beim Sprung von zwei auf drei Anrechte weiter oben – der Zuschlag pro Anrecht hängt nur vom Einkommen ab, nicht davon, wie viele Anrechte schon da sind. Verteilt man stattdessen 1.200 € als Einkommenszuwachs auf ein Ehepaar mit fünf Anrechten, steigt der Verfahrenswert um 5.400 € – exakt das 4,5-Fache.
Ob es auch mehr kostet, ist eine andere Frage
Ein höherer Verfahrenswert bedeutet nicht automatisch höhere Gebühren. Gerichts- und Anwaltsgebühren richten sich nach Wertstufen, die in festen Schritten steigen (§ 28 FamGKG, § 13 RVG) – innerhalb einer Stufe ändert sich an der Gebühr nichts, egal um wie viel der Wert innerhalb dieser Stufe wächst. Im Beispiel oben liegt das dritte Anrecht trotz 1.200 € mehr Verfahrenswert noch in derselben Gebührenstufe: Die Gesamtkosten bleiben bei 2.978,75 €, unverändert. Die Einkommenserhöhung dagegen überspringt eine Stufe – die Kosten steigen um 224,63 € auf 3.203,38 €.
Das ist kein Sonderfall dieses einen Beispiels. Für den immer gleichen Schritt von zwei auf drei Anrechte, bei unterschiedlichem Nettoeinkommen, kostet der dritte Anrecht mal gar nichts, mal einen dreistelligen Betrag – je nachdem, ob der zusätzliche Verfahrenswert eine Gebührenstufe überschreitet:
| Netto beider / Monat | Mehr Verfahrenswert | Mehr Kosten durchs 3. Anrecht |
|---|---|---|
| 2.000 € | 600 € | 0 € |
| 3.000 € | 900 € | 0 € |
| 4.000 € | 1.200 € | 0 € |
| 5.000 € | 1.500 € | 224,62 € |
| 6.000 € | 1.800 € | 224,63 € |
| 7.000 € | 2.100 € | 0 € |
| 8.000 € | 2.400 € | 336,85 € |
| 9.000 € | 2.700 € | 336,84 € |
| 10.000 € | 3.000 € | 0 € |
Ein methodischer Nebenbefund: Gerichts- und Anwaltsgebühr springen in diesem Rechner immer im selben Moment, nie einzeln – beide Tabellen (§ 28 FamGKG, § 13 RVG) sind an denselben Wertgrenzen gestaffelt, nur die Beträge je Stufe unterscheiden sich. Über den gesamten geprüften Bereich bis 60.000 € Verfahrenswert gibt es keine Ausnahme davon.
Wo eine ungenaue Schätzung stärker durchschlägt
Für die Praxis folgt daraus, welcher Eingabefehler stärker ins Gewicht fällt: das Vergessen eines Anrechts oder eine ungenaue Einkommensangabe. Wird beim Nettoeinkommen zum Beispiel eine schwankende Sonderzahlung nicht in den Monatsdurchschnitt eingerechnet und das Netto dadurch um 500 € zu niedrig angesetzt – von 4.000 € auf 3.500 € –, sinkt der ausgewiesene Verfahrenswert um 1.800 € und die Kostenschätzung um 224,62 €, weil dabei ebenfalls eine Gebührenstufe unterschritten wird. Ein komplett vergessenes drittes Anrecht kostet im selben Ausgangsfall dagegen 0,00 € Differenz. Der Einkommensfehler wiegt hier schwerer als das fehlende Anrecht – obwohl beide nur eine einzelne Angabe im Formular betreffen.
Was diese Rechnung nicht zeigt
Der Vergleich rechnet ausschließlich mit dem, was das Gesetz an Zahlen vorgibt: dem Nettoeinkommen und der Zahl der Anrechte. Ob und wie stark das Gericht darüber hinaus Vermögen oder unterhaltsberechtigte Kinder berücksichtigt, liegt in seinem Ermessen (§ 43 Abs. 1 FamGKG) und lässt sich nicht in eine Formel gießen – dieser Rechner unterstellt dazu nichts, und auch dieser Artikel nicht. Nicht enthalten sind außerdem eine Einigungsgebühr, streitig geführte Folgesachen wie Unterhalt oder Zugewinn, sowie gerichtliche Auslagen. Wer diese Rechnung auf die eigene Scheidung überträgt, bekommt damit eine Untergrenze, keinen Festpreis.