Geld & Gehalt

Der Rechner ermittelt die Abfindung nach der Formel des § 1a KSchG und zeigt, wie viel Einkommensteuer sie mit und ohne Fünftelregelung kostet.

Abfindung nach § 1a KSchG
— €

So wird gerechnet

Abfindung = 0,5 × Monatsverdienst × Jahre, wobei mehr als sechs Monate als volles Jahr zählen. Steuer mit Fünftelregelung = 5 × (Steuer auf Einkommen + Abfindung ÷ 5 − Steuer auf Einkommen).

§ 1a Abs. 1 und 2 KSchG, Monatsverdienst nach § 10 Abs. 3 KSchG, Fünftelregelung nach § 34 Abs. 1 und 2 Nr. 2 EStG, Tarif nach § 32a EStG (abgerufen am 14.09.2026). Ohne Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer. Außerhalb des § 1a ist die Höhe Verhandlungssache.

Hintergrund

Die Fünftelregelung spart genau dann nichts, wenn der Tarif gerade nicht steigt

Sie gilt als der große Steuervorteil bei Abfindungen. Tatsächlich ist ihr Wert oberhalb von 69.878 € zu versteuerndem Einkommen nicht klein, sondern mathematisch exakt null – und in der Mitte hängt er überhaupt nicht davon ab, was man verdient, sondern nur davon, wie hoch die Abfindung ist. Im Beispiel des Rechners sind es 271 € auf 14.000 €, also 1,94 %.

Von Matthias Dührkop · Stand

Grundlage: § 34 EStG – Außerordentliche Einkünfte · § 32a EStG – Einkommensteuertarif und 3 weitere · alle Quellen

Was die Regel anordnet – und was sie dabei stillschweigend voraussetzt

Eine Abfindung ist eine Entschädigung im Sinne des § 24 Nr. 1 EStG und damit ein außerordentlicher Bezug nach § 34 Abs. 2 Nr. 2 EStG. § 34 Abs. 1 Satz 2 EStG schreibt vor, wie die Steuer darauf zu berechnen ist: Sie beträgt „das Fünffache des Unterschiedsbetrags zwischen der Einkommensteuer für das um diese Einkünfte verminderte zu versteuernde Einkommen und der Einkommensteuer für das verbleibende zu versteuernde Einkommen zuzüglich eines Fünftels dieser Einkünfte“.

Der Name führt in die Irre. Es wird nicht ein Fünftel der Abfindung besteuert und der Rest bleibt frei. Es wird ein Fünftel auf das laufende Einkommen gelegt, die Mehrsteuer daraus gemessen – und diese Mehrsteuer dann verfünffacht. Rechnerisch ist das die Frage: Wie teuer wäre die Abfindung, wenn sie sich gleichmäßig auf fünf Jahre verteilt hätte? Genau darin liegt der Sinn der Vorschrift. Sie ist keine Vergünstigung für Abfindungen, sondern eine Korrektur der Progression, die sonst allein deshalb zuschlägt, weil ein Betrag in einem einzigen Jahr zufließt.

Daraus folgt eine Konsequenz, die im Alltag regelmäßig übersehen wird: Wo der Tarif keine Progression hat, kann auch keine korrigiert werden. Die Regel läuft dort nicht schwach, sondern leer.

Ab 69.878 € zu versteuerndem Einkommen ist die Ersparnis exakt null

Die Tabelle nimmt die Abfindung aus dem Beispiel, das der Rechner beim Öffnen zeigt: 3.500 € Monatsverdienst, 7 Jahre und 8 Monate Betriebszugehörigkeit, nach § 1a Abs. 2 KSchG aufgerundet auf 8 Jahre – also 4,0 Monatsverdienste oder 14.000 €. Variiert wird nur das laufende zu versteuernde Einkommen daneben.

Einkommensteuer auf eine Abfindung von 14.000 € mit und ohne Fünftelregelung, nach zu versteuerndem Einkommen ohne die Abfindung
zvE ohne Abfindung Steuer regulär mit Fünftelregelung Ersparnis in % der Abfindung
10.000 € 2.587 € 325 € 2.262 € 16,16 %
20.000 € 3.802 € 3.530 € 272 € 1,94 %
30.000 € 4.286 € 4.015 € 271 € 1,94 %
40.000 € 4.771 € 4.500 € 271 € 1,94 %
50.000 € 5.256 € 4.985 € 271 € 1,94 %
60.000 € 5.711 € 5.470 € 241 € 1,72 %
65.000 € 5.839 € 5.710 € 129 € 0,92 %
70.000 € 5.880 € 5.880 € 0 € 0,00 %
80.000 € 5.880 € 5.880 € 0 € 0,00 %

Die letzten beiden Zeilen sind keine Rundung auf null, sondern eine Identität. § 32a Abs. 1 Satz 2 Nr. 4 EStG besteuert jeden Euro zwischen 69.878 € und 277.825 € mit demselben Satz von 42 %. In diesem Bereich ist die Steuerfunktion eine Gerade. Die reguläre Mehrsteuer auf eine Abfindung a beträgt dort 0,42 · a; die Fünftelregelung rechnet 5 · 0,42 · a/5 – und das ist derselbe Betrag. Der Test im Kopf dieses Artikels prüft das für vier Einkommen zwischen 70.000 € und 200.000 € und lässt den Build scheitern, sobald auch nur ein Euro Unterschied herauskommt.

Ab 69.662 € zu versteuerndem Einkommen bleibt die Ersparnis durchgehend bei null – 216 € unterhalb der Zonengrenze von 69.878 €, weil der Grenzsteuersatz am oberen Rand der Progressionszone bereits praktisch 42 % erreicht hat. Davor verliert die Regel ihre Wirkung nicht abrupt, aber auf den letzten zehntausend Euro sehr schnell: Bei 60.000 € sind es noch 241 €, bei 65.000 € nur noch 129 € – 48 % dessen, was dieselbe Abfindung bei 40.000 € bringt.

Auf 8 Euro-Stellen zwischen 69.742 € und 69.873 € ergäbe die Fünftelrechnung sogar mehr Steuer als die reguläre Versteuerung – bis zu 4 €. Das ist kein Tarifeffekt, sondern Rundung: § 32a Abs. 1 Satz 6 EStG rundet jede Steuer auf volle Euro ab, und § 34 Abs. 1 Satz 2 EStG verfünffacht einen dieser abgerundeten Unterschiedsbeträge. Der Fehler wächst dadurch auf das Fünffache eines Euro. Der Rechner oben weist diesen Rest nicht als negative Ersparnis aus, sondern zeigt null – eine Ermäßigung, die belastet, wäre keine. Dass er das durchgängig tut, prüft der Build dieser Seite für jeden Euro zwischen 20.000 € und 120.000 €.

In der Mitte spielt das Einkommen keine Rolle – die Abfindung dagegen quadratisch

Der zweite Befund steht in der Tabelle und fällt trotzdem kaum auf: Zwischen 20.000 € und 50.000 € zu versteuerndem Einkommen bewegt sich die Ersparnis nicht. Sie liegt bei 271 €, unabhängig davon, ob daneben 30.000 € oder 50.000 € verdient wurden. Das ist kein Zufall der gewählten Stufen, sondern eine Eigenschaft des Tarifs.

§ 32a Abs. 1 Satz 2 Nr. 3 EStG formuliert die zweite Progressionszone als Parabel: (173,10 · z + 2.397) · z + 1.034,87, wobei z das um 17.799 € verminderte Einkommen in Zehntausendern ist. Setzt man eine solche Parabel in die Vorschrift des § 34 Abs. 1 Satz 2 ein, kürzt sich der lineare Teil vollständig heraus, und mit ihm das laufende Einkommen. Übrig bleibt ein Ausdruck, der nur noch von der Abfindung abhängt: vier Fünftel des quadratischen Koeffizienten mal dem Quadrat der Abfindung. Für 14.000 € ergibt das 271,42 €; der Rechner oben zeigt 271 €. Die größte Abweichung über alle geprüften Kombinationen beträgt 3,52 € und stammt aus der Euro-Abrundung des § 32a Abs. 1 Satz 6 EStG.

„Quadratisch“ hat eine handfeste Folge. Eine doppelt so hohe Abfindung bringt nicht die doppelte, sondern die vierfache Ersparnis: 66 € bei 7.000 € gegen 271 € bei 14.000 €, ein Faktor von 4,11. Umgekehrt heißt das, dass bei kleinen Abfindungen fast nichts ankommt. Die 1,94 % der Abfindung im Beispiel sind der typische Fall, nicht der Ausreißer.

Wirklich groß wird die Wirkung nur am unteren Rand. Bei 10.000 € laufendem Einkommen spart die Regel 2.262 €, also 16,16 % der Abfindung. Dort greift der stärkste Knick des Tarifs: Ein Fünftel von 14.000 € bleibt zusammen mit dem laufenden Einkommen nahe am Grundfreibetrag von 12.348 €, während die ungeteilte Abfindung durch beide Progressionszonen läuft. Je weniger jemand im Jahr der Kündigung sonst verdient, desto mehr trägt die Vorschrift – genau so, wie sie gedacht ist.

Eine zweite Kante: der Sprung auf 45 %

Dass die Regel oberhalb von 69.878 € leerläuft, gilt nur, solange auch die Abfindung in der 42 %-Zone bleibt. Bei 277.825 € setzt § 32a Abs. 1 Satz 2 Nr. 5 EStG die nächste Stufe an, und dort entsteht dieselbe Progression noch einmal. Ein zu versteuerndes Einkommen von 270.000 € und eine Abfindung von 50.000 € überschreiten die Grenze um 42.175 € – die Fünftelregelung hält den Zufluss unterhalb der Kante und spart 940 €. Bei 200.000 € laufendem Einkommen und derselben Abfindung sind es wieder exakt 0 €, weil dann alles in der 42 %-Zone bleibt. Die Regel folgt dem Tarif, nicht dem Einkommen.

Seit 2025 steht der Betrag nicht mehr auf der Abrechnung

Bis einschließlich 2024 ordneten § 39b Abs. 3 Satz 9 und 10 EStG an, dass der Arbeitgeber die Ermäßigung schon beim Lohnsteuerabzug berücksichtigt. Diese Sätze wurden durch das Wachstumschancengesetz aufgehoben; der geltende § 39b Abs. 3 EStG endet bei Satz 8. Erstmals anzuwenden ist das auf den Lohnsteuerabzug ab 2025. Die Vorschrift des § 34 Abs. 1 EStG selbst ist unverändert – sie wirkt nur nicht mehr im Abzugsverfahren, sondern erst in der Einkommensteuerveranlagung.

Praktisch heißt das: Auf der Abrechnung, mit der die Abfindung ausgezahlt wird, steht die höhere reguläre Lohnsteuer. Die Differenz – im Beispiel dieser Seite 271 € – kommt frühestens mit dem Steuerbescheid für dasselbe Jahr zurück. Der Rechner oben bildet die Veranlagung ab, nicht die Abrechnung des Arbeitgebers.

Was der Rechner bewusst nicht enthält

Drei Dinge fehlen, und zwei davon würden das Ergebnis in beide Richtungen verschieben. Erstens Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer: Beide knüpfen an die festgesetzte Einkommensteuer an und folgen deshalb der Ermäßigung, statt sie zu verändern. Zweitens der Fall, dass das verbleibende zu versteuernde Einkommen negativ ist – dafür hält § 34 Abs. 1 Satz 3 EStG eine eigene Rechnung bereit, die das Modul ausdrücklich nicht abbildet. Drittens prüft der Rechner nicht, ob die Voraussetzungen des § 34 überhaupt vorliegen; er unterstellt, dass eine begünstigte Entschädigung nach § 24 Nr. 1 EStG gegeben ist.

Und die Abfindungshöhe selbst: Die 14.000 € aus dem Beispiel sind der Wert nach § 1a Abs. 2 KSchG. Ein Anspruch darauf besteht nur unter den engen Voraussetzungen des Absatzes 1. In allen übrigen Fällen – Aufhebungsvertrag, Vergleich, Sozialplan – ist die Höhe Verhandlungssache, und die Formel liefert nur einen Vergleichswert. Für die Steuerrechnung darunter macht das keinen Unterschied: Sie hängt allein davon ab, welcher Betrag in welchem Jahr zufließt und wie steil der Tarif an dieser Stelle steigt.

Häufige Fragen

Habe ich einen gesetzlichen Anspruch auf eine Abfindung?

Nur im Fall des § 1a KSchG: betriebsbedingte Kündigung mit Hinweis auf die Abfindung in der Kündigungserklärung und keine Kündigungsschutzklage innerhalb der Klagefrist. Sonst ist die Abfindung Verhandlungssache.

Wie hoch ist die Abfindung nach § 1a KSchG?

0,5 Monatsverdienste je Jahr des Arbeitsverhältnisses; ein Zeitraum von mehr als sechs Monaten wird auf ein volles Jahr aufgerundet (§ 1a Abs. 2 KSchG).

Ist die Abfindung steuerfrei?

Nein. Als Entschädigung kann sie aber nach der Fünftelregelung des § 34 Abs. 1 EStG ermäßigt besteuert werden. Im Beispiel dieser Seite spart das 271 €.

Bekomme ich Arbeitslosengeld, wenn ich eine Abfindung erhalte?

Die Abfindung selbst geht nicht in das Bemessungsentgelt ein (§ 151 Abs. 2 Nr. 1 SGB III). Der Anspruch kann aber ruhen – nach § 158 SGB III, wenn das Arbeitsverhältnis ohne Einhaltung der Kündigungsfrist endet, und nach § 159 SGB III bei einer Sperrzeit.

So wird die Abfindung berechnet

Wann es einen Anspruch gibt

Einen allgemeinen gesetzlichen Anspruch auf eine Abfindung gibt es nicht. § 1a KSchG regelt einen Sonderfall: Kündigt der Arbeitgeber wegen dringender betrieblicher Erfordernisse, weist er in der Kündigung darauf hin, dass die Kündigung darauf gestützt ist und der Arbeitnehmer bei Verstreichenlassen der Klagefrist die Abfindung beanspruchen kann, und erhebt der Arbeitnehmer bis zum Ablauf der Frist des § 4 Satz 1 KSchG keine Kündigungsschutzklage, dann besteht der Anspruch. In allen anderen Fällen – Aufhebungsvertrag, Vergleich vor dem Arbeitsgericht, Sozialplan – ist die Höhe Verhandlungssache; die Formel des § 1a dient dann oft als Vergleichswert.

Wie die Höhe berechnet wird

Nach § 1a Abs. 2 KSchG beträgt die Abfindung 0,5 Monatsverdienste für jedes Jahr des Arbeitsverhältnisses. Als Monatsverdienst gilt nach § 10 Abs. 3 KSchG, was dem Arbeitnehmer bei regelmäßiger Arbeitszeit im Monat der Beendigung an Geld und Sachbezügen zusteht. Ein Zeitraum von mehr als sechs Monaten wird auf ein volles Jahr aufgerundet.

Beispiel: 3.500 € Monatsverdienst, sieben Jahre und acht Monate. Die acht Monate zählen als volles Jahr, also 8 Jahre × 0,5 × 3.500 € = 14.000 €. Bei sieben Jahren und genau sechs Monaten blieben es 7 Jahre und 12.250 €.

Steuer: die Fünftelregelung

Eine Abfindung ist steuerpflichtig. Als Entschädigung im Sinne des § 24 Nr. 1 EStG gehört sie aber zu den außerordentlichen Einkünften (§ 34 Abs. 2 Nr. 2 EStG), für die § 34 Abs. 1 die Progression mildert: Die Steuer beträgt das Fünffache des Unterschieds zwischen der Steuer auf das übrige Einkommen und der Steuer auf das übrige Einkommen zuzüglich eines Fünftels der Abfindung.

Bei 40.000 € zu versteuerndem Einkommen ohne die Abfindung kosten die 14.000 € regulär 4.771 € Einkommensteuer, mit Fünftelregelung 4.500 € – 271 € weniger. Wer ohnehin im Spitzensteuersatz liegt, spart dagegen kaum etwas. Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer sind nicht eingerechnet.