Mit dem Kurzarbeitergeld-Rechner berechnen Sie die Höhe Ihres Kurzarbeitergeldes bei reduzierter Arbeitszeit. Erfahren Sie, wie viel Geld Sie bei teilweisem oder vollständigem Arbeitsausfall erhalten.
So wird gerechnet
Kurzarbeitergeld beträgt 60 % der Nettoentgeltdifferenz, mit Kind 67 % (§ 105 SGB III). Die Nettoentgeltdifferenz ist der Abstand zwischen dem pauschalierten Nettoentgelt aus dem Soll-Entgelt und dem aus dem Ist-Entgelt (§ 106 SGB III) – nicht ein fester Anteil des Bruttolohns. Der Arbeitgeber zeigt die Kurzarbeit bei der Agentur für Arbeit an. Der Arbeitsausfall ist nur erheblich, wenn im Kalendermonat mindestens ein Drittel der Beschäftigten von einem Entgeltausfall von jeweils mehr als 10 % betroffen ist (§ 96 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 SGB III).
Berechnung nach §§ 105, 106 und 153 SGB III. Rechtsstand 2026.
Hintergrund
Halber Arbeitsausfall bedeutet nicht halben Nettoverlust
Bei 3.500 Euro Soll-Entgelt und 50 Prozent Arbeitsausfall verliert ein Beschäftigter in Steuerklasse I 17,22 % seines Nettos – nicht die naiv erwarteten 20,00 %. Bei 6.000 Euro sind es sogar nur 17,35 %. Der Grund liegt nicht im Kurzarbeitergeld selbst, sondern in der Nettoentgeltdifferenz, auf die es angewendet wird.
Grundlage: § 105 SGB III – Höhe des Kurzarbeitergelds · § 106 SGB III – Nettoentgeltdifferenz und 1 weitere · alle Quellen
60 oder 67 Prozent wovon – das ist der entscheidende Unterschied
§ 105 SGB III legt den Leistungssatz mit 60 % (mit Kind 67 %) fest – aber nicht als Anteil des ausgefallenen Bruttolohns, sondern als Anteil der Nettoentgeltdifferenz nach § 106 SGB III. Diese Nettoentgeltdifferenz ist selbst schon das Ergebnis einer Rechnung: Aus dem Soll-Entgelt (Brutto ohne Ausfall) und dem Ist-Entgelt (tatsächliches Brutto) wird je ein pauschaliertes Nettoentgelt gebildet – abzüglich einer Sozialversicherungspauschale von 20 Prozent, der tabellarischen Lohnsteuer und des Solidaritätszuschlags (§ 153 SGB III, über § 106 Abs. 1 Satz 6 SGB III entsprechend anwendbar). Erst die Differenz dieser beiden pauschalierten Nettobeträge wird mit 60 % multipliziert.
Der Unterschied ist mehr als juristische Feinheit: Weil die Lohnsteuer progressiv ist, ist diese Nettoentgeltdifferenz bei einem hälftigen Arbeitsausfall nicht gleich der Hälfte des Soll-Nettoentgelts. Sie ist kleiner. Und das verändert am Ende, wie viel Netto Sie bei Teil-Kurzarbeit tatsächlich behalten.
Warum die Differenz kleiner ist als die halbierte Nettosumme
Wer bei 50 Prozent Ausfall die Hälfte seines Bruttos behält, behält davon überproportional mehr als die Hälfte seines Nettos. Der Grund: Die behaltene Bruttohälfte ist die untere Hälfte des Einkommens – die Hälfte, die zuerst durch Grundfreibetrag und niedrige Steuersätze läuft. Die wegfallende Hälfte ist die obere, stärker besteuerte Hälfte. Das pauschalierte Ist-Netto fällt deshalb nicht auf die Hälfte des Soll-Nettos, sondern bleibt darüber.
| Soll-Entgelt | Soll-Netto | Ist-Netto (50 % Ausfall) | Nettoentgeltdifferenz | Differenz als Anteil vom Soll-Netto |
|---|---|---|---|---|
| 3.500 € | 2.388,42 € | 1.359,92 € | 1.028,50 € | 43,06 % (naiv erwartet: 50 %) |
| 6.000 € | 3.712,58 € | 2.102,00 € | 1.610,58 € | 43,38 % (naiv erwartet: 50 %) |
Die Folge: weniger Nettoverlust als die Milchmädchenrechnung erwartet
Weil die Nettoentgeltdifferenz kleiner ist als die halbierte Nettosumme, fällt auch das Kurzarbeitergeld absolut kleiner aus als die naive Rechnung "50 Prozent Ausfall mal 40 % Minderung" nahelegt – aber das schlägt auf der Gesamtrechnung ins Gegenteil um: Weil das behaltene Ist-Netto überproportional hoch ist, ist der Gesamtverlust am Ende trotzdem kleiner als naiv erwartet.
| Soll-Entgelt | Kurzarbeitergeld | Gesamtnetto | Verlust ggü. Soll-Netto | Naive Erwartung |
|---|---|---|---|---|
| 3.500 € | 617,10 € | 1.977,02 € | 411,40 € (17,22 %) | 20,00 % |
| 6.000 € | 966,35 € | 3.068,35 € | 644,23 € (17,35 %) | 20,00 % |
Bei 3.500 € Soll-Entgelt bleiben so 66,28 € mehr im Monat übrig als die naive Erwartung vorhersagt, bei 6.000 € sind es 98,29 € mehr. Das ist kein Bonus der Agentur für Arbeit, sondern schlicht die Kehrseite der progressiven Lohnsteuer, die schon vor der Kurzarbeit galt.
Der Effekt hängt vom Einkommen ab – und ist im oberen Mittelstand am größten
Der Abstand zur naiven Erwartung ist nicht bei jedem Einkommen gleich groß. Er ist bei niedrigem Einkommen klein (der Grundfreibetrag lässt wenig Progression zum Ausnutzen), wächst zur Mitte hin und schrumpft bei sehr hohen Einkommen wieder, weil der Einkommensteuertarif ab dem Spitzensteuersatz kaum noch progressiv verläuft.
| Soll-Entgelt | Tatsächlicher Verlust | Abweichung von 20,00 % |
|---|---|---|
| 1.600 € | 19,62 % | 0,38 Prozentpunkte |
| 2.500 € | 17,71 % | 2,29 Prozentpunkte |
| 3.500 € | 17,22 % | 2,78 Prozentpunkte |
| 6.000 € | 17,35 % | 2,65 Prozentpunkte |
| 9.000 € | 16,04 % | 3,96 Prozentpunkte |
| 12.000 € | 14,92 % | 5,08 Prozentpunkte |
| 20.000 € | 16,12 % | 3,88 Prozentpunkte |
| 30.000 € | 17,03 % | 2,97 Prozentpunkte |
Die größte gemessene Abweichung liegt bei 12.000 € Soll-Entgelt (5,08 Prozentpunkte) – weder am unteren noch am oberen Rand dieser Reihe.
Nur bei vollständigem Ausfall stimmt die naive Rechnung exakt
Der Progressionseffekt entsteht ausschließlich, weil bei Teil-Kurzarbeit ein Ist-Entgelt übrig bleibt, das ungleich zum Soll-Entgelt besteuert wird. Fällt die Arbeit vollständig aus, ist das Ist-Entgelt in jeder Rechnung null – dann verschwindet der Unterschied, und der Verlust entspricht wieder exakt 40 % des Soll-Nettos.
| Arbeitsausfall | Tatsächlicher Verlust | Naive Erwartung | Abweichung |
|---|---|---|---|
| 10 % | 3,25 % | 4,00 % | 0,75 Prozentpunkte |
| 25 % | 8,52 % | 10,00 % | 1,48 Prozentpunkte |
| 50 % | 17,22 % | 20,00 % | 2,78 Prozentpunkte |
| 75 % | 28,21 % | 30,00 % | 1,79 Prozentpunkte |
| 90 % | 35,44 % | 36,00 % | 0,56 Prozentpunkte |
| 100 % | 40,00 % | 40,00 % | −0,00 Prozentpunkte |
Wie empfindlich das ist: das historische Beispiel aus dem Rechenmodul
Wie sensibel diese Rechnung auf eine korrekte, nicht-lineare Nettopauschalierung reagiert, zeigt die eigene Versionsgeschichte des Rechenmoduls hinter diesem Rechner. Bis zum 11. August 2026 stand darin eine feste Tabelle von Nettoanteilen je Steuerklasse – eine Vereinfachung, die das pauschalierte Netto zu einem festen Prozentsatz des Bruttos machte und die Nettoentgeltdifferenz damit fälschlich linear zum Arbeitsausfall werden ließ. Für 3.500 € Soll-Entgelt, Steuerklasse I und hälftigen Ausfall ergab das ein Kurzarbeitergeld von 732,90 € – deutlich zu viel.
| Rechenweg | Kurzarbeitergeld |
|---|---|
| Alte, lineare Tabelle (bis 11.08.2026, fehlerhaft) | 732,90 € |
| Korrekte Pauschalierung, ohne die Rundung von Soll- und Ist-Entgelt | 620,90 € |
| Tatsächliche Ausgabe des Rechners oben (mit gesetzlicher Rundung nach § 106 Abs. 1 Satz 5 SGB III) | 617,10 € |
Die zweite Zeile zeigt den reinen Effekt der progressiven Nettopauschalierung, ohne die zusätzliche gesetzliche Rundung von Soll- und Ist-Entgelt auf durch 20 teilbare Euro-Beträge. Die dritte Zeile ist die Zahl, die der Rechner oben tatsächlich ausgibt – sie berücksichtigt zusätzlich diese Rundung und weicht deshalb noch einmal um wenige Euro ab. Beide liegen weit unter dem fehlerhaften alten Wert, aber sie sind nicht identisch, und keine der beiden lässt sich aus der anderen durch einfaches Runden herleiten.
Was diese Rechnung nicht zeigt
Alle Beispiele dieses Artikels gehen von Steuerklasse I ohne Kind aus. Andere Steuerklassen verschieben die genauen Prozentwerte, ändern aber nichts am Mechanismus: Er entsteht aus der Progression der Lohnsteuer, nicht aus der Steuerklasse selbst. Nicht abgebildet sind außerdem Entgelt für Mehrarbeit und Einmalzahlungen (§ 106 Abs. 1 Sätze 2 und 4 SGB III) sowie Nebeneinkommen (§ 106 Abs. 3 SGB III) – wer solche Bestandteile hat, muss sie vorab selbst herausrechnen. Verbindlich ist in jedem Fall der Bescheid der Agentur für Arbeit.