Mit dem Abgeltungsteuer-Rechner berechnen Sie die Steuer auf Ihre Kapitalerträge nach Abzug des Freibetrags. So sehen Sie sofort, wie viel von Ihren Zinsen, Dividenden und Kursgewinnen nach Steuern übrig bleibt.
So wird gerechnet
25 Prozent nach § 32d Abs. 1 Satz 1 EStG, dazu 5,5 Prozent Solidaritätszuschlag. Wer kirchensteuerpflichtig ist, zahlt NICHT 25 Prozent plus Kirchensteuer obendrauf: § 32d Abs. 1 Satz 3 EStG ermäßigt die Kapitalertragsteuer um ein Viertel der Kirchensteuer, sodass sie auf 24,45 Prozent sinkt (bei 9 Prozent Kirchensteuer). Der Sparer-Pauschbetrag nach § 20 Abs. 9 EStG beträgt 1.000 Euro, bei Zusammenveranlagung 2.000 Euro.
Berechnet nach § 32d Abs. 1 EStG – Satz 1 für den Regelfall, die Sätze 3 bis 5 bei Kirchensteuerpflicht. Solidaritätszuschlag nach § 4 SolzG 1995; die Freigrenze des § 3 Abs. 3 SolzG gilt hier nach dessen Satz 2 nicht. Sparer-Pauschbetrag nach § 20 Abs. 9 EStG. Kirchensteuersätze nach Angaben des Bundeszentralamts für Steuern: 8 Prozent in Bayern und Baden-Württemberg, 9 Prozent in den übrigen Ländern. Anrechenbare ausländische Quellensteuer (die Größe q der gesetzlichen Formel) bildet der Rechner nicht ab.
Hintergrund
Warum niemand 25 Prozent zahlt
Die Abgeltungsteuer heißt „25 Prozent", und genau diesen Satz zahlt niemand. Wer keiner Kirche angehört, zahlt 26,375 %. Wer kirchensteuerpflichtig ist, zahlt 27,995 % – aber nicht 2,25 Prozentpunkte mehr, wie man erwarten würde, sondern 1,62. Und wer unter 24.039 € zu versteuerndes Einkommen hat, zahlt am besten gar keine Abgeltungsteuer.
Grundlage: § 32d EStG – Gesonderter Steuertarif für Einkünfte aus Kapitalvermögen · § 20 EStG – Kapitalvermögen, Sparer-Pauschbetrag in Absatz 9 und 6 weitere · alle Quellen
Drei Zahlen, drei Gesetze
Auf einem Kapitalertrag liegen bis zu drei Abgaben, und sie stammen aus drei verschiedenen Vorschriften. Die Kapitalertragsteuer von 25 % steht in § 32d Abs. 1 Satz 1 EStG. Der Solidaritätszuschlag von 5,5 % folgt aus § 4 SolzG und wird auf die Kapitalertragsteuer erhoben, nicht auf den Ertrag. Die Kirchensteuer schließlich trifft nur Mitglieder einer steuererhebenden Religionsgemeinschaft – und sie rechnet anders, als fast alle Quellen es darstellen.
Zusammengenommen ergibt das drei mögliche Belastungen des zu versteuernden Ertrags:
| Fall | Kapitalertragsteuer | Gesamtbelastung |
|---|---|---|
| ohne Kirchensteuer | 25,00 % | 26,375 % |
| mit 8 % Kirchensteuer | 24,51 % | 27,819 % |
| mit 9 % Kirchensteuer | 24,45 % | 27,995 % |
In der mittleren Spalte steht der eigentliche Fund: Die Kapitalertragsteuer beträgt bei Kirchensteuerpflicht keine 25 % mehr. Sie sinkt.
Die Kirchensteuer senkt die Steuer, auf der sie sitzt
§ 32d Abs. 1 Satz 3 EStG ist ein Satz, den man zweimal lesen muss: „Im Fall der Kirchensteuerpflicht ermäßigt sich die Steuer nach den Sätzen 1 und 2 um 25 Prozent der auf die Kapitalerträge entfallenden Kirchensteuer." Die Kirchensteuer mindert also die Bemessungsgrundlage ihrer eigenen Bemessungsgrundlage. Satz 4 löst die Zirkularität in eine Formel auf, in der e für den Kapitalertrag, q für anrechenbare ausländische Steuer und k für den Kirchensteuersatz steht: die Steuer beträgt (e − 4q) ÷ (4 + k).
Ohne ausländische Quellensteuer bleibt davon e ÷ (4 + k). Bei 9 % Kirchensteuer sind das 24,45 % statt 25 % – und weil Kirchensteuer und Solidaritätszuschlag beide auf dieser kleineren Zahl aufsetzen, schrumpfen sie mit.
Der Effekt ist größer, als der Gesetzestext vermuten lässt. Wer den Kirchensteuersatz naiv auf die vollen 25 % anwendet, erwartet einen Aufschlag von 2,25 Prozentpunkten. Tatsächlich sind es 1,62 – ein Unterschied von 0,63 Punkten. Bei 8 % Kirchensteuer stehen 1,44 Punkte gegen erwartete 2,00.
In Euro wird es anschaulicher. Bei 20.000 € zu versteuerndem Ertrag und 9 % Kirchensteuer weist die Abrechnung 440,10 € Kirchensteuer aus. Die gesamte Steuerlast steigt gegenüber einem konfessionslosen Anleger aber nur um 324,02 €. Von jedem Euro Kirchensteuer kommen also 74 Cent tatsächlich obendrauf; der Rest wird an anderer Stelle wieder abgezogen.
Der Satz hängt am Wohnort, nicht am Bekenntnis
Eine Behauptung, die sich hartnäckig hält – und die auch auf dieser Seite stand, bis sie im September 2026 korrigiert wurde –, lautet: Evangelische zahlen 8 %, Katholiken 9 %. Das ist falsch. Der Kirchensteuersatz richtet sich nach dem Bundesland des Wohnsitzes, und innerhalb eines Landes gilt er für beide großen Konfessionen gleichermaßen.
| Satz | Bundesländer | Anzahl |
|---|---|---|
| 8 % | Baden-Württemberg, Bayern | 2 |
| 9 % | Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein, Thüringen | 14 |
Der Unterschied ist klein, aber er ist echt: Bei 20.000 € zu versteuerndem Ertrag zahlt ein Kirchenmitglied in Bayern 5.563,73 €, in Nordrhein-Westfalen 5.599,02 € – eine Differenz von 35,29 €. Wer umzieht, ändert damit seinen Steuersatz auf Kapitalerträge, ohne etwas an seinem Depot zu tun.
Der Zuschlag, den fast niemand mehr zahlt – außer hier
Seit 2021 ist der Solidaritätszuschlag für die große Mehrheit abgeschafft. § 3 Abs. 3 Satz 1 SolzG setzt eine Freigrenze: Wer weniger als 20.350 € Einkommensteuer im Jahr zahlt, zahlt keinen Zuschlag; knapp darüber greift eine Milderungszone. Bei Kapitalerträgen gilt das nicht. Satz 2 desselben Absatzes ordnet ausdrücklich an, dass der Zuschlag auf die Steuer nach § 32d EStG „ungeachtet des Satzes 1" zu erheben ist.
Praktisch heißt das: Wer 1.200 € Zinsen bekommt und sonst so wenig verdient, dass er keinen Cent Solidaritätszuschlag zahlt, zahlt ihn auf diese Zinsen trotzdem. Die Bank behält ihn ein, bevor irgendjemand das Einkommen geprüft hat. Ob er ihn zurückbekommt, entscheidet sich erst in der Steuererklärung – und dort über einen anderen Weg.
Der Pauschbetrag senkt den Satz, nicht den Betrag
Die ersten 1.000 € Kapitalertrag bleiben nach § 20 Abs. 9 EStG steuerfrei, bei Zusammenveranlagung 2.000 €. Er ist damit 263,75 € Steuer wert, für ein Paar 527,50 €. Interessanter als dieser feste Betrag ist aber, wie langsam sein Vorteil sich verdünnt.
| Kapitalertrag | Steuer | bleibt | Belastung des Ertrags |
|---|---|---|---|
| 1.000 € | 0,00 € | 1.000,00 € | 0,0 % |
| 1.500 € | 131,88 € | 1.368,13 € | 8,8 % |
| 2.000 € | 263,75 € | 1.736,25 € | 13,2 % |
| 3.000 € | 527,50 € | 2.472,50 € | 17,6 % |
| 5.000 € | 1.055,00 € | 3.945,00 € | 21,1 % |
| 10.000 € | 2.373,75 € | 7.626,25 € | 23,7 % |
| 25.000 € | 6.330,00 € | 18.670,00 € | 25,3 % |
| 50.000 € | 12.923,75 € | 37.076,25 € | 25,8 % |
Die letzte Spalte ist der eigentliche Steuersatz – der, den man zahlt, nicht der, der im Gesetz steht. Er erreicht erst bei 2.000 € Ertrag die Hälfte des Grenzsatzes von 26,375 % und nähert sich ihm danach nur noch langsam: Bei 50.000 € liegt er bei 25,8 %.
Die im Gesetz stehenden 25 % sind dabei keine Obergrenze, sondern werden unterwegs überschritten – ab 19.175 € Ertrag liegt die tatsächliche Belastung darüber, weil der Solidaritätszuschlag mitläuft. Wer von „25 Prozent Abgeltungsteuer" spricht, nennt also eine Zahl, die für kleine Depots deutlich zu hoch und für große zu niedrig ist. Getroffen wird sie bei genau einem Ertrag.
Unter 24.039 € lohnt die Abgeltungsteuer nicht
Die Abgeltungsteuer ist ein Sondertarif, und Sondertarife sind nur dann ein Vorteil, wenn sie unter dem Regeltarif liegen. § 32d Abs. 6 EStG erlaubt deshalb die Günstigerprüfung: Wer es beantragt, bekommt seine Kapitalerträge in die normale Veranlagung gerechnet, wenn das billiger ist. Das Finanzamt prüft von selbst, sobald die Anlage KAP ausgefüllt ist.
Die Schwelle lässt sich ausrechnen. Entscheidend ist nicht der Durchschnitts-, sondern der Grenzsteuersatz: Was kostet der nächste Euro Kapitalertrag im Einkommensteuertarif? Solange das weniger ist als 26,375 %, ist die Veranlagung besser.
| zu versteuerndes Einkommen | Grenzbelastung | günstiger |
|---|---|---|
| 15.000 € | 19,80 % | Veranlagung |
| 20.000 € | 24,90 % | Veranlagung |
| 24.038 € | 26,30 % | Veranlagung |
| 24.039 € | 26,40 % | Abgeltung |
| 30.000 € | 28,30 % | Abgeltung |
| 45.000 € | 33,60 % | Abgeltung |
Der Kipppunkt liegt bei einem zu versteuernden Einkommen von 24.039 € – gerechnet ohne die Kapitalerträge selbst und nach dem Tarif mit Stand 1. Januar 2026. Darunter holt sich ein Anleger über die Anlage KAP Geld zurück, das die Bank schon abgeführt hat; darüber wäre die Veranlagung teurer, und der Antrag wird vom Finanzamt verworfen, ohne zu schaden.
Diese Schwelle ist empfindlich gegen einen Rechenfehler, der nahe liegt: Wer den Solidaritätszuschlag im Veranlagungsfall pauschal mit 5,5 % ansetzt, übersieht, dass er dort erst ab 20.350 € Einkommensteuer überhaupt anfällt – und landet fast 4.000 € zu tief. In dem Einkommensbereich, um den es hier geht, zahlt niemand Solidaritätszuschlag auf sein Erwerbseinkommen. Auf die Kapitalerträge zahlt er ihn, siehe oben.
Wofür die Haltedauer nichts mehr zählt
Eine Regel, die seit siebzehn Jahren nicht mehr gilt, hält sich beharrlich: dass Kursgewinne nach einem Jahr Haltedauer steuerfrei seien. Die einjährige Frist des § 23 EStG gilt für Wertpapiere nur noch bei Altbeständen, die vor dem 1. Januar 2009 gekauft wurden. Wer danach gekauft hat, zahlt bei jedem Verkauf mit Gewinn – unabhängig davon, ob er ein Jahr oder zwanzig gehalten hat.
Für Immobilien und andere private Veräußerungsgeschäfte gilt § 23 EStG weiter, dort mit zehn Jahren. Nur Wertpapiere sind seit der Einführung der Abgeltungsteuer aus dieser Systematik heraus.
Was diese Rechnung nicht abbildet
Der Rechner oben und die Zahlen hier unterstellen inländische Kapitalerträge ohne anrechenbare ausländische Quellensteuer – die Größe q der gesetzlichen Formel steht durchgehend auf null. Wer ausländische Dividenden bezieht, hat je nach Herkunftsland Quellensteuer gezahlt, die teilweise angerechnet wird; die tatsächliche Belastung liegt dann anders.
Nicht abgebildet sind außerdem die Teilfreistellung für Fondsanteile nach § 20 Abs. 1 InvStG, die bei Aktienfonds 30 % des Ertrags steuerfrei stellt, sowie Verlustverrechnungstöpfe, Freistellungsaufträge über mehrere Banken und die Nichtveranlagungsbescheinigung. Jede dieser Regeln drückt die tatsächliche Belastung weiter unter die 26,375 %, die dieser Artikel als Grenzsatz zugrunde legt.