Geld & Gehalt

Mit dem Risikoprofil-Rechner ermitteln Sie Ihr persönliches Anlegerprofil in wenigen Schritten. Erfahren Sie, welche Anlagestrategie zu Ihrer Risikobereitschaft und Lebenssituation passt.

Anlegerprofil
—

So wird gerechnet

Das Profil wird aus Anlagehorizont, Risikobereitschaft und finanzieller Situation berechnet. Banken sind nach dem Wertpapierhandelsgesetz (WpHG) verpflichtet, vor der Anlageberatung ein solches Profil zu erstellen. Die Ergebnisse reichen von konservativ bis aggressiv.

Konservativ bis aggressiv.

Hintergrund

Der 40. Geburtstag kann das Anlegerprofil kippen – ohne dass sich etwas an der Risikobereitschaft ändert

Zwei Menschen füllen den Rechner oben mit identischen Antworten aus: mittelfristiger Anlagehorizont, kleine Verlusttoleranz, sicheres Einkommen. Der eine ist 39, der andere 40. Der Rechner stuft sie trotzdem unterschiedlich ein – Wachstumsorientiert mit 80 % Aktienquote gegen Ausgewogen mit 50 %. Der einzige Unterschied ist das Datum auf dem Ausweis.

Von Matthias Dührkop · Stand

Wie aus vier Antworten eine Kategorie wird

Der Rechner oben stellt vier Fragen und verrechnet sie zu einer einzigen Punktzahl. Der Anlagehorizont bringt 1 bis 3 Punkte, die Verlusttoleranz ebenfalls 1 bis 3, die Einkommenssicherheit 0 bis 2. Hinzu kommt ein Alters-Bonus von 0 bis 3 Punkten, den niemand direkt sieht: Er steckt in der Formel Math.max(0, 3 − Math.floor(Alter / 20)). Aus der Summe – zwischen 2 und 11 Punkten möglich – macht der Rechner vier Kategorien: bis 4 Punkte Konservativ, bis 6 Ausgewogen, bis 8 Wachstumsorientiert, darüber Aggressiv. Das ist im Build dieser Seite nachgerechnet: Für alle Übergänge zwischen 4 und 9 Punkten liefert der Nachbau der Rechenlogik genau die Kategorie, die die Schwellenwerte im Skript vorschreiben.

Ein Punktesystem mit festen Schwellen hat einen unvermeidlichen Nebeneffekt: Direkt an einer Schwelle unterscheidet ein einziger Punkt über eine ganze Kategorie, während er mitten in einer Kategorie gar nichts bewirkt. Interessant wird das, sobald man sich ansieht, woher dieser eine Punkt kommen kann – und der Alters-Bonus liefert dafür einen Fall, den man nicht erwartet: Er hängt nicht davon ab, wie alt jemand ungefähr ist, sondern ob ein bestimmter Kalendertag schon vergangen ist.

Der Alters-Bonus springt, statt zu sinken

Math.floor(Alter / 20) ist über weite Strecken konstant und macht dann einen Satz. Zwischen 20 und 39 Jahren liefert die Formel denselben Bonus von 2 Punkten – ein 20-Jähriger und ein 39-Jähriger werden vom Rechner in dieser Hinsicht exakt gleich behandelt, das ist im Build geprüft. Erst zum 40. Geburtstag fällt der Bonus um genau einen Punkt, auf 1. Dieselbe Stufe wiederholt sich am 60. Geburtstag, wo der Bonus von 1 auf 0 fällt. Am 80. Geburtstag passiert dagegen nichts mehr, weil der Bonus da bereits bei 0 angekommen ist – die Formel deckelt ihn mit Math.max(0, …) nach unten.

Drei echte Kanten liegen also im nutzbaren Altersbereich des Rechners (18 bis 80 Jahre): 20, 40 und 60. An jeder dieser Kanten verliert die Punktzahl exakt einen Punkt – nicht allmählich über mehrere Jahre verteilt, sondern an einem einzigen Tag.

Das Beispiel: 39 gegen 40 Jahre

Für den Anlagehorizont "Mittelfristig (5–10 Jahre)", die Verlusttoleranz "Kleiner Verlust (bis 10 %)" und die Einkommenssicherheit "Normal (fest angestellt)" ergeben die drei Sachfragen zusammen 5 Punkte – unabhängig vom Alter. Mit 39 Jahren kommt der Alters-Bonus von 2 Punkten hinzu: 7 Punkte, Kategorie Wachstumsorientiert, empfohlene Aktienquote 80 %. Mit 40 Jahren – bei exakt denselben drei Antworten – sinkt der Bonus auf 1: 6 Punkte, Kategorie Ausgewogen, empfohlene Aktienquote 50 %. Ein einziger Tag verschiebt die empfohlene Aktienquote laut Rechner um 30 Prozentpunkte, ohne dass sich an Horizont, Verlusttoleranz oder Einkommen auch nur eine Antwort geändert hätte.

Der Effekt ist kein Einzelfall dieser einen Fragenkombination. Mit dem Anlagehorizont "Kurzfristig (1–3 Jahre)", der Verlusttoleranz "Kein Verlust tolerieren" und der Einkommenssicherheit "Sehr sicher" kippt die Kategorie in gleicher Weise am 60. Geburtstag: Mit 59 Jahren 5 Punkte und Kategorie Ausgewogen, mit 60 Jahren 4 Punkte und Kategorie Konservativ. Zwei unterschiedliche Fragenkombinationen, zwei unterschiedliche Alterskanten, derselbe Mechanismus.

Wie oft der Sprung überhaupt etwas ändert

Die drei Sachfragen des Rechners lassen sich unabhängig vom Alter in 4 × 5 × 3 = 60 mögliche Kombinationen einsortieren – jede Dropdown-Option einmal eingesetzt. Für jede dieser 60 Kombinationen lässt sich prüfen, ob ein Bonus-Verlust von einem Punkt die Kategorie tatsächlich verschiebt, oder ob genug Abstand zur nächsten Schwelle besteht, damit nichts passiert. Das Ergebnis: Am 20. Geburtstag betrifft es 27 von 60 Kombinationen, am 40. Geburtstag 29 von 60, am 60. Geburtstag sogar 30 von 60 – genau die Hälfte.

Anteil der Antwortkombinationen, bei denen ein Geburtstag die Kategorie verschiebt
GeburtstagBetroffene KombinationenAnteil
20. Geburtstag27 von 6045 %
40. Geburtstag29 von 6048 %
60. Geburtstag30 von 6050 %

Gezählt sind alle Kombinationen der drei Sachfragen, nicht die Häufigkeit realer Nutzereingaben – der Rechner protokolliert keine Antworten, aus denen sich eine tatsächliche Verteilung ablesen ließe. Die Tabelle zeigt also, wie anfällig das Punkteschema für die Alterskante ist, nicht, wie oft es in der Praxis genau an dieser Stelle liegt.

Der Grund, warum die Quote am 60. Geburtstag am höchsten ist, liegt an der Form der Verteilung: Mit 16 von 60 Kombinationen liegt die Sachfragen-Summe am häufigsten bei genau 6 Punkten – dem Wert direkt an der Schwelle zwischen Ausgewogen und Wachstumsorientiert. Ein Bonus-Verlust von einem Punkt trifft eine Summe von 6 besonders leicht, weil sie schon vor dem Verlust nah an einer Grenze liegt.

Was das für die Einordnung bedeutet

Das ist zunächst keine Rechenpanne: Jede Einteilung in Kategorien über Schwellenwerte erzeugt zwangsläufig Kanten irgendwo. Bemerkenswert ist nur, dass eine dieser Kanten am Alter hängt, obwohl Alter im echten Leben stufenlos verläuft – die Risikofähigkeit eines 39-Jährigen unterscheidet sich nicht messbar von der am folgenden Geburtstag. Der Rechner bildet diese Kontinuität nicht ab, sondern rundet sie in Zwanzig-Jahres-Blöcken auf drei mögliche Bonuswerte herunter.

Das ist keine Anlageempfehlung und keine Aussage darüber, welches der beiden Profile "richtiger" wäre. Gemeint ist nur die Rechenlogik: Wer nah an einer der drei Alterskanten liegt oder dessen Punktesumme aus den anderen drei Fragen nah an 4, 6 oder 8 liegt, sollte das angezeigte Profil als grobe Orientierung lesen, nicht als exaktes Messergebnis. Wie stark sich die Sachfragen selbst auswirken, lässt sich oben direkt ausprobieren, indem man Horizont, Verlusttoleranz oder Einkommenssicherheit einzeln ändert.

Bemerkenswert ist der Kontrast zu einer Faustformel, die weiter unten auf dieser Seite in den häufigen Fragen steht: "100 minus Alter" als Aktienanteil in Prozent. Diese Formel unterstellt einen stufenlosen Zusammenhang – jedes zusätzliche Lebensjahr senkt die Empfehlung um genau einen Prozentpunkt. Der Rechner selbst rechnet intern anders: Er kennt nur drei Alters-Boni (3, 2 und 1 Punkte, dazu 0 ab 60) und damit nur drei Altersstufen statt eines stufenlosen Verlaufs. Ein Nutzer, der die Faustformel aus der eigenen FAQ-Antwort im Kopf hat, würde also ein anderes Verhalten erwarten, als das Punkteschema tatsächlich zeigt.

Häufige Fragen

Was ist ein Risikoprofil und warum brauche ich eines?

Ein Risikoprofil beschreibt Ihre persönliche Bereitschaft und Fähigkeit, finanzielle Verluste zu tragen. Es hilft Ihnen, eine Anlagestrategie zu wählen, die zu Ihrer Lebenssituation passt. Banken und Finanzberater sind nach dem Wertpapierhandelsgesetz (WpHG) sogar verpflichtet, vor der Anlageberatung Ihr Risikoprofil zu ermitteln.

Welche Risikoprofile gibt es?

Typisch sind vier Stufen: Konservativ (Fokus auf Kapitalerhalt, hauptsächlich Anleihen und Festgeld), Ausgewogen (Mischung aus Aktien und Anleihen), Wachstumsorientiert (hoher Aktienanteil für langfristigen Vermögensaufbau) und Aggressiv (fast ausschließlich Aktien und risikoreiche Anlagen für maximale Rendite bei hohem Verlustrisiko).

Kann sich mein Risikoprofil im Laufe der Zeit ändern?

Ja, und das ist sogar normal. Mit zunehmendem Alter, Veränderungen in der Einkommenssituation oder wenn größere Ausgaben wie ein Immobilienkauf anstehen, sollten Sie Ihr Risikoprofil neu bewerten. Faustregel: Je näher der Zeitpunkt rückt, an dem Sie das Geld benötigen, desto konservativer sollte die Anlage sein.

Wie viel Aktienanteil ist für mein Alter sinnvoll?

Eine verbreitete Faustformel lautet: 100 minus Alter = Aktienanteil in Prozent. Ein 30-Jähriger könnte demnach 70 % in Aktien investieren. Diese Regel ist jedoch nur ein grober Anhaltspunkt. Entscheidend sind auch Ihre finanzielle Situation, Ihr Anlagehorizont und Ihre persönliche Verlusttoleranz.

Ist dieses Ergebnis eine Anlageberatung?

Nein. Der Rechner gibt eine erste Orientierung auf Basis Ihrer Angaben. Er ersetzt keine professionelle Anlageberatung. Für eine individuelle Empfehlung sollten Sie einen unabhängigen Finanzberater oder Ihre Bank konsultieren, die Ihre gesamte finanzielle Situation berücksichtigen.

Wie viel Rendite kann ich je nach Risikoprofil erwarten?

Historische Durchschnittsrenditen (nach Inflation): Konservativ (Festgeld/Anleihen) ca. 1-3 % p.a., Ausgewogen (Mischfonds) ca. 4-6 % p.a., Wachstumsorientiert (80 % Aktien-ETF) ca. 6-8 % p.a., Aggressiv (100 % Aktien) ca. 7-9 % p.a. Vergangene Renditen garantieren keine zukünftigen Ergebnisse.

Welche ETFs passen zu meinem Risikoprofil?

Konservativ: Geldmarkt-ETFs oder kurzlaufende Anleihen-ETFs. Ausgewogen: Ein MSCI World ETF kombiniert mit einem Anleihen-ETF (z.B. 50/50). Wachstumsorientiert: MSCI World oder MSCI ACWI ETF als Basis (70-80 %) plus Anleihen. Aggressiv: 100 % breit gestreuter Aktien-ETF wie MSCI World oder FTSE All-World.

Risikoprofil verstehen: So finden Sie Ihre passende Anlagestrategie

Bevor Sie Geld anlegen, sollten Sie Ihr persönliches Risikoprofil kennen. Es beschreibt, wie viel Schwankung und möglichen Verlust Sie bei Ihrer Geldanlage verkraften können und wollen. Banken und Finanzdienstleister sind nach dem Wertpapierhandelsgesetz (WpHG, §§ 63 ff.) verpflichtet, vor einer Anlageberatung die Risikobereitschaft ihrer Kunden zu ermitteln.

Die vier Anlegerprofile im Vergleich

ProfilAktienquoteHistorische Rendite (p.a.)Max. Verlust (historisch)Typische Anlagen
Konservativ0-20 %1-3 %-5 %Tagesgeld, Festgeld, Staatsanleihen
Ausgewogen40-60 %4-6 %-20 %Mischfonds, Anleihen-/Aktien-ETF-Mix
Wachstumsorientiert70-80 %6-8 %-35 %MSCI World ETF + Anleihen
Aggressiv90-100 %7-9 %-50 %Aktien-ETFs, Einzelaktien, Schwellenländer

Welche Faktoren bestimmen das Risikoprofil? Drei Hauptfaktoren spielen eine Rolle: Der Anlagehorizont (je länger, desto mehr Risiko ist möglich, weil Kursschwankungen über die Zeit ausgeglichen werden), die persönliche Verlusttoleranz (wie reagieren Sie, wenn Ihr Depot 20 % im Minus ist?) und die finanzielle Gesamtsituation (sicheres Einkommen, Notgroschen vorhanden, keine Schulden). Ein Beamter mit 30 Jahren Anlagehorizont kann deutlich mehr Risiko eingehen als ein Selbstständiger, der in 3 Jahren eine Immobilie kaufen möchte.

Vermögensentwicklung nach Risikoprofil (300 Euro Sparrate/Monat)

AnlagehorizontKonservativ (2 %)Ausgewogen (5 %)Wachstum (7 %)Aggressiv (9 %)
10 Jahre39.700 Euro46.600 Euro51.800 Euro57.600 Euro
20 Jahre88.400 Euro123.300 Euro156.500 Euro200.300 Euro
30 Jahre147.800 Euro249.700 Euro365.000 Euro538.600 Euro

Angaben gerundet, ohne Berücksichtigung von Steuern und Inflation. Vergangene Renditen garantieren keine zukünftigen Ergebnisse.

Zahlenbeispiel: Angenommen, Sie sind 30 Jahre alt, haben einen sicheren Job und einen Anlagehorizont von 25 Jahren. Bei einem wachstumsorientierten Profil mit 80 % Aktienanteil hätten Sie historisch betrachtet im Schnitt etwa 7-8 % Rendite pro Jahr erzielt. Aus einer monatlichen Sparrate von 300 Euro können so in 25 Jahren etwa 240.000 Euro werden. Bei einem konservativen Profil mit 2 % Rendite wären es dagegen nur rund 115.000 Euro - ein Unterschied von über 125.000 Euro.

Praxistipp: Überprüfen Sie Ihr Risikoprofil mindestens alle 2-3 Jahre oder bei großen Veränderungen in Ihrem Leben (Heirat, Kinder, Jobwechsel, Immobilienkauf). Was mit 25 Jahren die richtige Strategie war, muss mit 50 Jahren nicht mehr passen. Ein ETF-Portfolio lässt sich leicht anpassen, indem Sie bei Neuanlagen die Gewichtung verschieben. Wichtig: Halten Sie immer 3-6 Monatsgehälter als Notgroschen auf einem Tagesgeldkonto, bevor Sie langfristig investieren.