Der Tilgungsplan ist das zentrale Planungsinstrument jeder Immobilienfinanzierung. Er zeigt für jedes Jahr transparent, wie hoch die Rate ist, welcher Teil davon auf Zinsen und welcher auf die Tilgung entfällt und wie viel Restschuld am Jahresende verbleibt. Bei einem Annuitätendarlehen – der häufigsten Darlehensform – bleibt die monatliche Rate konstant, während der Tilgungsanteil mit jeder Zahlung steigt.
So funktioniert die Annuität
Ein Darlehen über 300.000 € mit 3,5 % Sollzins und 2 % Anfangstilgung ergibt eine monatliche Rate von 1.375 € (5,5 % der Darlehenssumme pro Jahr ÷ 12). Im ersten Monat entfallen davon 875 € auf Zinsen und nur 500 € auf die Tilgung. Weil die Zinsen stets auf die sinkende Restschuld berechnet werden, kehrt sich dieses Verhältnis im Zeitverlauf um: Der frei werdende Betrag fließt automatisch in eine höhere Tilgung, und die Rückzahlung beschleunigt sich Jahr für Jahr.
Beispiel-Tilgungsplan (300.000 €, 3,5 %, 2 % Tilgung)
Die Tabelle zeigt ausgewählte Jahre. Die Jahresrate beträgt konstant 16.500 € (12 × 1.375 €), doch der Zinsanteil sinkt kontinuierlich zugunsten der Tilgung:
| Jahr | Jahresrate | davon Zinsen | davon Tilgung | Restschuld am Jahresende |
| 1 | 16.500 € | 10.400 € | 6.100 € | 293.900 € |
| 5 | 16.500 € | 9.500 € | 7.000 € | 267.300 € |
| 10 | 16.500 € | 8.150 € | 8.350 € | 228.300 € |
| 15 | 16.500 € | 6.560 € | 9.940 € | 181.900 € |
Nach 15 Jahren ist erst rund ein Drittel des Darlehens getilgt – ein anschauliches Beispiel dafür, wie langsam eine Finanzierung mit nur 2 % Anfangstilgung anfangs abschmilzt.
Zinsbindung und Anschlussfinanzierung
Die meisten Baudarlehen in Deutschland laufen mit fester Zinsbindung von 10, 15 oder 20 Jahren. Am Ende dieser Frist verbleibt die aus dem Tilgungsplan ersichtliche Restschuld – im Beispiel nach 10 Jahren noch rund 228.000 €. Für diesen Betrag benötigen Sie eine Anschlussfinanzierung. Deren Zins ist heute unbekannt, weshalb die Höhe der Restschuld das zentrale Zinsänderungsrisiko darstellt. Beginnen Sie die Suche nach Konditionen 12 bis 24 Monate vor Ablauf.
Forward-Darlehen: Zinsen im Voraus sichern
Wer eine steigende Zinsentwicklung fürchtet, kann sich mit einem Forward-Darlehen die heutigen Konditionen für die künftige Anschlussfinanzierung sichern – je nach Anbieter bis zu 60 Monate im Voraus. Die Bank verlangt dafür einen kleinen Zinsaufschlag pro Wartemonat. Das Forward-Darlehen ist damit eine Art Zinsversicherung: Steigen die Zinsen stärker als der Aufschlag, sparen Sie; bleiben sie niedrig, war es eine Prämie für Planungssicherheit.
Sondertilgungen als Turbo
Die meisten Verträge räumen kostenfreie Sondertilgungsrechte von 5 % der Darlehenssumme pro Jahr ein. Eine jährliche Sondertilgung von 5.000 € auf das 300.000-€-Darlehen spart rund 25.000 € Gesamtzinsen und verkürzt die Laufzeit um etwa fünf Jahre. Der Effekt ist so stark, weil jede Sondertilgung genau dort wirkt, wo der Zinsanteil am höchsten ist. Bei einem Sollzins von 3,5 % entspricht eine Sondertilgung zudem einer risikofreien Rendite von 3,5 % – am Kapitalmarkt nur mit deutlich höherem Risiko erreichbar. Denken Sie außerdem an das Sonderkündigungsrecht nach § 489 BGB: Zehn Jahre nach Vollauszahlung können Sie jedes Darlehen mit sechs Monaten Frist kündigen.