Geld & Gehalt

Mit dem Arbeitslosengeld-Rechner berechnen Sie Ihre Ansprüche auf ALG I nach SGB III. Ermitteln Sie Ihren voraussichtlichen Zahlbetrag und die Bezugsdauer basierend auf Ihrem bisherigen Einkommen.

Arbeitslosengeld (ALG 1) pro Monat
— €

So wird gerechnet

Das Arbeitslosengeld beträgt 60 % des pauschalierten Nettoentgelts, mit Kind 67 % (§ 149 SGB III). Dieses Leistungsentgelt ergibt sich nach § 153 SGB III aus dem beitragspflichtigen Bruttoentgelt abzüglich einer Sozialversicherungspauschale von 20 %, der Lohnsteuer und des Solidaritätszuschlags – es ist also nicht Ihr tatsächliches Netto. Die Anspruchsdauer richtet sich nach Versicherungszeit und Lebensalter und liegt zwischen 6 und 24 Monaten (§ 147 Abs. 2 SGB III).

Berechnung nach §§ 149, 151, 153 und 154 SGB III. Rechtsstand 2026.

Hintergrund

Warum die 60-Prozent-Regel nur bis 5.812,50 Euro brutto stimmt

Bei einem Bruttogehalt von 3.000 Euro liegt das Arbeitslosengeld bei 60,5 % des tatsächlichen Nettogehalts – nah an der bekannten Faustregel. Ab 5.812,50 € brutto beginnt dieser Anteil zu sinken, und ab 8.450 € brutto steht das Arbeitslosengeld ganz still: Bei 15.000 Euro brutto beträgt es exakt denselben Betrag wie bei 8.450 € – 2.797,83 € im Monat, nur noch 33,1 % des echten Nettos.

Von Matthias Dührkop · Stand

Grundlage: § 149 SGB III – Höhe des Arbeitslosengeldes · § 151 SGB III – Bemessungsentgelt und 3 weitere · alle Quellen

Was der Rechner oben wirklich vergleicht

Der Arbeitslosengeld-Rechner oben zeigt, wie sich Ihr Bruttogehalt über das Bemessungsentgelt (§ 151 SGB III) und das Leistungsentgelt (§ 153 SGB III) in einen Auszahlbetrag übersetzt. Der zweite Schritt ist entscheidend für diesen Artikel: Vom Bemessungsentgelt zieht das Gesetz eine feste Sozialversicherungspauschale von 20 Prozent, die tabellarische Lohnsteuer und den Solidaritätszuschlag ab – unabhängig davon, wie hoch Ihre wirklichen Abzüge sind. Das Ergebnis heißt pauschaliertes Nettoentgelt, und davon sind 60 oder 67 Prozent das Arbeitslosengeld.

Wie nah dieses pauschalierte Nettoentgelt am tatsächlichen Nettogehalt liegt, zeigt der Rechner oben nicht – er kennt Ihr wirkliches Netto gar nicht. Für diesen Artikel wird es deshalb zusätzlich berechnet, mit demselben Lohnsteuer- und Sozialversicherungsmodul, das auch der Brutto-Netto-Rechner dieser Seite verwendet: Steuerklasse I, kinderlos, Nordrhein-Westfalen, ohne Kirchensteuer. Andere Steuerklassen verschieben die genauen Prozentwerte etwas – die beiden Knicke, um die es hier geht, bleiben davon unberührt, weil sie auf der Arbeitslosengeld-Seite der Rechnung entstehen, nicht auf der Netto-Seite.

Bis 5.812,50 € brutto: die Faustregel trifft fast genau

Bei kleinen und mittleren Einkommen liegt das Arbeitslosengeld erstaunlich nah an 60 Prozent des echten Nettos – nicht, weil das Gesetz das so vorschreibt, sondern weil die feste 20-Prozent-Pauschale in diesem Bereich zufällig ungefähr dem entspricht, was ein lediger, kinderloser Angestellte tatsächlich an Sozialabgaben zahlt.

Arbeitslosengeld als Anteil am echten Nettogehalt, niedrige und mittlere Einkommen
Brutto/MonatArbeitslosengeldechtes NettoAnteil
2.000 € 892,95 € 1.476,83 € 60,5 %
3.000 € 1.243,92 € 2.054,42 € 60,5 %
4.000 € 1.578,97 € 2.605,50 € 60,6 %
5.000 € 1.898,09 € 3.130,08 € 60,6 %
5.812,50 € 2.145,65 € 3.536,87 € 60,7 %

Der letzte Wert der Tabelle, 5.812,50 €, ist keine runde Zahl – es ist die Beitragsbemessungsgrenze der Kranken- und Pflegeversicherung für 2026, und genau dort liegt der höchste gemessene Anteil dieses Artikels: 60,7 %.

Bis hierhin steigt der Anteil sogar leicht an, von 60,5 % bei 2.000 € auf 60,7 % an der Kranken- und Pflegeversicherungsgrenze. Das ist der Punkt, an dem sich die Rechnung dreht.

Der erste Knick: eine Beitragsbemessungsgrenze, die das Arbeitslosengeld gar nicht kennt

Oberhalb von 5.812,50 € brutto steigen die echten Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge nicht mehr – diese Beitragsbemessungsgrenze deckelt sie. Ihr tatsächliches Nettogehalt wächst von da an also schneller als vorher, weil ein wachsender Teil jedes zusätzlichen Euro nur noch der Lohnsteuer unterliegt, nicht mehr zusätzlich der Sozialversicherung. Die 20-Prozent-Pauschale des § 153 SGB III kennt diese Grenze nicht: Sie zieht weiter pauschal 20 Prozent vom Bemessungsentgelt ab, obwohl die realen Abzüge prozentual sinken. Das pauschalierte Nettoentgelt fällt deshalb ab hier gegenüber dem echten Netto zurück – und mit ihm der Anteil, den das Arbeitslosengeld davon ausmacht.

Anteil des Arbeitslosengelds am echten Netto, von der ersten bis zur zweiten Beitragsbemessungsgrenze
Brutto/MonatAnteil am echten Netto
5.812,50 € 60,7 %
6.000,00 € 60,3 %
7.000,00 € 58,8 %
8.000,00 € 57,7 %
8.450,00 € 57,2 %

Die Selbstprüfung im Quellcode dieses Artikels rechnet diesen Abschnitt in 50-Euro-Schritten durch: Zwischen 5.812,50 € und 8.450 € brutto sinkt der Anteil durchgehend, ohne zwischenzeitlichen Wiederanstieg. Von 60,7 % am Höchststand fällt er auf 57,2 % an der nächsten Grenze.

Der zweite Knick: Ab 8.450 € brutto steht das Arbeitslosengeld still

8.450 € im Monat ist die Beitragsbemessungsgrenze der Renten- und Arbeitslosenversicherung 2026. Anders als bei der ersten Grenze endet hier nicht nur ein Beitrag – hier endet die Bemessungsgrundlage für das Arbeitslosengeld selbst. § 151 Abs. 1 SGB III legt nur beitragspflichtiges Entgelt zugrunde, und oberhalb dieser Grenze ist gar kein Entgelt mehr beitragspflichtig. Das Bemessungsentgelt bleibt deshalb ab hier konstant, und alles, was danach kommt – Leistungsentgelt, Leistungssatz, Arbeitslosengeld – rechnet ab diesem Punkt jedes Mal mit derselben Zahl.

Arbeitslosengeld oberhalb der Beitragsbemessungsgrenze der Arbeitslosenversicherung
Brutto/MonatArbeitslosengeldechtes NettoAnteil
8.450 € 2.797,83 € 4.890,44 € 57,2 %
9.000 € 2.797,83 € 5.181,95 € 54,0 %
10.000 € 2.797,83 € 5.711,97 € 49,0 %
12.000 € 2.797,83 € 6.792,46 € 41,2 %
15.000 € 2.797,83 € 8.463,16 € 33,1 %

Wer 8.450 € brutto verdient und wer 15.000 Euro brutto verdient, erhält nach dieser Rechnung exakt denselben Betrag: 2.797,83 € im Monat. Das echte Nettogehalt liegt bei 15.000 Euro brutto dagegen bei 8.463,16 € statt 4.890,44 € an der Grenze – das Arbeitslosengeld deckt also nur noch 33,1 % des tatsächlichen Nettos ab, gegenüber 57,2 % unmittelbar an der Beitragsbemessungsgrenze. Jeder Euro Gehalt oberhalb von 8.450 € erhöht im Ernstfall die Absicherung um genau null Cent.

Zwei Grenzen, ein Effekt – aber unterschiedliche Ursachen

Wichtig ist der Unterschied zwischen den beiden Knicken. Die Kranken- und Pflegeversicherungsgrenze bei 5.812,50 € wirkt nur indirekt: Sie verändert das echte Nettogehalt, mit dem hier verglichen wird, während die 20-Prozent-Pauschale des Arbeitslosengelds unverändert bleibt. Die Renten- und Arbeitslosenversicherungsgrenze bei 8.450 € wirkt dagegen direkt auf das Arbeitslosengeld selbst, weil sie das Bemessungsentgelt kappt. Der erste Effekt ist ein allmähliches Abbröckeln, der zweite ein harter Deckel. Beide zusammen führen dazu, dass die 60-Prozent-Faustregel für die meisten Angestellten mit Durchschnittsgehalt eine brauchbare Näherung ist – und für gut verdienende Angestellte eine, die immer weiter danebenliegt.

Mit Kind gilt statt 60 Prozent der erhöhte Leistungssatz von 67 Prozent (§ 149 Nr. 1 SGB III). Die beiden Knicke verschieben sich dadurch nicht: Sie hängen am Bemessungsentgelt, nicht am Leistungssatz, und liegen deshalb bei denselben Bruttobeträgen.

Was diese Rechnung nicht zeigt

Der Vergleichswert „echtes Netto" ist selbst eine Modellrechnung – mit einer angenommenen Steuerklasse, einem angenommenen Bundesland und ohne Kirchensteuer. Wer kirchensteuerpflichtig ist oder in einem Bundesland mit abweichender Pflegeversicherungs-Tragung wohnt (das betrifft nur Sachsen), bekommt ein etwas anderes echtes Netto und damit eine etwas andere Quote – die beiden hier gezeigten Knicke bei 5.812,50 € und 8.450 € brutto verschieben sich dadurch nicht, weil sie unabhängig von der Steuerklasse an denselben Bruttobeträgen liegen. Nicht eingerechnet sind außerdem die fiktive Bemessung nach § 152 SGB III, Abfindungen, die das Bemessungsentgelt nach § 151 Abs. 2 SGB III nicht erhöhen, sowie Sperrzeiten und das Ruhen des Anspruchs. Maßgeblich bleibt in jedem Fall der Bescheid der Agentur für Arbeit.

Häufige Fragen

Wie lange bekomme ich Arbeitslosengeld?

Die Dauer richtet sich nach § 147 Abs. 2 SGB III: 12 Monate Versicherungszeit ergeben 6 Monate Anspruch, 24 Monate ergeben 12 Monate. Längere Ansprüche setzen zusätzlich ein Mindestalter voraus – 15 Monate ab 30 Versicherungsmonaten und dem vollendeten 50. Lebensjahr, 18 Monate ab 36 Monaten und dem 55. Lebensjahr, 24 Monate ab 48 Monaten und dem 58. Lebensjahr. Die vollständige Tabelle steht weiter unten.

Wann habe ich Anspruch auf ALG I?

Sie müssen arbeitslos sein, sich persönlich arbeitslos gemeldet und die Anwartschaftszeit erfüllt haben (§ 137 Abs. 1 SGB III). Die Anwartschaftszeit setzt nach § 142 Abs. 1 SGB III mindestens zwölf Monate Versicherungspflichtverhältnis innerhalb der Rahmenfrist von 30 Monaten voraus. Für überwiegend kurz befristet Beschäftigte gibt es die kurze Anwartschaftszeit nach § 142 Abs. 2 SGB III.

Was ist das Bemessungsentgelt?

Nach § 151 Abs. 1 SGB III ist es das durchschnittlich auf den Kalendertag entfallende beitragspflichtige Arbeitsentgelt im Bemessungszeitraum. Beitragspflichtig bedeutet, dass Entgelt oberhalb der Beitragsbemessungsgrenze außer Betracht bleibt. Abfindungen und Entgelte, die wegen der Beendigung des Arbeitsverhältnisses gezahlt werden, zählen nach § 151 Abs. 2 SGB III nicht mit.

Warum ist das Arbeitslosengeld nicht 60 Prozent meines Nettos?

Weil das Gesetz nicht auf Ihr tatsächliches Netto abstellt, sondern auf das pauschalierte Nettoentgelt nach § 153 SGB III. Dort wird eine Sozialversicherungspauschale von genau 20 Prozent abgezogen – unabhängig von Ihren wirklichen Beiträgen – und die Kirchensteuer bleibt außer Betracht. Je nachdem, wie Ihre tatsächlichen Abzüge davon abweichen, liegt das Ergebnis über oder unter 60 Prozent Ihres echten Nettos.

Wird Arbeitslosengeld auf das Grundsicherungsgeld angerechnet?

Ja. Arbeitslosengeld ist Einkommen im Sinne des § 11 SGB II und wird auf das Grundsicherungsgeld nach § 19 SGB II angerechnet. Deckt es den Bedarf nicht, sind aufstockende Leistungen möglich.

Kann ich arbeiten, während ich Arbeitslosengeld beziehe?

Ja, aber nur weniger als 15 Stunden in der Woche – sonst gelten Sie nach § 138 Abs. 3 SGB III nicht mehr als arbeitslos. Vom Nebeneinkommen bleibt nach § 155 Abs. 1 SGB III ein Freibetrag von 165 Euro im Monat anrechnungsfrei; was darüber liegt, wird auf das Arbeitslosengeld angerechnet.

So funktioniert Arbeitslosengeld (ALG I)

Arbeitslosengeld (ALG I) ist eine Versicherungsleistung für Personen, die arbeitslos geworden sind und die Anspruchsvoraussetzungen erfüllen. Es ersetzt teilweise das bisherige Arbeitseinkommen und soll Übergangszahlungen während der Jobsuche leisten.

So wird gerechnet (§§ 149, 151, 153 SGB III)

Das Arbeitslosengeld bemisst sich nicht am letzten Netto der Gehaltsabrechnung, sondern am pauschalierten Nettoentgelt. Der Weg dorthin hat drei Schritte:

  • Bemessungsentgelt (§ 151 SGB III): das durchschnittlich auf den Kalendertag entfallende beitragspflichtige Bruttoentgelt im Bemessungszeitraum. Beitragspflichtig heißt: Entgelt oberhalb der Beitragsbemessungsgrenze von 8.450 Euro im Monat bleibt außer Betracht.
  • Leistungsentgelt (§ 153 SGB III): davon abgezogen werden eine Sozialversicherungspauschale von 20 %, die Lohnsteuer nach Ihrer Steuerklasse und der Solidaritätszuschlag.
  • Leistungssatz (§ 149 SGB III): 67 % für Arbeitslose mit mindestens einem Kind im Sinne des § 32 Abs. 1, 3 bis 5 EStG, sonst 60 %.

Gezahlt wird für Kalendertage; ein voller Kalendermonat zählt dabei 30 Tage (§ 154 SGB III). Das pauschalierte Nettoentgelt weicht bewusst vom tatsächlichen Netto ab: Die Sozialversicherungspauschale ist ein fester Prozentsatz, und die Kirchensteuer bleibt außer Betracht.

Dauer des Anspruchs (§ 147 Abs. 2 SGB III)

Die Dauer richtet sich nach der Versicherungszeit innerhalb der um 30 Monate erweiterten Rahmenfrist und nach dem bei Entstehung des Anspruchs vollendeten Lebensalter. Die längeren Stufen setzen beides voraus:

Versicherungspflichtverhältnisse von mindestensnach Vollendung desAnspruchsdauer
12 Monaten–6 Monate
16 Monaten–8 Monate
20 Monaten–10 Monate
24 Monaten–12 Monate
30 Monaten50. Lebensjahres15 Monate
36 Monaten55. Lebensjahres18 Monate
48 Monaten58. Lebensjahres24 Monate

Bei kurzer Anwartschaftszeit nach § 142 Abs. 2 SGB III gilt unabhängig vom Lebensalter eine eigene Staffel: 6 Monate ergeben 3 Monate, 8 Monate ergeben 4 Monate, 10 Monate ergeben 5 Monate.

Was dieser Rechner nicht abbildet

Nicht berücksichtigt sind die fiktive Bemessung nach § 152 SGB III (wenn sich kein Bemessungszeitraum von mindestens 150 Tagen feststellen lässt), das Ruhen des Anspruchs bei einer Entlassungsentschädigung (§ 158 SGB III) oder einer Sperrzeit (§ 159 SGB III) sowie die Anrechnung von Nebeneinkommen (§ 155 SGB III). Verbindlich ist der Bescheid der Agentur für Arbeit.

Wichtig: Arbeitslosengeld ist eine Versicherungsleistung und etwas anderes als das Grundsicherungsgeld nach dem SGB II. Es setzt eine Versicherungszeit voraus und wird zeitlich begrenzt gezahlt. Läuft der Anspruch aus, kann bei Bedürftigkeit Grundsicherungsgeld folgen.

Tipp: Melden Sie sich frühzeitig arbeitsuchend – spätestens drei Monate vor dem Ende des Arbeitsverhältnisses, und innerhalb von drei Tagen, wenn Sie später davon erfahren (§ 38 Abs. 1 SGB III). Arbeitslosengeld wird zudem erst ab dem Tag der persönlichen Arbeitslosmeldung gezahlt (§ 137 Abs. 1 Nr. 2 SGB III).