Mit dem Steuernachzahlung-Rechner schätzen Sie, ob Sie mit einer Nachzahlung oder einer Erstattung rechnen können – so können Sie rechtzeitig Rücklagen bilden.
So wird gerechnet
Der Rechner stellt zwei Größen gegenüber: die Lohnsteuer, die Ihr Arbeitgeber über das Jahr einbehalten hat, und die Einkommensteuer, die Sie tatsächlich schulden. Die Differenz ist die Nachzahlung oder Erstattung. Verbindlich rechnet erst das Finanzamt.
Einbehalt nach § 39b Abs. 2 EStG, Jahressteuer nach § 32a EStG (Grund- oder Splittingtarif), Solidaritätszuschlag nach SolzG 1995, Beitragssätze 2026. Die Vorsorgeaufwendungen werden mit der Vorsorgepauschale angesetzt; die Veranlagung rechnet sie nach § 10 EStG, davon kann das Ergebnis abweichen. Kinder mit Günstigerprüfung nach § 31 EStG, Entlastungsbetrag nach § 24b Abs. 2 EStG, zulässige Steuerklassen nach § 38b EStG. Beim einbehaltenen Solidaritätszuschlag sind die Kinderfreibeträge nach § 3 Abs. 2a SolzG mit der Zahl 0,5 je Kind in den Klassen I und II und 1 je Kind in III und IV angesetzt. Kirchensteuer und Progressionsvorbehalt sind nicht abgebildet. Abgabefristen und Zinsen nach §§ 149, 152, 233a und 238 AO sowie Art. 97 § 36 EGAO, Wortlaut abgerufen am 16.09.2026.
Hintergrund
Warum 1.000 € Werbungskosten im Feld oben gar nichts bewirken
Das Eingabefeld "Werbungskosten" auf dieser Seite steht standardmäßig auf 1.000 € – ein Betrag, der am Ergebnis exakt nichts ändert. Der Grund ist der Arbeitnehmer-Pauschbetrag von 1.230 €: Er wird ohnehin abgezogen, ganz gleich, ob echte Kosten darunter eingetragen werden oder gar keine.
Grundlage: § 9a EStG – Pauschbeträge für Werbungskosten · § 10c EStG – Sonderausgaben-Pauschbetrag und 2 weitere · alle Quellen
Der Pauschbetrag schluckt jeden kleineren Betrag
Der Rechner oben zieht für Werbungskosten nicht einfach den eingetragenen
Betrag ab. Er vergleicht ihn mit dem Arbeitnehmer-Pauschbetrag nach
§ 9a Satz 1 Nr. 1 Buchst. a EStG und nimmt den größeren von beiden – im
Quellcode steht das als Math.max(werbungskosten, 1230).
Das ist exakt die gesetzliche Logik: Der Pauschbetrag gilt ohne Nachweis,
tatsächliche Kosten zählen erst, sobald sie ihn übersteigen. Für eine
Beispielperson mit 45.000 € Jahresbrutto in Steuerklasse I ergibt das
diese Reihe:
| Eingetragene Werbungskosten | Geschuldete Jahressteuer | Differenz |
|---|---|---|
| 0 € wirkt wie 0 € | 5.570 € | 0 € |
| 500 € wirkt wie 0 € | 5.570 € | 0 € |
| 1.000 € wirkt wie 0 € | 5.570 € | 0 € |
| 1.230 € wirkt wie 0 € | 5.570 € | 0 € |
| 1.500 € | 5.489 € | +81 € |
| 2.000 € | 5.341 € | +229 € |
| 3.000 € | 5.048 € | +522 € |
45.000 € Jahresbrutto, Steuerklasse I, keine Kinder, keine Zusammenveranlagung. Die ersten vier Zeilen führen zur selben Jahressteuer von 5.570 € – 0 € und 1.230 € unterscheiden sich um keinen Cent.
Erst ab Beträgen über dem Pauschbetrag bewegt sich etwas: Bei 2.000 € Werbungskosten sinkt die Jahressteuer auf 5.341 €, bei 3.000 € auf 5.048 €. Wer weniger als 1.230 € an Fahrtkosten, Arbeitsmitteln oder Fortbildung nachweisen kann, hätte sich das Eintragen sparen können – das Finanzamt hätte ohnehin den Pauschbetrag angesetzt.
Woran das in der Praxis hängt: die Pendlerstrecke
Am konkretesten wird das bei der Entfernungspauschale. Sie beträgt 0,38 € je Entfernungskilometer ab dem ersten Kilometer (§ 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 4a EStG) und ist bei den meisten Arbeitnehmern der größte Einzelposten unter den Werbungskosten. Für dieselbe Beispielperson mit 220 Arbeitstagen im Jahr:
| Einfache Strecke | Entfernungspauschale im Jahr | Differenz |
|---|---|---|
| 8 kmunter dem Pauschbetrag | 668,80 € | 0 € |
| 25 kmüber dem Pauschbetrag | 2.090,00 € | +255 € |
Gleiche Beispielperson wie oben, 220 Arbeitstage, 0,38 € je Entfernungskilometer, keine weiteren Werbungskosten.
Bei 8 Kilometern einfacher Strecke summiert sich die Entfernungspauschale auf 668,80 € im Jahr – weniger als der Pauschbetrag, also ohne jede Wirkung auf die Steuer. Bei 25 Kilometern sind es 2.090,00 €, und die Differenz zur Jahressteuer verschiebt sich um 255 € in Richtung Erstattung. Zwischen beiden Fällen liegt keine andere Berechnung, nur eine andere Distanz zur Arbeit.
Warum die einbehaltene Lohnsteuer davon unberührt bleibt
Auffällig an der ersten Tabelle: Die einbehaltene Lohnsteuer ändert sich über alle sieben Zeilen hinweg nicht – sie bleibt bei 5.570 €. Das liegt daran, dass der Arbeitgeber beim laufenden Lohnsteuerabzug nach § 39b Abs. 2 Satz 5 Nr. 1 EStG immer mit dem Pauschbetrag rechnet – er kennt die tatsächlichen Werbungskosten gar nicht, sie tauchen erstmals in der Steuererklärung auf. Jede Differenz oberhalb des Pauschbetrags kommt deshalb erst mit dem Steuerbescheid als Erstattung zurück, nie über das laufende Jahr.
Derselbe Effekt, kleinerer Schwellenwert: Sonderausgaben
Denselben Mechanismus gibt es beim Sonderausgaben-Pauschbetrag nach § 10c EStG – nur liegt die Schwelle mit 36 € (bei Zusammenveranlagung 72 €) so niedrig, dass sie fast jeder reale Betrag übersteigt:
| Eingetragene Sonderausgaben | Differenz |
|---|---|
| 0 € wirkt wie 0 € | 0 € |
| 20 € wirkt wie 0 € | 0 € |
| 36 € wirkt wie 0 € | 0 € |
| 100 € | +19 € |
| 400 € | +108 € |
Gleiche Beispielperson, ohne Werbungskosten. "Sonderausgaben" meint hier ausdrücklich nicht die Vorsorgeaufwendungen (Kranken- und Pflegeversicherung) – die laufen im Rechner über die Vorsorgepauschale und haben ihre eigene, deutlich höhere Berücksichtigung.
Mit 36 € ist die Schwelle so niedrig, dass sie praktisch nur bei Eintragung von 0 € überhaupt greift. Schon eine kleinere Spende oder ein paar Euro Kirchensteuer-Zahllast reichen, um darüber zu liegen. Das Feld "Sonderausgaben" in diesem Rechner lohnt sich deshalb fast immer auszufüllen – anders als das Feld "Werbungskosten", bei dem sich das erst ab vierstelligen Beträgen lohnt.
Was das für die eigene Eingabe bedeutet
Für die Praxis heißt das: Wer im Werbungskosten-Feld einen Betrag unterhalb von 1.230 € einträgt – etwa, weil er nur einen Teil seiner Kosten kennt oder vorsichtshalber niedrig ansetzt – bekommt exakt dasselbe Ergebnis wie mit einer 0 im Feld. Das ist keine Ungenauigkeit des Rechners, sondern korrekt abgebildetes Recht: Das Finanzamt macht es beim echten Steuerbescheid genauso. Erst wer die eigenen Fahrtkosten, Arbeitsmittel und Fortbildungen zusammenrechnet und über dem Pauschbetrag landet, sollte den vollen, genauen Betrag eintragen – jeder Euro darüber wirkt sich unmittelbar auf die geschätzte Erstattung aus.
Wer die eigene Pendelstrecke oder die Homeoffice-Tage noch nicht zusammengerechnet hat, findet die Entfernungspauschale und weitere Abzugsposten im Abschnitt "Wichtige Freibeträge und Pauschalen" weiter unten auf dieser Seite. Für den Vergleich der vier Steuerklassenkombinationen eines Paares lohnt sich zusätzlich der Steuerklassen-Vergleich.
Die hier gerechneten Beispiele nutzen dieselbe Vorsorgepauschale wie der Rechner oben, nicht die tatsächlichen Vorsorgeaufwendungen der Veranlagung nach § 10 EStG. Kinderfreibeträge und Progressionsvorbehalt sind nicht abgebildet. Der Artikel ersetzt keine Steuerberatung.