Bevor Sie Geld anlegen, sollten Sie Ihr persönliches Risikoprofil kennen. Es beschreibt, wie viel Schwankung und möglichen Verlust Sie bei Ihrer Geldanlage verkraften können und wollen. Banken und Finanzdienstleister sind nach dem Wertpapierhandelsgesetz (WpHG, §§ 63 ff.) verpflichtet, vor einer Anlageberatung die Risikobereitschaft ihrer Kunden zu ermitteln.
Die vier Anlegerprofile im Detail: Der konservative Anleger setzt auf Sicherheit und akzeptiert dafür niedrigere Renditen. Typische Anlagen sind Tagesgeld, Festgeld und Staatsanleihen mit hoher Bonität. Der ausgewogene Anleger mischt Aktien und Anleihen zu etwa gleichen Teilen und akzeptiert moderate Schwankungen. Der wachstumsorientierte Anleger investiert 70-80 % in Aktien und nimmt stärkere Kursschwankungen in Kauf, um langfristig eine höhere Rendite zu erzielen. Der aggressive Anleger setzt fast äußchließlich auf Aktien und Risikokapital und muss temporäre Verluste von 30 % oder mehr verkraften können.
Welche Faktoren bestimmen das Risikoprofil? Drei Hauptfaktoren spielen eine Rolle: Der Anlagehorizont (je länger, desto mehr Risiko ist möglich, weil Kursschwankungen über die Zeit ausgeglichen werden), die persönliche Verlusttoleranz (wie reagieren Sie, wenn Ihr Depot 20 % im Minus ist?) und die finanzielle Gesamtsituation (sicheres Einkommen, Notgroschen vorhanden, keine Schulden). Ein Beamter mit 30 Jahren Anlagehorizont kann deutlich mehr Risiko eingehen als ein Selbstständiger, der in 3 Jahren eine Immobilie kaufen möchte.
Zahlenbeispiel: Angenommen, Sie sind 30 Jahre alt, haben einen sicheren Job und einen Anlagehorizont von 25 Jahren. Bei einem wachstumsorientierten Profil mit 80 % Aktienanteil hätten Sie historisch betrachtet im Schnitt etwa 7-8 % Rendite pro Jahr erzielt. Aus einer monatlichen Sparrate von 300 Euro können so in 25 Jahren etwa 240.000 Euro werden. Bei einem konservativen Profil mit 3 % Rendite wären es dagegen nur rund 130.000 Euro.
Praxistipp: Überprüfen Sie Ihr Risikoprofil mindestens alle 2-3 Jahre oder bei großen Veränderungen in Ihrem Leben (Heirat, Kinder, Jobwechsel, Immobilienkauf). Was mit 25 Jahren die richtige Strategie war, muss mit 50 Jahren nicht mehr passen. Ein ETF-Portfolio lässt sich leicht anpassen, indem Sie bei Neuanlagen die Gewichtung verschieben.