Der Rechner nimmt die Rente aus Ihrer Renteninformation, zieht Kranken- und Pflegeversicherung und die Einkommensteuer ab und zeigt, wie groß die Lücke zu Ihrem Wunsch-Netto ist und was ihr Schließen kostet.
So wird gerechnet
Nettorente = Bruttorente − Kranken- und Pflegeversicherung − Einkommensteuer auf den Besteuerungsanteil. Lücke = Wunsch-Netto − Nettorente. Kapitalbedarf = Barwert der Lücke über die Bezugsdauer, Sparrate = Rate, die dieses Kapital bis zum Rentenbeginn erreicht.
Besteuerungsanteil nach § 22 Nr. 1 Satz 3 Buchst. a Doppelbuchst. aa EStG, Pauschbeträge nach §§ 9a, 10c EStG, Vorsorgeaufwendungen nach § 10 Abs. 1 Nr. 3 EStG, Tarif nach § 32a EStG, Renteninformation nach § 109 SGB VI (abgerufen am 14.09.2026). Unterstellt: Rente als einzige Einkunft, ohne Solidaritätszuschlag und Kirchensteuer. Rendite und Bezugsdauer sind Annahmen des Nutzers.
Hintergrund
Doppelte Bezugsdauer, nicht doppeltes Kapital
Der Rechner oben fragt, über wie viele Jahre die Rentenlücke gedeckt werden soll. Wer hier von 20 auf 40 Jahre geht, verdoppelt die Dauer – aber das nötige Kapital steigt im Beispiel nur um 55 %, nicht um 100 %. Der Grund ist derselbe, der auch die zweite Stellschraube des Rechners – die Jahre bis zur Rente – gegenteilig wirken lässt: Zins und Zinseszins.
Grundlage: § 109 Abs. 1 SGB VI – Renteninformation und Rentenauskunft · alle Quellen
Die Lücke aus dem Beispiel oben
Beim voreingestellten Beispiel des Rechners – 1.500 € Rente laut Renteninformation, Rentenbeginn 2055, Wunsch-Netto 2.000 € – bleiben nach Kranken- und Pflegeversicherung und Einkommensteuer 1.273 € Nettorente. Die Lücke zum Wunsch-Netto beträgt 727 € im Monat. Soll sie 20 Jahre lang gedeckt werden, nennt der Rechner bei 3 % angenommener Rendite ein Kapital von 131.162 € bei Rentenbeginn und eine Sparrate von 225 € im Monat über die 30 Jahre bis dahin. Zwei Annahmen bestimmen dieses Ergebnis mit, ohne dass ihr Gewicht auf den ersten Blick erkennbar wäre: wie lange die Lücke gedeckt werden soll, und wie viel Zeit zum Ansparen bleibt. Beide lassen sich im Formular oben verändern – und beide reagieren anders, als eine einfache Dreisatzrechnung vermuten lässt.
Was 20 zusätzliche Jahre wirklich kosten
Naheliegend wäre: doppelte Bezugsdauer, doppeltes Kapital. Rechnet man das Beispiel für verschiedene Bezugsjahre durch, zeigt sich ein anderes Bild:
| Bezugsjahre | Kapitalbedarf | Anteil an der ewigen Rente |
|---|---|---|
| 10 | 75.333 € | 26 % |
| 20 | 131.162 € | 45 % |
| 30 | 172.536 € | 59 % |
| 40 | 203.199 € | 70 % |
| 60 | 242.763 € | 83 % |
| 100 | 276.427 € | 95 % |
Von 10 auf 20 Jahre steigt das nötige Kapital noch kräftig. Von 20 auf 40 Jahre – eine Verdopplung der Dauer – legt es nur um 55 % zu. Von 60 auf 100 Jahre ändert sich fast nichts mehr. Jede zusätzliche Dekade Bezugsdauer bringt weniger zusätzliches Kapital als die vorherige.
Die Grenze: eine Rente ohne Enddatum
Der Grund liegt in der Formel, mit der der Rechner den Kapitalbedarf ermittelt: dem Barwert einer monatlichen Zahlung über die gewählte Dauer, verzinst mit der angenommenen Rendite. Bei einer positiven Rendite zählt ein Euro, der erst in 30 Jahren gebraucht wird, heute weniger als ein Euro, der nächstes Jahr gebraucht wird – und je weiter eine Zahlung in der Zukunft liegt, desto kleiner ihr heutiger Gegenwert. Lässt man die Bezugsdauer gegen unendlich laufen, nähert sich der Barwert einer festen Grenze: der einer ewigen Rente, die jeden Monat dieselbe Lücke deckt, für immer. Im Beispiel liegt diese Grenze bei 290.968 € – dem Kapital, das bei 3 % Rendite ausreicht, um 727 € im Monat auf unbegrenzte Zeit auszuzahlen, weil dann nur noch die Zinsen entnommen werden. Bei 100 Jahren Bezugsdauer ist der Rechner schon bei 95 % dieser Grenze angekommen – kaum noch zu unterscheiden von einer Rente ohne Enddatum.
Ohne Rendite gilt die einfache Rechnung
Damit ist auch klar, woher der Effekt kommt: allein aus der Rendite-Annahme. Setzt man sie auf 0 %, verschwindet die Abflachung vollständig – dann ist Kapitalbedarf schlicht Monatslücke mal Anzahl Monate, und doppelte Bezugsdauer bedeutet exakt doppeltes Kapital:
| Bezugsjahre | Kapitalbedarf bei 0 % Rendite |
|---|---|
| 10 | 87.290 € |
| 20 | 174.581 € |
| 30 | 261.871 € |
| 40 | 349.162 € |
| 60 | 523.742 € |
| 100 | 872.904 € |
Von 20 auf 40 Jahre steigt das Kapital hier um 100 % – exakt die Verdopplung, die man intuitiv erwartet. Die Alltagsrechnung ist also nicht falsch, sondern nur ein Sonderfall: Sie gilt exakt dann, wenn man unterstellt, dass das angesparte Geld während der Auszahlungsphase nichts mehr erwirtschaftet. Sobald eine Rendite angenommen wird – wie in der Grundeinstellung des Rechners –, wird aus der linearen eine abflachende Kurve.
Die zweite Stellschraube: Jahre bis zur Rente
Bei der Ansparzeit dreht sich der Effekt um. Hält man den Kapitalbedarf konstant bei 131.162 € (Bezugsdauer weiterhin 20 Jahre) und verändert nur die Jahre bis zum Rentenbeginn, steigt die nötige Sparrate nicht proportional, sondern schneller als proportional, je knapper die Zeit wird:
| Jahre bis zur Rente | Sparrate im Monat |
|---|---|
| 30 | 225 € |
| 25 | 294 € |
| 20 | 400 € |
| 15 | 578 € |
| 10 | 939 € |
| 5 | 2.029 € |
Halbiert sich die Zeit von 10 auf 5 Jahre, steigt die Sparrate auf das 2,16-Fache – mehr als das Doppelte, aber noch nahe daran. Halbiert sich die Zeit von 30 auf 15 Jahre, steigt sie auf das 2,57-Fache: deutlich mehr als das Doppelte. Je länger der ursprüngliche Anlagehorizont war, desto teurer wird es, ihn zu verkürzen, weil ein größerer Teil des Zielkapitals ursprünglich aus Zinseszins statt aus eigenen Einzahlungen stammen sollte. Bei kurzen Horizonten trägt der Zinseszins ohnehin wenig bei, deshalb nähert sich die Sparrate hier eher der einfachen Verdopplung an.
Was das für die eigene Eingabe heißt
Beide Stellschrauben stehen im Rechner oben als eigene Felder – „Lücke decken über (Jahre)“ und „Jahre bis zum Rentenbeginn“ – und beide sind reine Annahmen des Nutzers, keine Prognosen. Die Rechnung zeigt aber, in welche Richtung die Intuition typischerweise danebenliegt: Bei der Bezugsdauer überschätzt man leicht, wie teuer ein langes Ruhestandsleben zusätzlich wird, wenn ohnehin eine Rendite angesetzt wird. Bei der Ansparzeit unterschätzt man leicht, wie teuer ein knapperer Vorlauf wird – gerade dann, wenn ursprünglich viel Zeit für Zinseszins eingeplant war. Wer beide Werte im Rechner einmal durchprobiert, sieht die tatsächliche Spannbreite statt der linear geschätzten. Unverändert bleibt dabei die Einschränkung aus dem Rechner selbst: Rendite ist eine Annahme, keine Zusage, und Steuern auf die Kapitalerträge während der Anspar- und Auszahlungsphase sind in keiner der beiden Rechnungen enthalten.