Die Kirchensteuer wird nicht auf Ihr Bruttoeinkommen erhoben, sondern als Zuschlag auf die festgesetzte Lohnsteuer. Der Satz beträgt 8 % in Baden-Württemberg und Bayern und 9 % in allen übrigen Bundesländern. Geben Sie deshalb Ihre Lohnsteuer ein – sie steht auf jeder Lohnabrechnung und im Steuerbescheid. So ist das Ergebnis exakt und keine Schätzung.
Sie kennen Ihre Lohnsteuer nicht? Der Brutto-Netto-Rechner ermittelt sie aus Ihrem Bruttogehalt.
So wird gerechnet
Die Berechnung hat nur einen Schritt: Kirchensteuer = festgesetzte Lohnsteuer × 8 % oder 9 %. Maßgeblich ist das Bundesland Ihres Wohnsitzes, nicht das Ihres Arbeitgebers. Für Kirchenmitglieder ist der Satz unabhängig davon, ob sie evangelisch oder katholisch sind. Bei hohen Einkommen kann die Kappungsregelung greifen: Die Kirchensteuer wird dann nicht mehr an der Steuer, sondern am zu versteuernden Einkommen bemessen und auf 2,75 % bis 4 % davon begrenzt. Wie hoch der Kappungssatz ausfällt, entscheidet Ihre Landeskirche oder Diözese – er unterscheidet sich innerhalb desselben Bundeslandes zwischen evangelisch und katholisch und in Baden-Württemberg zusätzlich zwischen Baden und Württemberg. In Bayern gibt es keine Kappung. Dieser Rechner wendet sie nicht an, weil ihm das zu versteuernde Einkommen nicht bekannt ist. Zusätzlich fällt Kirchensteuer auf Kapitalerträge an (§ 51a Abs. 2c EStG); die Bank behält sie automatisch ein, sofern kein Sperrvermerk beim Bundeszentralamt für Steuern vorliegt.
Rechtsgrundlage: § 51a EStG regelt die Kirchensteuer als Zuschlag zur Einkommensteuer. Die Sätze legen die Kirchensteuergesetze der Länder und die Kirchensteuerbeschlüsse der Landeskirchen und (Erz-)Bistümer fest – für Bayern Art. 8 BayKirchStG. Die Kirchensteuer ist nach § 10 Abs. 1 Nr. 4 EStG als Sonderausgabe voll abziehbar. Sätze geprüft am 10.08.2026.
Hintergrund
In Württemberg lohnt sich die Kappung ab rund 146.000 € zu versteuerndem Einkommen – bei vielen katholischen Bistümern greift derselbe Mechanismus praktisch nie
Der Rechner oben wendet die Kappung absichtlich nicht an – er kennt nur Ihre Lohnsteuer, nicht Ihr zu versteuerndes Einkommen, an dem sich die Kappung bemisst. Nachgerechnet mit den beiden im Rechner-Modul dokumentierten Kappungssätzen zeigt sich: Bei 2,75 % (evangelische Landeskirche Württemberg) beginnt der Vorteil bereits bei rund 146.000 € zu versteuerndem Einkommen. Bei 4 % (katholische Bistümer in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland) liegt dieselbe Grenze erst bei über 3.500.000 € – für praktisch niemanden erreichbar.
Grundlage: § 51a EStG – Bemessung der Kirchensteuer als Zuschlagsteuer · § 32a EStG – Einkommensteuertarif und 1 weitere · alle Quellen
Warum der Rechner oben die Kappung nicht rechnet
Die Grundformel ist einfach: Kirchensteuer = festgesetzte Lohn- oder Einkommensteuer × 8 % oder 9 %. Die Kappung ersetzt diese Formel bei hohen Einkommen durch eine andere Bemessungsgrundlage: Statt an der Steuer wird die Kirchensteuer dann an einem Prozentsatz des zu versteuernden Einkommens (zvE) gedeckelt – laut Modul zwischen 2,75 % und 4 %, je nachdem, welche Landeskirche oder Diözese zuständig ist. Der Rechner oben fragt nur nach der Lohnsteuer, nicht nach dem zvE – er kann die Kappung deshalb gar nicht anwenden, selbst wenn er wollte. Das ist keine Lücke, sondern eine bewusste Grenze: Ohne zvE-Eingabe lässt sich die Kappung nicht seriös berechnen, und der konkrete Satz steht ohnehin nicht im Bundesland, sondern in der Kirchensteuerordnung der einzelnen Landeskirche oder Diözese.
Zwei Kurven, eine Kreuzung
Damit die Kappung überhaupt einen Vorteil bringt, müssen zwei unterschiedlich geformte Kurven sich kreuzen. Die Kirchensteuer ohne Kappung wächst mit der Steuerprogression: Sie ist der Kirchensteuersatz mal die tarifliche Einkommensteuer, und die Einkommensteuer nach § 32a EStG steigt mit dem zvE zunehmend schneller, bis sie ab 277.825 € zvE konstant mit 45 % Grenzsteuersatz weiterläuft. Die gekappte Kirchensteuer dagegen ist schlicht ein fester Prozentsatz des zvE – eine Gerade. Eine konvex wachsende Kurve und eine Gerade kreuzen sich höchstens einmal, und genau dann, wenn die Kirchensteuerkurve am Ende steiler verläuft als die Gerade. Das ist nur der Fall, wenn Kirchensteuersatz mal Spitzensteuersatz größer ist als der Kappungssatz selbst:
| Kombination | Kirchensteuersatz × 45 % | Kappungssatz | Kreuzung existiert? |
|---|---|---|---|
| Baden-Württemberg (8 %) × 2,75 % | 3,6 % | 2,75 % | Ja, bei rund 146.000 € zvE |
| Nordrhein-Westfalen (9 %) × 4 % | 4,05 % | 4 % | Ja, aber erst über 3.500.000 € zvE |
Im zweiten Fall liegt 4,05 % nur ganz knapp über 4 % – die Kurve überholt die Gerade zwar rechnerisch, aber erst so spät, dass die Kreuzung weit außerhalb jedes realistischen Einkommens liegt.
Württemberg: der Vorteil beginnt im sechsstelligen Bereich
Bei einem Kappungssatz von 2,75 % – dem Wert, den das Rechner-Modul der evangelischen Landeskirche Württemberg zuordnet – liegt die Kreuzung bei rund 146.000 € zu versteuerndem Einkommen. Darunter kostet die Kappung mehr, als die Grundformel ohnehin verlangt; darüber lohnt sich der Antrag zunehmend:
| Zu versteuerndes Einkommen | Kirchensteuer ohne Kappung | Kirchensteuer gekappt | Differenz |
|---|---|---|---|
| 100.000 € | 2.469,12 € | 2.750,00 € | 280,88 € teurer |
| 120.000 € | 3.141,12 € | 3.300,00 € | 158,88 € teurer |
| 150.000 € | 4.149,12 € | 4.125,00 € | 24,12 € gespart |
| 200.000 € | 5.829,12 € | 5.500,00 € | 329,12 € gespart |
| 300.000 € | 9.242,32 € | 8.250,00 € | 992,32 € gespart |
Bei 100.000 € zvE kostet die Kappung noch mehr, als es die Grundformel verlangt – hier würde niemand den Antrag stellen. Bei 300.000 € zvE spart die Kappung bereits 992,32 € im Jahr gegenüber der reinen 8 %-Rechnung.
NRW, Rheinland-Pfalz, Saarland: derselbe Mechanismus, praktisch ohne Wirkung
Bei 4 % Kappungssatz – dem Wert, den das Modul mehreren katholischen Bistümern in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland zuordnet, alle mit 9 % Kirchensteuersatz – verschiebt sich dieselbe Rechnung um Größenordnungen. Selbst bei 1.000.000 € zu versteuerndem Einkommen im Jahr würde ein Antrag auf Kappung noch immer 1.252,39 € mehr kosten als die einfache Formel:
| Zu versteuerndes Einkommen | Kirchensteuer ohne Kappung | Kirchensteuer gekappt | Kappung wäre teurer um |
|---|---|---|---|
| 300.000 € | 10.397,61 € | 12.000,00 € | 1.602,39 € |
| 1.000.000 € | 38.747,61 € | 40.000,00 € | 1.252,39 € |
Rechnerisch kreuzen sich beide Kurven auch hier irgendwann – nach der Selbstprüfung dieses Artikels erst deutlich jenseits von 3.500.000 € zu versteuerndem Einkommen im Jahr. Für die weit überwiegende Mehrheit der Kirchenmitglieder in diesen Bistümern ist die Kappung damit kein Instrument, das je zum Tragen kommt, selbst wenn ihre Landeskirche oder Diözese sie „von Amts wegen" prüfen würde.
Was das für die eigene Anfrage bedeutet
Beide Rechnungen hier sind Beispiele für die beiden im Rechner-Modul dokumentierten Randwerte – nicht für jede Landeskirche und jedes Bistum. Der tatsächliche Kappungssatz Ihrer Kirchensteuerordnung kann irgendwo zwischen 2,75 % und 4 % liegen, und nur Ihre Landeskirche oder Diözese kennt den für Sie geltenden Wert. Die Rechenregel bleibt aber dieselbe: Je niedriger der Kappungssatz Ihrer Kirche, desto niedriger das zu versteuernde Einkommen, ab dem sich ein Antrag lohnt – und je näher der Kappungssatz an 4,05 % heranreicht (Kirchensteuersatz 9 % mal Spitzensteuersatz 45 %), desto unwahrscheinlicher wird ein Vorteil überhaupt.
Alle Zahlen hier gelten für die Grundtabelle (Einzelveranlagung) ohne Kinderfreibeträge, Werbungskosten oder sonstige Abzüge und verwenden das zu versteuernde Einkommen als Bemessungsgrundlage – der Rechner oben fragt dagegen nach der bereits festgesetzten Lohnsteuer, die bei Angestellten ohne weitere Einkünfte näherungsweise derselben Größe entspricht. Nicht behandelt ist hier die Kirchensteuer auf Kapitalerträge: Dort mindert die gezahlte Kirchensteuer die Bemessungsgrundlage der Abgeltungsteuer selbst (§ 32d Abs. 1 Satz 3 EStG), was eine eigene, andere Rechnung ergibt – dazu im Detail „Warum die Abgeltungsteuer nie 25 Prozent beträgt" .