Mit dem Überstunden-Rechner berechnen Sie Ihre Vergütung für geleistete Überstunden inklusive Zuschläge. Ermitteln Sie Ihren Stundenlohn aus dem Monatsgehalt und sehen Sie, was Ihnen für Nacht-, Sonntags- und Feiertagsarbeit zusteht.
So wird gerechnet
Einen gesetzlichen Anspruch auf Überstundenzuschläge gibt es nur für Nachtarbeit (§ 6 Abs. 5 ArbZG). Übliche tarifliche Zuschläge betragen 25% für Überstunden, 25% für Nachtarbeit, 50% für Sonntagsarbeit und 100% für Feiertagsarbeit. Pauschale Abgeltungsklauseln ohne Obergrenze sind laut BAG-Rechtsprechung unwirksam.
Stundenlohn = Monatsgehalt ÷ (Wochenstunden × 52 ÷ 12). Einen gesetzlichen Überstundenzuschlag gibt es nicht; ob und in welcher Höhe ein Zuschlag gezahlt wird, regeln Arbeitsvertrag, Tarifvertrag oder Betriebsvereinbarung. Für Nachtarbeit verlangt § 6 Abs. 5 ArbZG einen angemessenen Zuschlag oder bezahlten Ausgleich.
Hintergrund
Warum ein Überstunden-Monat mehr Lohnsteuer kostet, als am Jahresende wirklich fällig ist
Bei 3.500 € Grundgehalt und 60 in einem Monat abgerechneten Überstunden (25% Zuschlag) behält der Arbeitgeber 380,75 € zusätzliche Lohnsteuer ein – am Jahresende wären auf dieselbe Vergütung aber nur 353,00 € fällig. Die Differenz von 27,75 € ist kein Fehler, sondern die Kehrseite eines Verfahrens, das jeden Monat einzeln aufs Jahr hochrechnet. Der zweite, deutlich größere Unterschied steckt nicht im Zeitpunkt, sondern in der Einordnung des Zuschlags selbst: Derselbe Zuschlagsbetrag von 302,85 € kommt steuerpflichtig nur zu 52 % an – der Rest, 146,88 €, wäre unter § 3b EStG steuer- und beitragsfrei geblieben.
Grundlage: § 39b Abs. 2 EStG – Lohnsteuerabzug nach der Jahrestabelle · § 3b EStG – Steuerfreiheit von Sonntags-, Feiertags- und Nachtzuschlägen und 2 weitere · alle Quellen
Zwei Zahlen, die der Rechner oben nicht zeigt
Der Rechner oben beantwortet eine Frage: Wie viel brutto steht für die eingegebenen Überstunden zu? Für 20 Überstunden bei 3.500 € Grundgehalt und 25% Zuschlag zeigt er 504,75 €. Was er nicht zeigt, sind zwei Anschlussfragen, die für die Gehaltsabrechnung mehr ausmachen als der Zuschlagsatz selbst: Erstens, wie viel von diesem Betrag in genau diesem Monat netto ankommt – und zweitens, ob dieser Netto-Betrag am Jahresende, nach Abgabe einer Steuererklärung, überhaupt so bleibt. Beide Fragen beantwortet dieser Artikel mit denselben Modulen, die auch der Brutto-Netto-Rechner dieser Website verwendet.
Der erste Effekt: die Monatshochrechnung nach § 39b EStG
Der Lohnsteuerabzug, den der Arbeitgeber jeden Monat einbehält, wird nicht aus dem tatsächlichen Jahreseinkommen berechnet – das kennt der Arbeitgeber ja noch gar nicht –, sondern aus einer Hochrechnung: Das Bruttogehalt des laufenden Monats wird mit zwölf multipliziert, so behandelt, als würde genau dieser Betrag jeden Monat des Jahres anfallen, und die darauf entfallende Jahreslohnsteuer wird durch zwölf geteilt (§ 39b Abs. 2 EStG). In einem Monat mit normalem Gehalt ist das unproblematisch, weil die Annahme "jeden Monat gleich viel" ungefähr zutrifft. In einem Monat mit vielen bezahlten Überstunden trifft sie nicht zu: Der Fiskus rechnet für diesen einen Monat so, als würde man das ganze Jahr über 3.500 € plus Überstundenvergütung verdienen – und behält entsprechend mehr Lohnsteuer ein, als für eine einmalige Spitze angemessen wäre.
Konkret für 3.500 € Grundgehalt bei 60 Überstunden mit 25% Zuschlag (1.514,25 € Bruttovergütung, zusammen 5.014,25 € Bruttogehalt in diesem einen Monat statt der üblichen 3.500 €) ergibt sich dieser Unterschied zwischen dem, was der Arbeitgeber tatsächlich einbehält, und dem, was am Jahresende korrekt fällig wäre:
| Betrag | |
|---|---|
| Vom Arbeitgeber einbehaltene Mehr-Lohnsteuer im Überstundenmonat | 380,75 € |
| Bei einer Steuererklärung korrekt fällige Mehrsteuer auf dieselbe Vergütung | 353,00 € |
| Differenz – Erstattung erst nach der Steuererklärung | 27,75 € |
Die Zeile "korrekt fällige Mehrsteuer" ist keine feste Tabelle, sondern selbst gerechnet: Sie vergleicht die Jahreslohnsteuer auf ein Jahr aus elf Normalmonaten plus einem Überstundenmonat mit der Jahreslohnsteuer auf zwölf Normalmonate – also genau die Steuer, die anfiele, wenn das Finanzamt (wie bei einer Steuererklärung) das tatsächliche Jahreseinkommen zugrunde legt, statt den einen Monat auf zwölf hochzurechnen. Der Unterschied von 27,75 € ist damit kein verlorenes Geld, sondern ein zinsloser Vorschuss an das Finanzamt, der erst mit der Steuererklärung zurückkommt – bei Steuerklasse I ohne weitere Nebeneinkünfte in der Regel über eine freiwillige Antragsveranlagung (§ 46 Abs. 2 EStG), nicht automatisch.
Der Effekt wächst mit der Zahl der Überstunden
Bei 20 Überstunden im Monat ist der Vorschuss noch klein – er fällt kaum ins Gewicht. Er wächst aber überproportional mit der Zahl der Überstunden, weil eine größere einmalige Spitze die Hochrechnung stärker verzerrt:
| Überstunden | Vergütung (brutto) | Einbehalten | Korrekt fällig | Vorschuss |
|---|---|---|---|---|
| 20 Std. | 504,75 € | 120,17 € | 117,00 € | 3,17 € |
| 60 Std. | 1.514,25 € | 380,75 € | 353,00 € | 27,75 € |
| 100 Std. | 2.523,75 € | 676,92 € | 591,00 € | 85,92 € |
Bei 100 Überstunden im Monat – ein Extremfall, aber in Produktions- oder Pflegeberufen in Ausnahmemonaten keine Seltenheit – macht der Vorschuss bereits 85,92 € aus, gegenüber 3,17 € bei 20 Überstunden. Der Netto-Anteil, der im selben Monat tatsächlich auf dem Konto landet, sinkt entsprechend: von 54,44 % bei 20 Überstunden auf 52,36 % bei 100 Überstunden – während der bei korrekter Jahresveranlagung eigentlich zustehende Anteil in beiden Fällen bei rund 55 % liegt. Zum Vergleich: Vom normalen Grundgehalt ohne Überstunden bleiben 66,66 % netto übrig – mehr als von der Überstundenvergütung im selben Monat, obwohl beides mit demselben Steuersatz beginnt.
Der zweite, größere Effekt: steuerfreier oder steuerpflichtiger Zuschlag
Der oben beschriebene Zeiteffekt betrifft die gesamte Überstundenvergütung – Grundlohn und Zuschlag zusammen. Er ist real, aber im Vergleich zu einem zweiten Effekt klein: ob der Zuschlagsanteil selbst steuerpflichtig ist oder nicht. Wie der Ratgeber oben bereits einordnet, ist der reine Überstundenzuschlag steuerpflichtig; steuerfrei nach § 3b EStG sind nur Zuschläge für tatsächlich geleistete Sonntags-, Feiertags- und Nachtarbeit. Was das in Euro bedeutet, zeigt derselbe 60-Stunden-Fall: Von den 1.514,25 € Gesamtvergütung entfallen 1.211,40 € auf den Grundlohn und 302,85 € auf den 25%-Zuschlag.
| Betrag | |
|---|---|
| Zuschlagsbetrag (brutto), z. B. gewöhnlicher Überstundenzuschlag | 302,85 € |
| Netto-Ankunft, wenn steuer- und beitragspflichtig behandelt (Regelfall bei reinem Überstundenzuschlag) | 155,97 € |
| Netto-Ankunft, wenn steuer- und beitragsfrei nach § 3b EStG (nur bei Nacht-/Sonn-/Feiertagsarbeit) | 302,85 € |
| Unterschied zwischen beiden Fällen | 146,88 € |
Der Unterschied von 146,88 € entspricht 48 % des Zuschlagsbetrags selbst – mehr als der komplette oben beschriebene Zeiteffekt für die gesamte Vergütung (27,75 €) zusammen ausmacht. Ob ein Zuschlag unter § 3b EStG fällt, hängt nicht vom Namen auf der Lohnabrechnung ab, sondern von der tatsächlich geleisteten Arbeit: Ein "Überstundenzuschlag" für Mehrarbeit am helllichten Tag ist steuerpflichtig, derselbe Zuschlagsatz für nachts, sonntags oder an Feiertagen geleistete Stunden kann steuerfrei sein – begrenzt auf die in § 3b EStG genannten Prozentsätze des Grundlohns (z. B. 25 % für Nachtarbeit, 50 % für Sonntagsarbeit, 125 % für gesetzliche Feiertage), wie im Ratgeber oben dargestellt.
Was in der Praxis daraus folgt
Für die Gehaltsabrechnung eines einzelnen Überstundenmonats ergeben sich daraus zwei getrennte, aber verstärkende Effekte: Die gesamte Überstundenvergütung wird im Abrechnungsmonat höher besteuert, als sie es bei korrekter Jahresbetrachtung müsste – dieser Teil kommt über eine Steuererklärung zurück, kostet also nur Liquidität, kein Geld. Der Zuschlagsanteil dagegen bleibt endgültig geringer, wenn er nicht unter § 3b EStG fällt – dieser Teil kommt über keine Steuererklärung zurück, weil es schlicht keinen Anspruch auf Steuerfreiheit für gewöhnliche Mehrarbeit gibt. Wer regelmäßig Nacht-, Sonntags- oder Feiertagsstunden leistet, für die der Arbeitgeber pauschal "Überstundenzuschlag" statt der korrekten, steuerfrei möglichen Bezeichnung abrechnet, verschenkt damit unter Umständen dauerhaft Nettogehalt – nicht nur vorübergehend wie beim ersten Effekt.
Annahmen und Grenzen dieser Rechnung
Alle Beträge oben gelten für Steuerklasse I, Bundesland Nordrhein-Westfalen, kinderlos, ohne Kirchensteuer und mit dem durchschnittlichen Zusatzbeitragssatz der Krankenkasse – dieselben Annahmen, mit denen auch der Brutto-Netto-Rechner dieser Website ohne eigene Eingabe rechnet. Eine andere Steuerklasse oder Kirchensteuerpflicht verschiebt die absoluten Beträge, kehrt aber weder die Richtung des Zeiteffekts noch die des § 3b-Unterschieds um. Nicht abgebildet sind individuelle Freibeträge nach § 39a EStG, die einen Teil des Zeiteffekts bereits unterjährig ausgleichen können, sowie die Frage, ob im Einzelfall überhaupt eine Pflicht- oder Antragsveranlagung vorliegt – das regelt § 46 EStG abhängig von der gesamten steuerlichen Situation, nicht allein vom Überstundenmonat.