Mit dem Erbschaftsteuer-Rechner berechnen Sie die Erbschaftsteuer basierend auf dem Nachlasswert. Ermitteln Sie Freibeträge, Steuerklasse und die zu erwartende Steuerlast je nach Verwandtschaftsgrad.
So wird gerechnet
Maßgeblich ist nicht der gesamte Nachlass, sondern der Erwerb des einzelnen Erben (§ 10 ErbStG). Davon geht der persönliche Freibetrag nach § 16 Abs. 1 ab – für Ehegatten 500.000 €, für Kinder 400.000 €, für alle übrigen Erwerber 20.000 €. Auf den Rest wird ein einziger Satz zwischen 7 % und 50 % angewendet, der sich nach der erreichten Wertstufe richtet.
Steuerklassen nach § 15 Abs. 1 ErbStG, Freibeträge nach § 16 Abs. 1, Steuersätze nach § 19 Abs. 1 und Härteausgleich nach § 19 Abs. 3 (abgerufen am 13.08.2026). Nicht berücksichtigt: der Versorgungsfreibetrag nach § 17 und die Verschonung von Betriebs- und Wohnimmobilienvermögen nach §§ 13a, 13d.
Hintergrund
Ein Euro mehr Erbe hebt den ganzen Betrag in die nächste Steuerstufe – der Härteausgleich bremst nur den Sprung
Die Erbschaftsteuer kennt keine Progression wie die Einkommensteuer. Überschreitet der steuerpflichtige Erwerb eine Wertgrenze auch nur um einen Euro, gilt der höhere Satz für die volle Summe (§ 19 Abs. 1 ErbStG). An der Grenze von 300.000 € wären das ohne Gegenmaßnahme 12.000,26 € mehr Steuer für einen einzigen Euro mehr Erbe. Tatsächlich sind es 0,61 € – weil § 19 Abs. 3 ErbStG einen Härteausgleich vorschreibt.
Grundlage: § 15 ErbStG – Steuerklassen · § 16 ErbStG – Freibeträge und 1 weitere · alle Quellen
Kein Stufentarif: ein Satz für den ganzen Erwerb
§ 19 Abs. 1 ErbStG ordnet an: „Die Erbschaftsteuer wird nach folgenden Prozentsätzen erhoben“ – gefolgt von einer Tabelle, die jedem steuerpflichtigen Erwerb genau eine Wertstufe zuweist. Der Satz dieser Stufe gilt für den gesamten Erwerb, nicht nur für den Teil oberhalb der vorherigen Grenze. Das ist der zentrale Unterschied zur Einkommensteuer, die nach § 32a EStG jeden Euro innerhalb einer Zone einzeln besteuert und die Zonen aufsummiert.
Am Beispiel des Rechners oben, 500.000 € Erbe für ein Kind (Steuerklasse I, Freibetrag 400.000 €): Der steuerpflichtige Erwerb beträgt 100.000 € und liegt damit in der zweiten Wertstufe von § 19 Abs. 1 ErbStG, mit 11 %. Die Steuer beträgt deshalb 100.000 € × 11 % = 11.000 €. Wer stattdessen wie bei der Einkommensteuer stufenweise rechnet – die ersten 75.000 € zu 7 %, den Rest zu 11 % – kommt auf 8.000 €, also 3.000 € zu wenig. Diese Rechnung ist schlicht falsch: Das Gesetz kennt hier keine Stufenaddition.
Ohne Deckelung wäre ein einziger Euro extrem teuer
Genau weil der ganze Erwerb in die höhere Stufe rutscht, sobald er eine
Wertgrenze übersteigt, entstünde ohne Gegenmaßnahme an jeder Grenze ein
Sprung, der in keinem Verhältnis zum zusätzlichen Euro Erbe steht. Die
folgende Tabelle vergleicht für ein Kind (Steuerklasse I) einen Erwerb
genau einen Euro unter und einen Euro über jeder Wertgrenze aus
§ 19 Abs. 1 ErbStG – einmal mit dem tatsächlich erhobenen Betrag, einmal
mit dem Wert, der ohne den Härteausgleich fällig würde (Feld
steuerOhneAusgleich des Rechners).
| Wertgrenze (zu versteuernder Erwerb) | Satz davor → danach | Sprung ohne Ausgleich | Sprung tatsächlich |
|---|---|---|---|
| 75.000 € | 7 % → 11 % | 3.000,18 € | 0,57 € |
| 300.000 € | 11 % → 15 % | 12.000,26 € | 0,61 € |
| 600.000 € | 15 % → 19 % | 24.000,34 € | 0,65 € |
| 6.000.000 € | 19 % → 23 % | 240.000,42 € | 0,69 € |
| 13.000.000 € | 23 % → 27 % | 520.000,50 € | 0,73 € |
| 26.000.000 € | 27 % → 30 % | 780.000,57 € | 0,77 € |
An der meistgesuchten Grenze von 300.000 € zu versteuerndem Erwerb
steigt der Satz von 11 % auf
15 %. Ohne Härteausgleich würde ein einziger
Euro mehr Erbe die Steuer um 12.000,26 € erhöhen –
weil dann nicht nur der eine Euro, sondern der gesamte steuerpflichtige
Erwerb mit dem höheren Satz belastet würde. Tatsächlich beträgt der
Sprung 0,61 €. Der Rechner oben weist beide
Werte aus: steuer für den tatsächlich gedeckelten Betrag,
steuerOhneAusgleich für den hypothetischen Wert ohne
§ 19 Abs. 3.
Der Härteausgleich nach § 19 Abs. 3 ErbStG
Das Gesetz begrenzt den Sprung, indem es die Mehrsteuer kappt. § 19 Abs. 3 ErbStG lautet wörtlich: „Der Unterschied zwischen der Steuer, die sich bei Anwendung des Absatzes 1 ergibt, und der Steuer, die sich berechnen würde, wenn der Erwerb die letztvorhergehende Wertgrenze nicht überstiegen hätte, wird nur insoweit erhoben, als er a) bei einem Steuersatz bis zu 30 Prozent aus der Hälfte, b) bei einem Steuersatz über 30 Prozent aus drei Vierteln, des die Wertgrenze übersteigenden Betrags gedeckt werden kann.“ Die Steuerklasse I erreicht nach § 19 Abs. 1 ErbStG höchstens 30 %, der Anteil bleibt dort also durchgehend bei der Hälfte (Buchstabe a).
Nachgerechnet für die 300.000 €-Euro-Grenze, unabhängig vom Rechner:
Die Steuer an der Grenze selbst beträgt 300.000 € ×
11 % = 33.000,00 €. Der übersteigende Betrag
ist 1,00 €, davon zählt die Hälfte, also
0,50 €. Zusammen ergibt das
33.000,50 € – exakt der Betrag, den
berechneErbschaftsteuer für 700.001 €
Erbe eines Kindes ausweist. Ein Selbsttest im Kopf dieser Seite prüft das
bei jedem Build nach und lässt ihn scheitern, sobald Modul und
Handrechnung auseinanderlaufen.
Die Steuerklasse wiegt schwerer als der Betrag
Wie stark der Erwerb besteuert wird, hängt nach § 15 Abs. 1 ErbStG vom Verwandtschaftsgrad ab – nicht nur über den Freibetrag nach § 16 Abs. 1, sondern auch über den Steuersatz selbst. Ein Neffe zählt nach § 15 Abs. 1 zur Steuerklasse II, ein Kind zur Steuerklasse I. Bei gleichem Erwerb von 500.000 € zeigt sich der Unterschied deutlich:
| Erwerber | Steuerklasse | Freibetrag | zu versteuern | Satz | Steuer | effektiv |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Kind | I | 400.000 € | 100.000 € | 11 % | 11.000 € | 2 % |
| Neffe | II | 20.000 € | 480.000 € | 25 % | 120.000 € | 24 % |
Der Freibetrag des Neffen ist mit 20.000 € nur ein Zwanzigstel dessen, was ein Kind absetzen darf (400.000 €), und der Satz liegt mit 25 % mehr als doppelt so hoch wie beim Kind (11 %). Beide Effekte zusammen ergeben eine effektive Belastung von 24 % des Erwerbs beim Neffen gegenüber 2 % beim Kind – das 10,9-Fache. Wer sein Vermögen einem Neffen statt einem Kind hinterlässt, verliert diesen Unterschied nicht durch einen höheren Nachlasswert, sondern allein durch die Zuordnung zu einer anderen Steuerklasse nach § 15 Abs. 1 ErbStG.
Was der Rechner bewusst nicht berücksichtigt
Der besondere Versorgungsfreibetrag nach § 17 ErbStG (bis zu 256.000 € für Ehegatten, gestaffelt nach Alter für Kinder) fehlt, weil das Formular die dafür nötigen Angaben – etwa den Kapitalwert steuerfreier Versorgungsbezüge – gar nicht erhebt. Ihn ungefragt anzusetzen würde die Steuer in den meisten Fällen zu niedrig ausweisen. Ebenfalls nicht abgebildet sind die Verschonungsregeln für Betriebsvermögen (§§ 13a ff. ErbStG) und vermietete Wohnimmobilien (§ 13d ErbStG), das Familienheim (§ 13 Abs. 1 Nr. 4b ErbStG) sowie die Zusammenrechnung mehrerer Erwerbe binnen zehn Jahren nach § 14 ErbStG. Wer eine dieser Vergünstigungen in Anspruch nehmen kann, zahlt weniger, als der Rechner oben zeigt.