Bevor Sie Geld anlegen, sollten Sie Ihr persönliches Risikoprofil kennen. Es beschreibt, wie viel Schwankung und möglichen Verlust Sie bei Ihrer Geldanlage verkraften können und wollen. Banken und Finanzdienstleister sind nach dem Wertpapierhandelsgesetz (WpHG, §§ 63 ff.) verpflichtet, vor einer Anlageberatung die Risikobereitschaft ihrer Kunden zu ermitteln.
Die vier Anlegerprofile im Vergleich
| Profil | Aktienquote | Historische Rendite (p.a.) | Max. Verlust (historisch) | Typische Anlagen |
| Konservativ | 0-20 % | 1-3 % | -5 % | Tagesgeld, Festgeld, Staatsanleihen |
| Ausgewogen | 40-60 % | 4-6 % | -20 % | Mischfonds, Anleihen-/Aktien-ETF-Mix |
| Wachstumsorientiert | 70-80 % | 6-8 % | -35 % | MSCI World ETF + Anleihen |
| Aggressiv | 90-100 % | 7-9 % | -50 % | Aktien-ETFs, Einzelaktien, Schwellenländer |
Welche Faktoren bestimmen das Risikoprofil? Drei Hauptfaktoren spielen eine Rolle: Der Anlagehorizont (je länger, desto mehr Risiko ist möglich, weil Kursschwankungen über die Zeit ausgeglichen werden), die persönliche Verlusttoleranz (wie reagieren Sie, wenn Ihr Depot 20 % im Minus ist?) und die finanzielle Gesamtsituation (sicheres Einkommen, Notgroschen vorhanden, keine Schulden). Ein Beamter mit 30 Jahren Anlagehorizont kann deutlich mehr Risiko eingehen als ein Selbstständiger, der in 3 Jahren eine Immobilie kaufen möchte.
Vermögensentwicklung nach Risikoprofil (300 Euro Sparrate/Monat)
| Anlagehorizont | Konservativ (2 %) | Ausgewogen (5 %) | Wachstum (7 %) | Aggressiv (9 %) |
| 10 Jahre | 39.700 Euro | 46.600 Euro | 51.800 Euro | 57.600 Euro |
| 20 Jahre | 88.400 Euro | 123.300 Euro | 156.500 Euro | 200.300 Euro |
| 30 Jahre | 147.800 Euro | 249.700 Euro | 365.000 Euro | 538.600 Euro |
Angaben gerundet, ohne Berücksichtigung von Steuern und Inflation. Vergangene Renditen garantieren keine zukünftigen Ergebnisse.
Zahlenbeispiel: Angenommen, Sie sind 30 Jahre alt, haben einen sicheren Job und einen Anlagehorizont von 25 Jahren. Bei einem wachstumsorientierten Profil mit 80 % Aktienanteil hätten Sie historisch betrachtet im Schnitt etwa 7-8 % Rendite pro Jahr erzielt. Aus einer monatlichen Sparrate von 300 Euro können so in 25 Jahren etwa 240.000 Euro werden. Bei einem konservativen Profil mit 2 % Rendite wären es dagegen nur rund 115.000 Euro - ein Unterschied von über 125.000 Euro.
Praxistipp: Überprüfen Sie Ihr Risikoprofil mindestens alle 2-3 Jahre oder bei großen Veränderungen in Ihrem Leben (Heirat, Kinder, Jobwechsel, Immobilienkauf). Was mit 25 Jahren die richtige Strategie war, muss mit 50 Jahren nicht mehr passen. Ein ETF-Portfolio lässt sich leicht anpassen, indem Sie bei Neuanlagen die Gewichtung verschieben. Wichtig: Halten Sie immer 3-6 Monatsgehälter als Notgroschen auf einem Tagesgeldkonto, bevor Sie langfristig investieren.