Die Gewerbesteuer ist eine kommunale Steuer auf gewerbliche Einkünfte, deren Höhe maßgeblich vom Hebesatz der jeweiligen Gemeinde abhängt. Einzelunternehmen und Personengesellschaften profitieren von einem Freibetrag von 24.500 €, während Kapitalgesellschaften (GmbH, AG) ab dem ersten Euro Gewerbeertrag steuerpflichtig sind. Dieser Rechner berechnet Ihre Gewerbesteuer in drei Schritten – Messbetrag, Hebesatz-Multiplikation und mögliche Anrechnung auf die Einkommensteuer – und zeigt die effektive Steuerbelastung Ihres Gewerbebetriebs.
So wird gerechnet
Die Gewerbesteuer wird in drei Schritten berechnet: Im ersten Schritt wird der Gewerbeertrag ermittelt – das ist der Gewinn aus Gewerbebetrieb, korrigiert um Hinzurechnungen (§ 8 GewStG, z. B. 25 % der Finanzierungsanteile über 200.000 € Freibetrag) und Kürzungen (§ 9 GewStG, z. B. 1,2 % des Einheitswerts des Betriebsgrundstücks). Im zweiten Schritt wird nach Abzug des Freibetrags (24.500 € für Einzelunternehmen und Personengesellschaften, entfällt bei Kapitalgesellschaften) der Steuermessbetrag berechnet: steuerpflichtiger Ertrag × 3,5 % Steuermesszahl. Im dritten Schritt multipliziert die Gemeinde den Messbetrag mit ihrem individuellen Hebesatz – dieser beginnt bei 200 % (Mindesthebesatz nach § 16 Abs. 4 Satz 2 GewStG) und reicht in großen Städten über 500 %. Einzelunternehmer und Personengesellschafter können gemäß § 35 EStG das 4,0-Fache des Gewerbesteuermessbetrags auf ihre Einkommensteuer anrechnen, was bei Hebesätzen bis etwa 400 % zu einer weitgehenden Neutralisierung der Gewerbesteuer führt.
Rechtsgrundlage: Gewerbesteuergesetz (GewStG). Der Freibetrag ergibt sich aus § 11 Abs. 1 Nr. 1 GewStG, die Abrundung des Gewerbeertrags auf volle 100 € und die Steuermesszahl von 3,5 % aus § 11 Abs. 1 und 2 GewStG, der Hebesatz aus § 16 GewStG (Mindesthebesatz 200 %). Die Anrechnung auf die Einkommensteuer ist in § 35 EStG geregelt (Anrechnungsfaktor 4,0 seit 2020, bis 2019: 3,8); sie ist nach § 35 Abs. 1 Satz 5 EStG auf die tatsächlich zu zahlende Gewerbesteuer begrenzt.
Hintergrund
24.500 € Freibetrag, 85,75 € Ersparnis
Der Freibetrag nach § 11 GewStG senkt die Gewerbesteuer im Rechner oben um 3.515,75 €. Beim Einzelunternehmer kommt davon fast nichts an: Er senkt den Messbetrag – und damit auch die Anrechnung nach § 35 EStG, die vom Messbetrag abhängt. Übrig bleiben 85,75 €. Unterhalb von 400 % Hebesatz ist der Freibetrag rechnerisch gar nichts wert.
Grundlage: § 11 GewStG – Steuermesszahl und Steuermessbetrag · § 16 GewStG – Hebesatz und 2 weitere · alle Quellen
Was der Rechner ausweist
In der Voreinstellung oben stehen 100.000 € Gewerbeertrag, ein Hebesatz von 410 % und die Rechtsform Einzelunternehmen. Der Rechner zieht den Freibetrag von 24.500 € ab, multipliziert die verbleibenden 75.500 € mit der Steuermesszahl von 3,5 % und kommt auf einen Messbetrag von 2.642,50 €. Diesen Messbetrag nimmt die Gemeinde mit ihrem Hebesatz mal: 2.642,50 € × 410 % = 10.834,25 €.
Zwei Größen werden hier gern verwechselt. Die Steuermesszahl ist ein Anteil des Ertrags – 3,5 %, bundesweit gleich nach § 11 Abs. 2 GewStG. Der Hebesatz ist ein Prozentsatz des Messbetrags, den jede Gemeinde selbst beschließt; er liegt nach § 16 Abs. 4 Satz 2 GewStG bei mindestens 200 % und reicht nach oben weit über 500 % hinaus. 410 % bedeuten das 4,1-Fache des Messbetrags, nicht 4,1 % vom Gewinn.
Dieselbe Eingabe als Körperschaft gerechnet ergibt 14.350,00 €: Die GmbH bekommt keinen Freibetrag, ihr Messbetrag beträgt volle 3.500,00 €. Die Differenz von 3.515,75 € ist das, was der Freibetrag an Gewerbesteuer spart. Damit ist die Rechnung für die GmbH zu Ende – für den Einzelunternehmer fängt sie hier erst an.
Die Anrechnung hängt am Messbetrag, nicht an der Steuer
§ 35 Abs. 1 Satz 1 EStG ermäßigt die Einkommensteuer um das 4,0-Fache des Gewerbesteuer-Messbetrags. Bemessungsgrundlage ist also nicht die gezahlte Gewerbesteuer, sondern der Messbetrag – die Zahl, die vor dem Hebesatz steht. Aus 2.642,50 € Messbetrag werden 4,0 × 2.642,50 € = 10.570,00 € Anrechnungsvolumen.
Dazu kommt eine zweite Grenze: § 35 Abs. 1 Satz 5 EStG beschränkt den Abzug auf die tatsächlich zu zahlende Gewerbesteuer. Bei 410 % beträgt die Steuer 10.834,25 €, angerechnet werden 10.570,00 € – hier greift die Grenze nicht, weil die Steuer höher ist als das Anrechnungsvolumen. Übrig bleiben 264,25 €. Gemessen am Gewerbeertrag sind das 0,26 % statt der 10,83 %, die der Rechner als effektiven Steuersatz ausgibt.
Aus beiden Regeln zusammen folgt eine einfache Formel. Angerechnet wird der kleinere der beiden Beträge, und beide sind Vielfache desselben Messbetrags: das 4,0-Fache einerseits, das Hebesatz-Fache andererseits. Was nach Anrechnung bleibt, ist deshalb der Messbetrag mal dem Überhang des Hebesatzes über 400 %. Unterhalb dieser Schwelle ist der Rest null, oberhalb wächst er linear mit jedem Prozentpunkt.
Der Freibetrag senkt beide Seiten gleichzeitig
Der Freibetrag mindert den Gewerbeertrag um 24.500 € und damit den Messbetrag um 24.500 € × 3,5 % = 857,50 €. Er senkt also die Gewerbesteuer – und im selben Zug das Anrechnungsvolumen, denn das hängt am selben Messbetrag. Die Steuer sinkt um 857,50 € × 410 % = 3.515,75 €, die mögliche Anrechnung um 4,0 × 857,50 € = 3.430,00 €.
Netto bleibt vom Freibetrag deshalb nur der Teil übrig, der auf den Hebesatz-Überhang entfällt: 857,50 € × (4,1 − 4,0) = 85,75 €. Das ist rund ein 41stel der 3.515,75 €, die der Rechner als Steuerdifferenz zwischen Einzelunternehmen und Körperschaft ausweist.
Bemerkenswert daran ist, dass dieser Betrag nicht vom Gewinn abhängt. Ob der Gewerbeertrag 30.000 € oder 2.000.000 € beträgt: Solange er über dem Freibetrag liegt, verschiebt der Freibetrag den Messbetrag immer um dieselben 857,50 €, und nach Anrechnung bleiben immer dieselben 85,75 €. Der Freibetrag wirkt als Freibetrag, nicht als Freigrenze – ein Euro mehr Ertrag löst keinen Sprung aus, sondern kostet nur seinen eigenen Anteil.
Was vom Hebesatz abhängt – und was nicht
Die Tabelle rechnet den voreingestellten Fall über die Bandbreite der Hebesätze durch: 100.000 € Gewerbeertrag, Einzelunternehmen, Freibetrag abgezogen.
| Hebesatz | Gewerbesteuer | Anrechnung § 35 | bleibt | davon Freibetrag |
|---|---|---|---|---|
| 200 % | 5.285,00 € | 5.285,00 € | 0,00 € | 0,00 € |
| 300 % | 7.927,50 € | 7.927,50 € | 0,00 € | 0,00 € |
| 350 % | 9.248,75 € | 9.248,75 € | 0,00 € | 0,00 € |
| 400 % | 10.570,00 € | 10.570,00 € | 0,00 € | 0,00 € |
| 410 % | 10.834,25 € | 10.570,00 € | 264,25 € | 85,75 € |
| 490 % | 12.948,25 € | 10.570,00 € | 2.378,25 € | 771,75 € |
| 600 % | 15.855,00 € | 10.570,00 € | 5.285,00 € | 1.715,00 € |
| 900 % | 23.782,50 € | 10.570,00 € | 13.212,50 € | 4.287,50 € |
Die erste Spalte steigt gleichmäßig, die vierte nicht. Bis 400 % steht dort null, obwohl die Gewerbesteuer von 5.285,00 € auf 10.570,00 € wächst. Erst darüber beginnt die Belastung, und dann voll: Jeder Prozentpunkt Hebesatz schlägt mit einem Hundertstel des Messbetrags durch, also mit 26,43 €.
Das dreht die übliche Standortlogik um. Zwei Umzüge über jeweils 50 Prozentpunkte sehen im Rechner identisch aus: Von 400 % auf 350 % sinkt die Gewerbesteuer um 1.321,25 €, von 500 % auf 450 % um genau denselben Betrag. Nach Anrechnung bleibt vom ersten Umzug 0,00 € und vom zweiten 1.321,25 €. Für den Einzelunternehmer sind Hebesatzunterschiede unterhalb von 400 % eine Frage der Zahlungsströme, nicht der Belastung: Die Gewerbesteuer ist an die Gemeinde fällig, die Entlastung kommt später über die Einkommensteuerveranlagung zurück.
Für die GmbH gilt beides nicht
Kapitalgesellschaften haben keinen Freibetrag – § 11 Abs. 1 Satz 3 Nr. 1 GewStG nennt ausdrücklich nur natürliche Personen und Personengesellschaften. Und sie haben keine Anrechnung: § 35 EStG ermäßigt die Einkommensteuer, die eine GmbH nicht zahlt. Im voreingestellten Fall bleibt es deshalb bei 14.350,00 €, während beim Einzelunternehmer 264,25 € übrig bleiben.
Daraus folgt eine Umkehrung, die dem Namen des Freibetrags widerspricht: Für die Körperschaft, die ihn nicht bekommt, wäre er die vollen 3.515,75 € wert, weil bei ihr keine Anrechnung gegenzurechnen ist. Für den Einzelunternehmer, dem er zusteht, sind es 85,75 €. Der Vergleich der beiden Rechtsformen lässt sich mit diesen Zahlen allerdings nicht abschließen – dazu gehören Körperschaftsteuer, Solidaritätszuschlag und die Besteuerung der Ausschüttung, die dieser Rechner nicht abbildet.
Wo diese Rechnung endet
Drei Einschränkungen gehören dazu. Erstens kennt § 35 Abs. 1 EStG neben der Kappung auf die gezahlte Gewerbesteuer einen Ermäßigungshöchstbetrag: Angerechnet wird höchstens der Teil der Einkommensteuer, der anteilig auf die gewerblichen Einkünfte entfällt. Die Zahlen oben unterstellen, dass dieser Anteil das Anrechnungsvolumen deckt. Fällt er kleiner aus – etwa bei geringem zu versteuerndem Einkommen oder hohen Verlusten aus anderen Quellen –, verfällt der Rest; einen Vortrag auf spätere Jahre sieht die Vorschrift nicht vor.
Zweitens ist der Gewerbeertrag nicht der Gewinn. § 7 GewStG geht vom Gewinn aus Gewerbebetrieb aus, § 8 GewStG rechnet Finanzierungsanteile hinzu, § 9 GewStG kürzt unter anderem um Grundbesitz. Zusätzlich ist der Gewerbeertrag nach § 11 Abs. 1 Satz 3 GewStG auf volle 100 € nach unten abzurunden, bevor der Freibetrag abgezogen wird – bei 100.000 € ändert das nichts, bei krummen Beträgen um bis zu 99 €.
Drittens ist die Gewerbesteuer selbst seit 2008 keine Betriebsausgabe mehr; § 4 Abs. 5b EStG schließt den Abzug aus. Genau deshalb ist die Anrechnung nach § 35 EStG für natürliche Personen der einzige Weg, auf dem die Gewerbesteuer noch entlastet wird – und deshalb entscheidet der Abstand des Hebesatzes zu 400 % darüber, was sie am Ende kostet. Dieser Text ordnet Rechenwege ein und ist keine steuerliche Beratung.