Die Entscheidung zwischen Kaufen und Mieten gehört zu den folgenreichsten finanziellen Weichenstellungen im Leben. Sie ist einerseits eine reine Rechenaufgabe – Zinsen, Nebenkosten, Wertsteigerung und entgangene Rendite des Eigenkapitals lassen sich beziffern. Andererseits ist sie eine Lebensfrage: Flexibilität und Ungebundenheit sprechen für die Miete, Sicherheit und Vermögensaufbau für das Eigentum. Der Rechner vergleicht beide Wege über einen langen Zeitraum; dieser Ratgeber ordnet die wichtigsten Kostenblöcke ein.
Kaufnebenkosten: der unterschätzte Brocken
Wer kauft, zahlt weit mehr als den Kaufpreis. Die einmaligen Erwerbsnebenkosten betragen je nach Bundesland und Maklereinsatz zwischen rund 9 % und 15 % des Kaufpreises und müssen in der Regel aus Eigenkapital bezahlt werden – Banken finanzieren sie ungern mit:
| Kostenart | Höhe (typisch) | Rechtsgrundlage / Hinweis |
| Grunderwerbsteuer | 3,5 – 6,5 % | je Bundesland (siehe Tabelle) |
| Notar | ca. 1,0 – 1,5 % | gesetzlich nach GNotKG |
| Grundbucheintrag | ca. 0,5 % | gesetzlich nach GNotKG |
| Maklerprovision | 0 – 3,57 % | seit 12/2020 meist hälftig geteilt |
Grunderwerbsteuer nach Bundesland (Stand 2026)
Der größte und regional stark schwankende Posten ist die Grunderwerbsteuer. Bayern erhebt mit 3,5 % den niedrigsten, mehrere Länder mit 6,5 % den höchsten Satz. Die Beispielspalte zeigt die Steuer auf einen Kaufpreis von 400.000 €:
| Bundesland | Steuersatz | Bei 400.000 € Kaufpreis |
| Bayern | 3,5 % | 14.000 € |
| Baden-Württemberg | 5,0 % | 20.000 € |
| Bremen, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz | 5,0 % | 20.000 € |
| Sachsen-Anhalt, Thüringen | 5,0 % | 20.000 € |
| Hamburg, Sachsen | 5,5 % | 22.000 € |
| Berlin, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern | 6,0 % | 24.000 € |
| Brandenburg, NRW, Saarland, Schleswig-Holstein | 6,5 % | 26.000 € |
Die laufenden Kosten und die entgangene Rendite
Neben Zins und Tilgung tragen Eigentümer laufende Kosten, die Mieter nicht kennen: Instandhaltung von rund 1 % des Immobilienwerts pro Jahr (ein 400.000-€-Objekt also etwa 4.000 € jährlich), dazu Grundsteuer, Wohngebäudeversicherung und größere Sanierungen. Häufig übersehen wird die Opportunitätskosten des Eigenkapitals: Die 60.000 bis 100.000 €, die als Eigenkapital in Steine fließen, könnten alternativ am Kapitalmarkt Rendite erwirtschaften. Diese entgangene Rendite gehört auf die Kostenseite des Kaufens.
Wertsteigerung, Zinsen und die Faustregel
Der entscheidende Ausgleichsposten ist die Wertentwicklung der Immobilie. Historisch stiegen deutsche Immobilienpreise langfristig um etwa 2 bis 3 % pro Jahr – regional aber sehr unterschiedlich und keineswegs garantiert. Gleichzeitig gilt: Niedrige Zinsen (2–3 %) begünstigen den Kauf, hohe Zinsen (5–6 %) machen die Miete attraktiver. Eine grobe erste Orientierung liefert der Kaufpreisfaktor: Kostet die Immobilie weniger als das 25-Fache der Jahresnettokaltmiete (Mietrendite über 4 %), spricht das eher für den Kauf; liegt der Faktor deutlich höher – in München oder Berlin oft über 30 –, ist Mieten und die Differenz anzulegen häufig wirtschaftlicher.
Wann sich Kaufen lohnt – und wann Mieten
Für den Kauf sprechen eine geplante Haltedauer von mehr als zehn Jahren, ein stabiles Einkommen, ausreichend Eigenkapital für die Nebenkosten und der Wunsch nach Gestaltungsfreiheit. Für die Miete sprechen berufliche oder private Mobilität, ein kurzer Planungshorizont und der Wert der Flexibilität: Nach § 573c BGB können Mieter mit dreimonatiger Frist kündigen, während ein Immobilienverkauf Monate dauert und erneut Nebenkosten verursacht. Gegen unkontrollierte Mietsprünge schützt zudem die Kappungsgrenze des § 558 BGB, die Erhöhungen im Bestand auf 20 % (in angespannten Märkten 15 %) in drei Jahren begrenzt.